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Wie gefährlich sind blutrote Augen?

Plötzlich ist da dieser knallrote Fleck im Auge. Auf den Betroffenen oder seine An­gehörigen, die ihn vielleicht zuerst bemerken, mag er schockierend wirken. Aber meistens steckt nur ein geplatztes Äderchen dahinter. Prof. Philipp Steven vom Zentrum für Augenheilkunde der Kölner Uniklinik ordnet Ursachen ein, gibt Tipps zum Umgang mit blutroten Augen und erklärt, wann man den Arzt aufsuchen sollte.

Blutrote Augen: Trauma oder geplatztes Äderchen?

Wie kommt es zu blutroten Augen? Blutrote Augen können aus verschiedenen Gründen auftreten. Häufig steckt eine Blutung in der Bindehaut dahinter, Fachbegriff Hyposphagma. Grundsätzlich lässt sich „unterscheiden zwischen einem spontan geplatzten Äderchen und einer Blutung, die durch ein Trauma auftritt“, sagt Prof. Philipp Steven, Facharzt für Augenheilkunde. Umgangssprachlich wird unter Trauma häufig die seelische Verletzung verstanden. Hier meint der Begriff: eine Schädigung oder Verwundung lebenden Gewebes, die durch eine Gewalteinwirkung von außen entsteht.

Wie kann es sein, dass ein Äderchen spontan platzt?

Oft hat es mit Druck zu tun, wenn ein Blutgefäß im Auge platzt und das Blut sich auf dem Augapfel verteilt: etwa mit kräftigem Husten oder Niesen, auch starkes Pressen beim Toi­lettengang kann der Auslöser sein oder wenn man den Kopf nach unten beugt, um etwas Schweres anzuheben. Die Rede ist allerdings von physischem Druck, nicht von psychi­schem, so Steven: „Stress kann ein Äderchen nur dann zum Platzen bringen, wenn er zu einem deutlich erhöhten Blutdruck führt.“

„Das Risiko für geplatzte Äderchen steigt zudem, wenn man über eine längere Zeit konservierungsmittelhaltige Augentropfen nimmt.”

Geplatzte Äderchen im Auge sind vergleichbar mit einfachen Blutergüssen in der Haut, so­genannten Hämatomen. Sie treten häufiger auf bei Menschen im höheren Lebensalter. Im Alter kommt es vor, dass die Augen austrocknen und empfindlicher werden. Insgesamt verlieren die Blutgefäße an Elastizität; verstärkend kommen teilweise noch Grunderkran­kungen wie Diabetes oder Bluthochdruck hinzu. Das Risiko für geplatzte Äderchen steigt zudem, wenn man über eine längere Zeit konservierungsmittelhaltige Augentropfen nimmt. „Eine spontane Blutung, die ohne offensichtlichen Grund auftritt, ist zumeist harmlos und verschwindet nach einiger Zeit von selbst“, so Professor Philipp Steven.

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Wie soll man reagieren, wenn ein Äderchen spontan platzt?

Tritt die Blutung spontan auf und ohne offensichtlichen Grund, „dann ist sie zumeist harmlos und verschwindet nach einiger Zeit von selbst“, sagt Philipp Steven. Das sei in etwa 80 bis 90 Prozent der Fälle so, schätzt der erfahrene Augenheilkundler. Für diese harmlose Variante spricht es, wenn die Blutung als scharf abgegrenzter roter Fleck im Auge sichtbar wird und die Betroffenen keine Beschwerden verspüren.

„Eine spontane Blutung, die ohne offensichtlichen Grund auftritt, ist zumeist harmlos und verschwindet nach einiger Zeit von selbst.”
Professor Philipp Steven

„Zum Augenarzt muss man in diesem Fall nicht unbedingt gehen“, sagt der Fachmann vom Zentrum für Augenheilkunde an der Kölner Uniklinik. Um auf Nummer sicher zu gehen, suchten manche dennoch eine Praxis auf – „weil sie erst einmal schockiert sind“. Eine spezielle Therapie sei meist nicht nötig: Bei Bedarf reicht es, das betroffene Auge mit einer Augen- oder mit einer Vitamin-A-Salbe zu behandeln und/oder es mit einem Tränen­ersatzmittel zu benetzen. Beides gibt es rezeptfrei in der Apotheke.

Außerdem sollte man sich möglichst schonen: harte körperliche Arbeit ebenso vermeiden wie intensiven Sport und schweres Heben. Damit sich der Bluterguss zurückbilden kann und nicht ein neues Äderchen platzt.

Wie lange dauert es, bis das Blut aus dem Auge verschwindet?

War es die harmlose Variante des geplatzten Äderchens, „so braucht es ein paar Tage, vielleicht eine Woche, bis sich die Blutung wieder auflöst, das hängt vom Ausmaß der Blu­tung ab“, so Steven. Auch in dieser Hinsicht biete sich der Vergleich mit dem Bluterguss an anderen Stellen des Körpers an: „Bei manchen Patienten zieht ein Hämatom nach drei Tagen ab. Andere wissen: Bei mir braucht ein Bluterguss immer zehn Tage. Mit einer ähnli­chen Dauer können sie dann auch beim Auge rechnen.“

Wann sollte man bei einem blutroten Auge lieber zum Arzt gehen?

Etwas Ernsteres kann immer dann hinter dem rot unterlaufenen Auge stecken, „wenn eine richtige Verletzung vorliegt, eben ein Trauma“, sagt Philipp Steven. Das kann etwa ein Faustschlag aufs Auge sein, ein Unfall mit Glas, mit Draht oder einem Stichwerkzeug. Ein Dorn, der bei der Gartenarbeit ins Auge geht. Einem Handwerker fliegt bei der Arbeit mit Hammer und Meißel ein Fremdkörper ins Auge. Manchmal reicht schon ein stärkeres Rei­ben des Auges. Führt ein Trauma zum blutroten Auge, empfiehlt es sich, vom Augenarzt klären zu lassen, ob nicht nur die Bindehaut, sondern der Augapfel selbst zu Schaden ge­kommen ist.

Wann besser zum Arzt?

Den Arzt aufsuchen sollte man insbesondere dann,

  • wenn mehrfach in kurzer Zeit Äderchen im Auge platzen,
  • wenn gleichzeitig Äderchen in beiden Augen platzen,
  • wenn die Blutung stärker ausfällt,
  • wenn sie mit Beschwerden wie Sehstörungen oder Augenbrennen einhergeht,
  • wenn es länger als eine Woche dauert, bis sie abklingt,
  • wenn man auch an anderen Stellen des Körpers zu Blutergüssen neigt.

Falls die Blutung sehr stark ist oder auf eine Verletzung zurückzugehen scheint, dann sei es sinnvoll, einen Augenarzt aufzusuchen – oder gar den augenärztlichen Notdienst, so Steven. „Und bei wiederholten Blutungen kann es angezeigt sein, beim Hausarzt die Blut­gerinnung untersuchen zu lassen. Nimmt man etwa nach einer Herz-OP gerinnungshem­mende Mittel, ist vielleicht die Dosis zu hoch und sollte gesenkt werden.“

Wie unterscheidet man eine Blutung im Auge von einer Rötung?

Hinter roten Augen steckt nicht immer ein geplatztes Äderchen. Sie können – statt auf eine Blutung – auch auf eine Rötung zurückzuführen sein. Als Auslöser kommt hier beispielsweise eine Allergie in Frage, eine Entzündung von Bindehaut oder Hornhaut, eine Infektion mit Viren oder Bakterien. Diese Erkrankungen erfordern eine ganz andere Art der Behandlung. Daher ist es wichtig, die Symptome voneinander abgrenzen zu können.

Für Betroffene ist diese Unterscheidung nicht in jedem Fall leicht, für den Augenarzt schon, sagt Philipp Steven: „Eine frische Blutung ist immer flächig dunkelrot, ohne Flecken oder Streifen. Eine Rötung hingegen zeigt immer eine Gefäßzeichnung.“ Zwar könne das Auge auch bei einer Rötung knallrot erscheinen: „Aber wenn man im Spiegel genau hinschaut, sieht man bei einer Rötung immer noch ein wenig weiße Bindehaut durchschimmern. Das ist die Sklera, die Lederhaut des Auges.“ Im Zweifelsfall empfiehlt er den Gang zum Augenarzt.

Wie kann man blutroten Augen vorbeugen?

Grundsätzlich lässt es sich kaum verhindern, dass gelegentlich ein Äderchen im Auge platzt. „Nur dass ältere Patienten bei Bedarf darauf achten sollten, für eine ausreichende Benetzung der Augen zu sorgen“, sagt Prof. Steven. Und natürlich könne man aus seinen Erfahrungen lernen, falls man zu blutroten Augen neigt: Wenn es immer wieder die gleichen Mechanismen sind, die sie hervorrufen – etwa heftiges Reiben oder das starke Vorbeugen des Kopfes –, dann sollte man ebendies möglichst vermeiden.

Fazit

Einem blutroten Auge sollte man durchaus Beachtung schenken. Aber insbesondere dann, wenn die Blutung beschwerdefrei und ohne offensichtlichen Grund auftaucht und sich als scharf abgegrenzter, nicht übergroßer roter Fleck in nur einem Auge darstellt, ist die Chance groß, dass sie von alleine wieder verschwindet. Gewisse Begleitumstände allerdings legen den Arztbesuch nahe.

Quellen

  • Interview mit Prof. Dr. Philipp Steven vom Zentrum für Augenheilkunde an der Kölner Uniklinik. Der Facharzt für Augenheilkunde und Spezialist für das trockene Auge behandelt zudem Patienten mit chronischen und seltenen Augenerkrankungen in seiner Privatpraxis.
Icon, das einen Experten/eine Expertin symbolisiert. Symbol für die Envivas Fach-Experten.

Prof. Dr. Philipp Steven

Facharzt für Augenheilkunde und Spezialist für das trockene Auge vom Zentrum für Augenheilkunde an der Kölner Uniklinik.

Markus Düppengießer

Autor

Markus Düppengießer, Journalist und Lektor, lebt in Köln. Früher schrieb er vor allem für Tageszeitungen, heute für verschiedene Fachmedien (on- und offline) aus den Bereichen Gesundheit und Personalwesen, für ein Straßenmagazin und eine Kinderzeitung. Zudem ist er Dozent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.