Heilen mit Honig – wirkt Honig wirklich wie ein Antibiotikum?

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Es kratzt im Hals oder Ihr Kind hat sich das Knie aufgeschlagen und die Wunde hat sich entzündet: Haben Sie schon einmal daran gedacht, hier Honig als Heilmittel zu verwenden? Tatsächlich wirken einige Honigsorten entzündungshemmend und werden aufgrund ihrer antibakteriellen Wirkung für die Behandlung von Entzündungen oder Wundinfekten verwendet. Der normale Honig aus dem Supermarkt ist dafür jedoch nicht geeignet. Alles, was Sie über Honig als antibakterielles Heilmittel wissen müssen, erfahren Sie in diesem Artikel.

Von Sarah Zöllner

 

Kann Honig als echter Ersatz für Tabletten dienen? Schon seit Jahrtausenden nutzen Menschen Honig von wilden Bienen, um Wunden zu heilen oder Infektionen zu bekämpfen. Schwedische Wissenschaftler haben herausgefunden, warum sich Honig so gut als natürliches Antibiotikum eignet. Die Forscher berichten, dass die Bienen Milchsäurebakterien in ihrem Honigmagen halten.

Honig wirkte sogar gegen multiresistente Bakterien

Diese Mikroben machen den Honig haltbar und schützen die Bienen außerdem vor Krankheitserregern. Die in der Studie eingesetzten Honigsorten wirkten im Labor gegen alle getesteten Erreger, darunter auch multiresistente Bakterien. Was entscheidend ist: Die Bakterien passten sich nicht an und entwickelten keine Resistenz gegenüber dem Honig, wie dies bei Antibiotika der Fall ist.

Professor Dr. Simon, Experte für pädiatrische Onkologie und Infektiologie, weist jedoch darauf hin, dass die Bezeichnung „natürliches Antibiotikum“ irreführend sein kann. Anders als chemisch hergestellte Antibiotika sei Honig ein Naturprodukt, dessen Wirksamkeit je nach Herkunft und Sorte stark variiere.

Dennoch sei der Nutzen medizinischen Honigs (MediHoney™) in der Wundpflege erwiesen. Honig könne helfen, Wundinfektionen zu vermeiden und damit indirekt den Verbrauch von Antibiotika zu senken.

Antibiotische Wirkung, um Pollen im Bienenstock zu konservieren

Wie Petra Friedrich vom Deutschen Imkerbund betont, gilt Honig nicht wegen einzelner Inhaltsstoffe, sondern wegen deren Vielfalt und Kombination als wertvolles Lebensmittel. Gleichwohl enthält Honig auch spezifische natürliche Bestandteile, die antibiotisch und konservierend wirken. Sie dienen wahrscheinlich primär dazu, im Bienenstock die eingelagerte Nahrung, also den Honig und die Pollen, zu konservieren.

„Zu den konservierenden Stoffen gehören Substanzen, die primär von den Pflanzen stammen und mit dem Nektar oder Honigtau eingetragen werden. Das sind zum Beispiel Methylglyoxal, diverse organische Säuren und zum Teil auch Glucoseoxidase sowie Inhaltsstoffe, die erst durch die Produktion des Honigs durch die Bienen entstehen. Diese wandeln die Rohstoffe Nektar und Honigtau durch die Zugabe von Enzymen zu Honig um.

Darum wirkt Honig entzündungshemmend

Die antibakterielle Wirkung von Honig bei der Wundheilung hat verschiedene Gründe:

  • Durch den hohen Zuckergehalt wird den Keimen das notwendige Wasser entzogen.
  • Das saure Milieu der meisten Honige bremst die Vermehrung von Keimen.
  • Manche Honigsorten enthalten antibakterielle Inhaltsstoffe wie von Bienen stammende Enzyme, spezielle Säuren und phytochemische Substanzen, die von den Rohstoffen auf den Honig übergehen.
  • Medizinischer Manukahonig (MediHoney™) enthält zudem das Zuckerabbauprodukt Methylglyoxal, das erwiesenermaßen antibakterielle Wirkung hat.

Wie kommt es zur antibiotischen Wirkung des Honigs?

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„Das von den Bienen zugesetzte Enzym Glucoseoxidase befördert die Umwandlung von Glucose, also Fruchtzucker, zu Gluconsäure und Wasserstoffperoxid. Beide Säuren wirken auf einige Mikroorganismen wie zum Beispiel die Bakterien Staphylococcus aureus oder Steptococcus mutans hemmend“, erklärt Petra Friedrich.

Weiterhin enthalten Honige unterschiedliche Mengen an Flavonoiden, die in den Rohstoffen Nektar und Honigtau enthalten sind, sowie im Propolis, dem Kittharz, der als dünner Film von den Bienen auf die Waben aufgetragen wird. Aus diesem Film gehen Flavonoide in den Honig über und übertragen ihre antibakterielle Wirkung auf diesen.

Nicht zuletzt enthalten Honige viel Zucker (etwa 85% Fructose und Glucose). Dieser zieht osmotisch Flüssigkeit aus dem umgebenden Gewebe, verringert so Wundödeme und unterstützt die Wundreinigung, da den Keimen dadurch das lebensnotwendige Wasser entzogen wird.

Trotz dieses Wissens untersagt das Gesetz (LFGB § 12) sowie die Health-Claims-Verordnung die gesundheitsbezogene Werbung. Fragen zur medizinischen Anwendung von Honig und zu bestimmten Erkrankungen dürften daher nur Mediziner beantworten, betont Friedrich.

Australischer Manukahonig wirkt nur als Pflaster oder auf der Mundschleimhaut

Einige Honigsorten wie zum Beispiel der Manukahonig aus Neuseeland und Australien haben durch den Inhaltsstoff Methylglyoxal erwiesenermaßen eine antibiotische Wirkung. Dies belegen inzwischen auch medizinische Studien. Manukahonig wird in Großbritannien als MediHoney™ vertrieben und zum Beispiel als Wundpflaster konfektioniert in Kliniken eingesetzt. Manukahonig aus dem Lebensmittelhandel eignet sich jedoch nur für den Verzehr und sollte keinesfalls auf Wunden aufgebracht werden. Als Naturprodukt kann er Keime enthalten und dadurch die Entzündung der Wunden sogar verstärken.

Manukahonige können ihre Wirkung auch lediglich äußerlich als Pflaster oder eingenommen auf Mundschleimhaut und Speiseröhre entfalten, da das Methylglyoxal beim Verzehr spätestens im Dünndarm abgebaut wird. Eine weitergehende antibiotische Wirkung ist daher nicht möglich, so das Bundeszentrum für Ernährung.

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Deutsche Landhonige mit Rückständen von Pflanzenschutzmitteln

Die Honigqualität in Deutschland ist grundsätzlich gut. Da Honig ein unverarbeitetes Naturprodukt ist, finden sich aber durchaus Spuren von unerwünschten Stoffen in den Stichproben. Doch die gemessenen Werte sind im Regelfall so niedrig, dass sie weit unter den gesetzlich vorgeschriebenen Höchstmengen für Rückstände liegen. Das gilt auch für Honige aus dem Ausland, bei denen die gemessenen Werte zum Teil etwas höher ausfallen können.

Stadthonige und Landhonige unterscheiden sich nach Aussage des Instituts für Bienenkunde Celle des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) in Bezug auf ihre Qualität: Im Landhonig waren eher Rückstände von Pflanzenschutzmitteln zu finden und im Stadthonig war der Gehalt von Schwermetallen wie Blei und Cadmium höher als in denen vom Land.

Allerdings waren diese Spuren insgesamt alle nur in unwesentlichen Mengen enthalten. Verantwortlich ist unter anderem das natürliche Filtersystem der Bienen (Quelle: Bundeszentrum für Ernährung).

Bei welchen Erkrankungen wirkt Honig als natürliches Antibiotikum besonders gut?

Wie Professor Dr. Simon, Experte für Kinderonkologie und Infektiologie am Universitätsklinikum des Saarlandes, erklärt, eignet sich aus Manukahonig gewonnener medizinischer Honig (MediHoney™) aufgrund seiner antibakteriellen Wirkung für die Behandlung akut infizierter und chronischer Wunden. Voraussetzung ist, dass das Auftragen des Honigs praktisch machbar ist, dass sich dieser auf der Wunde zum Beispiel durch Wundsekret nicht zu stark verdünnt und die Behandlung selbst den Patientinnen und Patienten keine zu großen Schmerzen bereitet. Anders als der im Lebensmittelhandel erhältliche Haushaltshonig oder unbehandelter Manukahonig ist medizinischer Honig steril und damit für die Verwendung bei immunsupprimierten Patientinnen und Patienten geeignet.

Säuglinge und Kleinkinder sollten auf Honig verzichten

Säuglinge und Kleinkinder bis zu einem Jahr sowie immungeschwächte Personen sollten nach Angabe des Bundeszentrums für Ernährung auf den Verzehr von Honig grundsätzlich verzichten. Der Honig kann Sporen des Bakteriums Clostridium botulinum enthalten. Bei Säuglingen und Kleinkindern ist die Darmflora noch nicht ausgereift, so dass sich das Bakterium im Darm ansiedeln und dort lebensgefährliche Gifte produzieren kann. Bei älteren Kindern und gesunden Erwachsenen wird die Vermehrung des Bakteriums von einer stabilen Darmflora verhindert.

Abgesehen davon weist Professor Dr. Simon darauf hin, dass auch steriler medizinischer Honig nicht in jedem Fall für die Behandlung von Wunden geeignet ist. Wichtig sei in jedem Fall, das Gesamtkonzept der Wundpflege im Blick zu behalten und sonstige Ursachen für die gestörte Wundheilung auszuschließen. Tiefgreifende, bis zum Knochen reichende Wundinfektionen müssten zudem immer parallel mit konventionellen Antibiotika behandelt werden.

Honig kann eine konventionelle Behandlung nicht ersetzen

Insgesamt lässt sich sagen, dass Honig als natürliches Antibiotikum eine konventionelle Behandlung in vielen Fällen nicht ersetzen, aber doch ergänzen kann. Medizinischer Honig (MediHoney™) wird in der Wundbehandlung bereits erfolgreich eingesetzt, seine antibakterielle Wirkung ist durch Studien belegt. Sortenreiner Manukahonig kann aufgrund seiner Inhaltsstoffe bei Hals- und Racheninfekten für Linderung sorgen.

Der normale Honig aus dem Supermarkt ist für medizinische Zwecke allerdings nicht geeignet. Nichtsdestotrotz kann der klassische heiße Tee mit Honig bei Erkältungen Linderung verschaffen. Für das Auftragen auf offenen Wunden muss jedoch immer der sterilen medizinischen Variante der Vorzug gegeben werden. Säuglinge, Kinder unter einem Jahr und Personen mit eingeschränktem Immunsystem sollten zudem wegen möglicher Keime im Honig vollständig auf den Verzehr verzichten.

 

Quellen:

  • Bundeszentrum für Ernährung „Honig: Gesund essen“ (https://www.bzfe.de/lebensmittel/vom-acker-bis-zum-teller/honig/honig-gesund-essen/)
  • Bundeszentrum für Ernährung „Honig: Verbraucherschutz“ (https://www.bzfe.de/lebensmittel/vom-acker-bis-zum-teller/honig/honig-verbraucherschutz/)
  • Bigliari et al: Use of Medihoney as a non-surgical therapy for chronic pressure ulcers in patients with spinal cord injury, 2011. (PDF)
  • Bigliari et al: Multicentre prospective observational study on professional wound care using honey (MediHoney TM), 2012 (PDF)
  • Blaser: Effect of medical honey on wounds colonised or infected with MRSA, 2007. (PDF)
  • Igelbrink et al: Mikrobiozide Wirksamkeit von Medihoney ™, 2007. (PDF)
  • Simon et al.: Medical Honey for Wound Care – Still the „Latest Resort“?, 2008. (PDF)
  • Simon et al: Wound care with antibaterial honey (Medihoney) in pediatric hematology-oncology, 2006. (PDF)

Expert/innen:

  • Prof. Dr. med. Arne Simon, Klinik für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie am Universitätsklinikum des Saarlandes, 2. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie.
  • Petra Friedrich, Sprecherin des Deutschen Imkerbundes.