Coronavirus: Wie Sie sich eine Community-Maske nähen

Interview zu Community-Masken mit Svenja Küsters

 

Aktuell gilt in allen Bundesländern eine Maskenpflicht. Menschen, die einkaufen gehen oder den öffentlichen Personennahverkehr benutzen, müssen währenddessen Nase und Mund mit Stoff oder ähnlichem bedecken. Zertifizierte Atemschutzmasken sind rar und werden in erster Linie von medizinischem Personal benötigt. Abhilfe schaffen sogenannte Community-Masken. Wie man diese selber macht und was es dabei zu beachten gibt, erklärt uns die passionierte Hobby-Schneiderin Svenja Küsters im Interview. Sie engagiert sich seit mehreren Jahren ehrenamtlich z.B. für den Verein „Herzenssache – Nähen für Sternchen & Frühchen e.V.“ und näht nun schon seit Wochen Masken.

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Das ist Svenja Küsters

Seit Svenja 15 Jahre alt ist, näht sie schon. Zu ihrem 16. Geburtstag bekam sie ihre erste Nähmaschine geschenkt und hat sich das Nähen mit Anleitungen aus Zeitschriften selbst beigebracht. Seitdem gehört das Nähen zu ihrem Alltag. Vor etwa zwei Jahren ist sie bei Instagram zufällig auf das Profil des Vereins „Herzenssache – Nähen für Sternchen & Frühchen e.V.“ gestoßen – seitdem näht sie farbenfrohe Kleidungsstücke und spendet sie gemeinsam mit dem Verein an Kliniken und Privatpersonen. 

Aufgrund der weltweiten Pandemie näht sie mittlerweile auch Community-Masken, die sie unter anderem ihrer Hebamme und dem Geburtshaus in Köln spendet. Auch über den Verein werden selbstgenähte Masken gesammelt und an Krankenhäuser, Hebammen und Pflegedienste verteilt.

Eine Community-Maske ersetzt zwar keine medizinische Atemschutzmaske, doch sie senkt das Risiko einer Verbreitung des Virus im Alltag, also einer Übertragung des Virus an andere Menschen – und sie lässt sich ohne große Näherfahrung selbst herstellen.

Achtung: Auch wenn Sie eine Community-Maske tragen, gelten weiterhin die Abstands- und Hygieneregeln der einzelnen Bundesländer. 

 

Wie kamst du auf die Idee, Masken zu spenden? Und an wen verschenkst du deine selbstgenähten Masken?

Meine Stiefmutter und mein Stiefbruder sind beide Physiotherapeuten und haben jeweils eine eigene Praxis. Und dann wurden die Masken irgendwann knapp … Aber aus gesetzlichen Gründen mussten sie ihre Praxen ja offen lassen und konnten nicht einfach schließen. Das wäre für sie auch eine finanzielle Katastrophe gewesen. Deshalb haben sie mich gefragt, ob ich nicht Masken für sie nähen könnte. Eigentlich hatte ich anfangs gar nicht vor, Masken zu nähen. Als die ersten selbstgenähten Masken gezeigt wurden, dachte ich: „Ob das überhaupt was bringt“? Aber als die Anfrage kam, dachte ich: „Wenn es sie wenigstens beruhigt, ist ja auch schon etwas gewonnen“. Als ich mit dem Nähen fertig war, habe ich auch meiner Hebamme und dem Geburtshaus in Köln Masken gespendet. Dann kam der Aufruf von dem Verein für die Frühchen- und Sternenkinder, er würde Anfragen von Krankenhäusern, Hebammen und Pflegediensten sammeln. Dann sind wir quasi umgeschwenkt. Es werden zwar immer noch Frühchen-Sachen genäht, aber zum Großteil nun eben Masken.

Wie viele Masken hast du bereits genäht?

Ich habe in den letzten vier Wochen 403 Masken genäht.

Ich möchte mich selbst engagieren und selbstgenähte Masken spenden: An wen wende ich mich da am besten?

Es gibt ja nicht nur den einen Verein, den ich unterstütze, der gerade Masken sammelt und verteilt. Es gibt auch viele karitative Einrichtungen wie zum Beispiel die Lebenshilfe, die auch in den Kreisen selber sammeln. Im Internet findet man sehr schnell Anlaufstellen, bei denen man selbstgenähte Masken spenden kann. Wenn man selber nicht nähen kann oder möchte, aber Material hat, dann kann man auch das spenden. Ich habe bei Facebook und Instagram auch schon solche Aufrufe gesehen: „Ich habe Baumwollstoff übrig, kann den jemand gebrauchen, um Masken zu nähen?“ Und mir selber wurde aus der Familie relativ viel Geld gespendet, um neues Material zu kaufen – ich weiß natürlich besser, was sich eignet, als jemand, der sich damit noch gar nicht auseinandergesetzt hat.

Was sind Community-Masken, bzw. selbstgenähte Masken?

Was es am besten beschreibt: Es sind alles selbstgenähte bzw. selbstproduzierte Masken. Es gibt mittlerweile Tutorials, wie man Masken tackern kann, und es werden mit Haushaltsgummis oder Haargummis aus Tüchern Masken hergestellt. Die Community-Masken werden größtenteils von Frauen selbst genäht und dann kostenlos zur Verfügung gestellt.

Wie unterscheiden sich Community-Masken von medizinischen Masken?

Ich bin zwar nicht vom Fach, aber in erster Linie sind die Masken nicht zertifiziert. Medizinische Masken müssen ganz bestimmte Tests durchlaufen, damit sie bestimmte Kriterien erfüllen. Das ist bei den Community-Masken natürlich nicht der Fall. Wenn ich das richtig mitbekommen habe, gibt es bisher nur Empfehlungen und kleinere Untersuchungen, aber im Endeffekt sind es keine Medizinprodukte.

Worauf muss ich beim Tragen von Community-Masken achten (richtiges Tragen, Reinigung und Hygiene)?

Ein großer Vorteil der selbstgenähten Masken ist, dass sie wiederverwendet werden können. Allerdings müssen sie dann zwischendurch wirklich gut gereinigt werden. Deswegen ist es wichtig, dass man dafür Baumwollstoffe nimmt und zum Beispiel kein Polyester. Denn Polyester schmilzt irgendwann und Baumwolle nicht. Wichtig ist, die Maske nach jedem Tragen zu reinigen, auch nach nur fünf Minuten! Die Masken kann man nach dem Tragen aufkochen, also einfach auf dem Herd einen kleinen Topf mit Wasser heiß machen und dann fünf Minuten kochen lassen. Oder man steckt sie einfach in die Waschmaschine. Das ist vor allem dann praktisch, wenn man sowieso gerade wäscht. Wenn man aber nur zu zweit wohnt und dann nur zwei oder drei Masken am Tag anfallen, lohnt es sich eher, die Masken in einem kleinen Kochtopf zu reinigen.

Welche No Gos gibt es? Welche Fehler kann ich beim Tragen von Community-Masken machen? Was sollte ich unbedingt vermeiden?

Unbedingt sollten Nase und Mund bedeckt sein. Man sieht ja leider beim Einkaufen immer mal wieder, dass die Maske unter der Nase hängt oder ganz unter dem Kinn geparkt wird. Dann bringt sie natürlich nichts. Und man sollte sie konsequent nach jedem Tragen reinigen und nicht etwa sagen: „Es sind ja meine eigenen Keime, dann lasse ich die Maske jetzt eine Woche an oder ziehe sie eine Woche immer mal wieder an und reinige sie erst danach.Damit hätten wir die No Gos: Zwischendurch absetzen oder unter dem Kinn parken und nicht richtig reinigen. Aber ich kenne tatsächlich auch Leute, die einen Staubsaugerbeutel als Filter in ihre Community-Maske gelegt haben. Davon würde ich allerdings abraten, da man ja nicht weiß, was alles im Staubsaugerbeutel enthalten ist.

: Svenja-mit-fertiger-gesichtsmaske

Worauf muss ich grundsätzlich achten, wenn ich mir eine Community-Maske (Gesichtsmaske) selbst nähe?

Tatsächlich gibt es dabei gar nicht so viel zu beachten. Man sollte eine gerade Naht hinbekommen. Aber das war es im Grunde schon. Zum Beispiel habe ich mir und meinem Freund Gesichtsmasken genäht, die ungefähr von Wangenknochen zu Wangenknochen reichen. Insbesondere Bartträger sollten auch darauf achten, dass der ganze Bart in die Maske passt. Denn wenn der Bart unten herausschaut, können sich dort hervorragend Viren festsetzen. Im Internet gibt es viele Anleitungen, auch zu verschiedenen Größen. Es handelt sich dann einfach um andere Modelle, die aber natürlich auch funktionieren.

Kann ich eine Community-Maske auch ohne große Näherfahrung nähen?

Auf jeden Fall. Ich habe einigen Freunden und der Familie, die sonst eigentlich gar nicht nähen, über Fotos und Videos Hilfestellung gegeben. Alle haben damit echt brauchbare Ergebnisse hinbekommen. Außerdem habe ich auf Instagram in meinen Stories Videos dazu gedreht. Dort erkläre ich alles ganz genau und verrate ein paar kleine Tricks, wie man zeitsparender vorgeht. Denn wenn man in die Großproduktion gehen will, kann man bei einigen Arbeitsschritten schon ein wenig Zeit sparen.

Ich glaube, es kommt gar nicht so sehr auf die Fähigkeiten an, denn die Modelle unterscheiden sich vom Schwierigkeitsgrad her nicht so sehr. Aber natürlich kommt es auf die Vorlieben an. Ich habe jetzt wirklich nur „geradeaus“ genäht, weil sich das hervorragend für die Massenproduktion eignet. Die Masken habe ich oben mit einem Draht versehen. Dadurch kann man sie sehr gut an der Nase anpassen, was gerade für Brillenträger wichtig ist.

Welche Stoffe und Materialen eignen sich am besten für Community-Masken?

Baumwollstoffe werden zwar generell empfohlen, aber auch da gibt es Unterschiede. Die typischen Windelstoffe namens Musselin werden zum Beispiel nicht empfohlen, obwohl sie aus Baumwolle sind, da sie eine sehr strukturierte Oberfläche haben. Und je mehr Struktur der Stoff hat, desto mehr Angriffsfläche bietet er für Viren, da sie sich besser im Stoff festsetzen können. Und natürlich gibt es noch weitere Unterschiede: Beispielsweise eignet sich ganz dicker Baumwollstoff nicht gut, weil man nicht gut durch ihn hindurchatmen kann. Den Test kann man ganz einfach selber machen: Wenn man zu Hause einen Baumwollstoff hat und überlegt, ob er sich für eine Maske eignet, sollte man sich den Stoff einfach zweilagig vor das Gesicht halten und versuchen zu atmen. Wenn das problemlos möglich ist, ist er geeignet. Wenn es schwierig wird, dann sollte man diesen Stoff lieber nicht verwenden.

Gibt es ein Schnittmuster, das du empfehlen kannst?

Das Schnittmuster, das ich nutze, stammt von der Stadt Essen; ich glaube, die Feuerwehr der Stadt hat das herausgegeben. Wenn man in der Suchmaschine „Maske Essen“ eingibt, bekommt man direkt das Ergebnis. Aber Schnittmuster existieren wirklich wie Sand am Meer und viele, die ich aus der Nähszene kenne, haben verschiedene Schnittmuster ausprobiert und einfach geschaut, welche für sie am angenehmsten zu nähen sind. Dabei kommt es dann auch wieder auf das Material an. Bei dem Schnittmuster, das ich verwendet habe, braucht man ziemlich viel Schrägband. Und das ist in Deutschland mittlerweile großflächig ausverkauft. Man kann es zwar auch selbst machen, aber dann dauert die Fertigstellung deutlich länger. Die Masken, die stärker angepasst sind und meistens aus zwei Teilen bestehen, haben oft ein Gummiband hinter den Ohren. Da bin ich ein bisschen vorsichtig, weil ich gehört habe, dass es wehtun kann, wenn das Gummi zu eng ist. Und wenn im Gegenzug das Gummiband zu locker ist, sitzt die Maske überhaupt nicht – aber sie soll ja gesichtsnah sitzen.

Wie fertige ich Masken für Kinder an und worauf sollte ich dabei besonders achten?

Das ist tatsächlich relativ ähnlich wie bei Masken für Erwachsene. Natürlich Baumwolle, durch die man gut atmen kann. Und dann vielleicht lustige Muster. Ich glaube, das hilft vielen Kindern die Maske zu akzeptieren; schließlich ist das Tragen schon ungewohnt. Ansonsten würde ich mich bei der Größe tatsächlich auch an den Wangenknochen orientieren. Wenn das Kind in meinem Haushalt lebt, würde ich es am Nähen der Maske teilhaben und es vielleicht den Stoff aussuchen lassen. Zudem kann es beim Nähen der Maske zuschauen. All diese Maßnahmen könnten die Akzeptanz erhöhen.

Hast du noch einen besonderen Tipp für unsere Leser?

Schwierig finde ich, dass eine Art Wettbewerb daraus entstanden ist. Ich habe selbst Nachrichten bekommen wie: „Du hast so viele Masken genäht, ich bisher nur 30“. Das sollte meiner Meinung nach echt nicht sein. Jeder, der Masken näht oder Näherinnen unterstützt, leistet einen Beitrag. Ich bin der Meinung, dass sich jeder auf die Schulter klopfen kann, der sich damit überhaupt auseinandersetzt und irgendwie mithilft.

Tipp: Ein Tutorial mit den einzelnen Schritten finden Sie auf dem Instagram-Profil von Svenja Küsters.

 

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat folgende Empfehlungen für den Umgang mit Community-Masken herausgegeben:

  • Community-Masken sollten nur für den privaten Gebrauch verwendet werden.
  • Vor dem Anziehen der Maske sollten die Hände gründlich mit Seife gewaschen werden.
  • Beim Anziehen der Maske sollte die Innenseite nicht mit den Händen berührt werden.
  • Die Maske sitzt richtig, wenn sie eng an Mund, Nase und Wangen platziert ist, damit keine Luft an den Rändern eindringen kann.
  • Bei der Auswahl des Materials sollte darauf geachtet werden, dass es genügend Luft durchlässt und nicht die Atmung behindert.
  • Sobald die Maske durchfeuchtet ist, muss sie ausgetauscht werden.
  • Da die Außenseite der Maske potentiell kontaminiert ist, sollten Sie beim Absetzen folgendermaßen vorgehen: Berühren Sie nicht die Außenseite mit Ihren Händen. Nach dem Absetzen der Maske sollten Sie Ihre Hände gründlich mit Seife waschen. Bewahren Sie die Maske entweder in einem Beutel auf oder waschen Sie diese bei mindestens 60 Grad Celsius. Die Maske kann nach vollständiger Trocknung wiederverwendet werden.

 

Quelle: Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte