Sicheres und gesundes Camping im Winter

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Eiszapfen kleben in den Radkästen, Schnee bedeckt die Windschutzscheibe. Wenn der Winter anbricht, motten viele Camper ihre Wohnwagen und Wohnmobile ein. Eigentlich schade. Denn auch die kalte Jahreszeit lädt zum Übernachten im Fahrzeug ein. Nur sollten Freiluftfans beim Wintercamping einige Dinge beachten.

Von Fabian Hoberg

Wohnmobile im Winter: Isolierung ist alles

Moderne Wohnwagen und Wohnmobile sind in der Regel für den Wintereinsatz gut gerüstet. Doch nicht jedes Fahrzeug ist ab Werk für den kalten Wintereinsatz gemacht. Entscheidend ist dabei die Isolierung. „Für entspanntes Wintercamping ist eine gute Isolierung des Aufbaus unabdingbar. Dazu gehören auch eine vernünftige Isolierverglasung und eine ausreichend dimensionierte Heizung für den gesamten Wohnraum“, sagt Axel Sülwald, Redaktionsleiter von Autobild Reisemobil.

Bei Wohnmobilen mit integriertem Fahrerhaus verhindern Trennvorhänge und passgenaue Thermomatten, dass die Kälte durch die einfach verglasten Seitenscheiben und die Frontscheibe in den Wohnraum zieht.

Entscheidend für einen stressfreien Winterurlaub im Reisemobil ist, dass die Innenraumtemperatur über dem Gefrierpunkt liegt und somit weder Leitungen noch Lebensmittel einfrieren können. Probleme können ein nicht isolierter Abwassertank und nicht isolierte Wasserleitungen bereiten. „Beim Abwassertank verhindern mit Strom gespeiste, dünne elektrische Heizspiralen ein Einfrieren“, erklärt Axel Sülwald. Wasserleitungen lassen sich meist auch nachträglich im Fahrzeug isolieren.


„Elektrische Heizungen funktionieren nur mit einem externen Landladekabel – und nicht wie im Sommer über eine PV-Anlage auf dem Dach.“

Axel Sülwald


Um den Innenraum warm zu halten, aber auch zum Kochen, empfiehlt der Camping-Experte ein Propan-Butan-Gemisch. Das bleibt auch bei Minusgraden gasförmig und liefert sicher Energie. 11 Kilogramm Gas reichen für etwa zwei bis drei Tage. Mit einem Zweiflaschensystem mit Umschaltautomatik geht der Vorrat nicht plötzlich zu Ende – was vor allem in der Nacht nervig werden kann. Mit einem elektrischen Heizelement des Druckreglers, Eis-Ex genannt, friert der Druckregler nicht ein.

„Elektrische Heizungen und Kochfelder funktionieren auf Dauer nur mit einem externen Landladekabel – und nicht wie in Sommermonaten über eine PV-Anlage auf dem Dach“, weiß Axel Sülwald.

Winterfest ab Werk

Manche Hersteller bieten ab Werk optionale Standheizungen oder Winterpakete für Wohnmobile an, die isolierte und beheizte Abwassertanks beinhalten. Es gibt Anbieter, die ihre Reisemobile von Aufbau und Ausstattung her so konstruieren, dass sie winterfest sind. Frisch- und Abwassertanks sind isoliert und eine leistungsstarke Heizung mit Warmwasserboiler gewährleistet einen Wintereinsatz. Optional können Kunden den Komfort durch Warmwasserheizung oder Isoliermatten erhöhen.

Gründlicher Fahrzeugcheck vor Fahrtantritt

Vor der Fahrt in den Winterurlaub steht ein gründlicher Fahrzeugcheck auf dem Programm: Ölkontrolle oder gegebenenfalls Ölwechsel, Frostschutz und Batteriecheck sowie Luftdruckkontrolle. Passende Schneeketten liegen für Notfälle im Kofferraum, ebenso wie Decken, Taschenlampe, Schaufel, Besen, Streugut, dicke Arbeitshandschuhe, lange Leiter, Starthilfekabel und eine alte Montagedecke.


„Für Zugfahrzeuge und Wohnmobile sind Winterreifen Pflicht, bei Wohnwagen empfehlenswert.“


„Wie bei anderen Fahrzeugen gehören im Winter auch bei Wohnmobilen und Wohnwagen Winterreifen montiert. Für Zugfahrzeuge und Wohnmobile sind sie bei winterlichen Bedingungen Pflicht, bei Wohnwagen empfehlenswert“, sagt Axel Sülwald. Dazu sollten die Reifen auch ausreichend Profiltiefe aufweisen. Gesetzlich vorgeschrieben sind zwar nur 1,6 Millimeter, Experte Axel Sülwald empfiehlt aber vier, besser fünf Millimeter Profiltiefe.

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„Bei der Campingplatz-Suche gelten im Winter andere Regeln als im Sommer.“

Axel Sülwald


Augen auf bei der Platzsuche

Den richtigen Campingplatz für den Winter erkennen Camper an einem Schneesymbol in Reise- und Campingführern. Sie bieten in der Regel unter anderem Trockenräume für Skikleidung und eine Gasleitung bis zum Stellplatz. „Bei der Platzsuche gelten im Winter andere Regeln als im Sommer. Spenden Bäume im Sommer praktisch Schatten, können im Winter schneebedeckte Äste brechen und herabfallen“, sagt Axel Sülwald.

Camper parken ihr Fahrzeug auf einem frisch geräumten Stellplatz am besten auf Brettern oder Stützen, damit diese nicht mit dem Boden vereisen. Auch unter eventuellen Hubstützen helfen breite Bretter, um ein Einsinken bei Tauwetter zu vermeiden.

Danach verlegen Camper das Landladekabel so, dass es auch ein Räumdienst nicht beschädigen kann. Mit Keilen lässt sich das Fahrzeug sichern, die Handbremse wird danach gelöst, damit sie nicht festfrieren kann. Schutzhüllen oder Plastiktüten schützen Handbremshebel und Auflaufeinrichtung beim Wohnwagen gegen Vereisung.

Wie im Sommer gilt auch im Winter: Schöne und gut ausgestattete Wintercampingplätze sind oft frühzeitig ausgebucht. Deshalb sollten Camper rechtzeitig einen Stellplatz reservieren. Einen guten Überblick gibt die Seite PiNCAMP unter https://www.pincamp.de oder auch der ADAC-Campingführer Deutschland und Nordeuropa sowie Südeuropa (www.adac-shop.de/Reiseliteratur/Campingfuehrer).

Gut Belüften

Für einen einwandfreien Durchzug der Heizung ist ein schneefreier Abgaskamin ebenso wichtig wie freie Be- und Entlüftung, die meist an den Seiten der Fahrzeuge liegen. Eine leicht geöffnete Dachluke erhöht die Luftzirkulation und transportiert die Feuchtigkeit aus dem Fahrzeug. Wer mehrere Tage an einem Wintercampingplatz verbringt, sollte ein Vorzelt mit zusätzlichen Stützen oder Gestängen montieren. Das schafft Stauraum für nasse Ski- oder Wanderkleidung, Skier und Schlitten und funktioniert als Thermoschleuse.

„Wer kein Vorzelt montieren möchte, hängt die nassen Kleidungsstücke besser in den Trockenräumen des Campingplatzes auf als im Wohnmobil“, empfiehlt Axel Sülwald. Bei starkem Schneefall muss nicht nur das Vorzelt regelmäßig von den Schneemassen befreit werden, sondern auch das Dach des Wohnmobils. Nasser Schnee kann selbst auf einer kleinen Fläche mehrere hundert Kilogramm wiegen und das Dach eindrücken. Dann ist der schönste Winterurlaub schnell vorbei.

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Kann man im Winter im Zelt schlafen?

Wer kein Wohnmobil sein Eigen nennt, kann auch im Winter im Zelt schlafen. Doch das wird je nach Temperatur sehr, sehr kalt. Für einen guten Schlaf benötigen Camper eine frostsichere Campingausrüstung mit gut isoliertem Schlafsack, dicker Isomatte, Daunenjacke und Gaslaterne.

Wie kalt wird es nachts im Camper?

Mit einem wintertauglichen Reisemobil lässt sich auch im Winter verreisen und darin auch schlafen. Neben einer wintertauglichen technischen Ausstattung sind für den Komfort eine gute Isolierung der Leitungen, Fenster und Planken entscheidend. Moderne Wohnmobile sind meist wintertauglich. Bei (selbst) umgebauten Kastenwagen fehlt hingegen häufig eine Isolierung. Die sollte eine Wandstärke von etwa drei Zentimetern sowie ein vier Zentimeter dickes Dach und einen ebenso dicken Boden aufweisen.


Ein Camper sollte im Winter ständig beheizt werden, mindestens auf 15 Grad.


Wenn das Wohnmobil nicht beheizt wird, gleicht sich die Innentemperatur mit der Zeit der Außentemperatur an. Daher sollte ein Camper im Winter ständig beheizt werden, mindestens auf 15 Grad. Das gilt auch, wenn die Besitzer tagsüber wandern oder Ski fahren gehen. Denn so betreten sie nach einem Ausflug zumindest einen mäßig beheizten Innenraum.

Übrigens: In unserem Artikel „Fit im Skiurlaub: So sollten Sie sich vorbereiten“ erhalten Sie wertvolle Tipps, um sich optimal auf die Pisten vorzubereiten und das Skifahren in vollen Zügen zu genießen.

Was bedeutet wintertauglich und winterfest beim Wohnmobil?

Die Wintertauglichkeit eines Wohnmobils ist in der Norm EN 1646-1 geregelt. Um die Norm zu erfüllen, wird ein Fahrzeug bei 0 Grad Celsius 10 Stunden mit offenen Fenstern und Türen belüftet, damit es vollständig auskühlt. Anschließend drehen die Tester bei geschlossenen Fenstern und Türen die eingebaute Heizung auf. Erreicht die Temperatur im Inneren nach 2 Stunden eine Temperatur von 20 Grad Celsius, gilt das Wohnmobil als wintertauglich. Die Temperatur wird in der Luft einen Meter über dem Boden in der Mitte des Fahrzeugs gemessen.

Nach der gleichen Norm und einem ähnlichen Versuch lässt sich auch kontrollieren, ob ein Wohnmobil winterfest ist. Beim Test liegt die Außentemperatur bei -15 Grad Celsius. Bei aufgedrehter Heizung muss der Innenraum nach 4 Stunden 20 Grad Celsius erreichen. Dabei wird die Temperatur nicht nur in der Mitte des Fahrzeugs gemessen, sondern noch an fünf weiteren Punkten. Dort darf sie nicht mehr als 7 Grad Celsius abweichen. Nach einer Stunde wird zudem die Wasseranlage gefüllt und eine Stunde später auf Fließfähigkeit überprüft. Nur wenn das Wasser problemlos läuft, gilt ein Wohnmobil als winterfest.

Quellen