Lippenherpes – wo kommt er her und wie wird man ihn wieder los?

Viele Menschen kennen das: Juckende, nässende, schmerzende Bläschen meist an den Lippen, die wie aus dem Nichts kommen, das Gesicht verunzieren und nach einiger Zeit wieder abheilen. Verursacher sind bestimmte Herpes-Viren, die bei vielen von uns in den Nervenzellen schlummern und durch bestimmte Auslöser von Zeit zu Zeit aktiviert werden können. Hier erfahren Sie, wie Sie die lästigen Bläschen möglichst schnell wieder los werden und war Sie zur Vorbeugung tun können.

Von Maria Weiß

Inhalt

  1. Was ist Herpes und wie macht er sich bemerkbar?
  2. Wo kommen die Viren plötzlich her?
  3. Typische Auslöser
  4. Wie groß ist die Ansteckungsgefahr?
  5. Wann und für wen kann Herpes simplex gefährlich werden?
  6. Was hilft am besten gegen Herpes?
  7. Was kann man tun, um die nächste Episode zu verhindern?

Was ist Herpes und wie macht er sich bemerkbar?

Verursacher der Herpesbläschen im Gesicht sind in der Regel Herpes-Simplex-Viren vom Typ 1 (HSV-1), selten auch vom Typ 2. Meist kündigen sich die Bläschen schon Stunden zuvor durch Kribbeln, Spannungsgefühl oder leichtes Brennen an, dann bilden sich kleine Bläschen, die mit Flüssigkeit gefüllt sind.

Später platzen die Bläschen, bilden eine gelbliche Kruste und heilen dann innerhalb von zwei Wochen von selbst wieder ab. Am häufigsten tritt Herpes an der Lippe auf – aber auch am Naseneingang, im Mund, an den Fingernägeln, am Gesäß oder im Bereich der Augen können sich die Bläschen breitmachen.

Wo kommen die Viren plötzlich her?

Nach Erstkontakt mit den Viren – z.B. durch Tröpfchen oder Schmierinfektionen – kommt es zu einer Infektion, die häufig unbemerkt bleibt und meist schon im Kindesalter auftritt. Nach Schätzungen sind 67% der weltweiten Bevölkerung (unter 50 Jahren) mit HSV-1 infiziert, d.h. eine Herpes-Übertragung hat stattgefunden. Wie alle Viren der Herpesgruppe hat auch HSV-1 leider die unangenehme Eigenschaft, sich im Körper einzunisten.

Er wandert von den oberen Hautschichten entlang der Nervenbahnen bis zu den Nervenzellen im Rückenmark und verbleibt dort in einer Art Ruheschlaf. Für viele Menschen ist die Sache damit trotzdem ausgestanden – sie werden zeitlebens nicht von den Viren behelligt. Bei ihnen werden die Viren vom körpereigenen Abwehrsystem besonders gut in Schach gehalten.


„Nach Schätzungen sind 67% der weltweiten Bevölkerung (unter 50 Jahren) mit HSV-1 infiziert, eine Herpes-Übertragung hat stattgefunden.“ 

 


Bei 20 – 30 % der Infizierten brechen die Herpesviren aber von Zeit zu Zeit wieder aus. Die Viren wandern dann wieder zurück über die Nervenbahnen zur Haut und es kommt zur Bläschenbildung. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn das Immunsystem aus irgendwelchen Gründen vorübergehend oder dauerhaft geschwächt ist.

Typische Auslöser sind:

  • Fieber (deshalb auch oft Fieberbläschen genannt)
  • Sonneneinstrahlung (schwächt die Abwehr in der Haut)
  • Psychische Belastungen (z.B. emotionaler Stress, Trauer, Ängste, Überarbeitung)
  • Hormonelle Umstellung (bei Frauen z.B. während der Menstruation oder in der Schwangerschaft)
  • Medikamente, die die Abwehr schwächen (z.B. Krebs oder Organtransplantationen)
  • Erkrankungen mit eingeschränkter Abwehr (z.B. HIV-Infektion, Krebs)
  • Unter- oder Mangelernährung

Da die Viren lebenslang in den Nervenzellen verbleiben und hier auch vor den üblicherweise eingesetzten Medikamenten geschützt sind, ist die Erkrankung nicht heilbar.

Wie groß ist die Ansteckungsgefahr?

Der flüssige Inhalt der Herpesbläschen ist hochansteckend, d.h. eine Herpes-Übertragung auf andere Menschen oder auch an andere Stellen des eigenen Körpers ist bei Kontakt leicht möglich. Um sich und andere zu schützen, sollten Sie folgende Vorsichtsmaßnahmen beachten, wenn Sie gerade einen Herpesschub haben:

  • Herpesbläschen nicht anfassen und bei versehentlichem Kontakt sofort Hände gründlich waschen
  • Bei Herpes im Mund und an der Lippe Finger nicht in den Mund stecken (z.B. nicht ablecken oder Nägel kauen)
  • Nicht gemeinsam mit anderen aus dem gleichen Glas trinken oder das gleiche Besteck benutzen
  • Nur eigene Handtücher, Waschlappen, Kosmetika etc. benutzen
  • Keine Zärtlichkeiten/ Küsse im Gesicht

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Wann und für wen kann Herpes simplex gefährlich werden?

In der Regel sind Herpes-Bläschen zwar ausgesprochen lästig, aber nicht gefährlich. Es gibt aber Ausnahmen, bei denen es zu Komplikationen oder schweren Verläufen kommt. Dazu gehören z.B.:

  • Durch Kratzen kann eine Infektion mit Bakterien entstehen, was zu eitrigen Wundinfektionen führen kann
  • In seltenen Fällen kommt es zur Ausbreitung der Bläschen im Mund (sogenannte Gingivostomatis), was mit Krankheitsgefühl und hohem Fieber einhergehen und die Nahrungsaufnahme behindern kann.
  • Bei Neugeborenen und Patienten mit geschwächtem Immunsystem können besonders schwere Verläufe auftreten
  • Bei Patienten mit Neurodermitis können sich die Herpes-Bläschen auf der vorgeschädigten Haut besonders leicht ausbreiten, so dass große Hautpartien davon betroffen sein können (Ekzema herpeticatum). Die Patienten sind meist schwer krank.
  • Bei Manifestationen am Auge droht eine Beteiligung der Hornhaut mit bleibenden Schäden
  • Eine besonders schwere Komplikation ist die Herpes-Entzündung des Gehirns (Herpes-Enzephalitis), die lebensgefährlich sein kann, wenn sie nicht sofort behandelt wird.

„Von Herpes-Pflastern, die die Bläschen luftdicht abschließen, riet der Experte dagegen eher ab, da sie das Nässen noch fördern können.“

 


Was hilft am besten gegen Herpes?

Antivirale Cremes oder Gele aus der Apotheke können eine schnellere Abheilung fördern. Um ihre Wirkung zu entfalten, müssen sie allerdings bereits bei den ersten Anzeichen von Herpes regelmäßig aufgetragen werden – am besten mit einem Wattestäbchen.

Ein weiterer Ansatzpunkt ist die Förderung der Austrocknung. Dazu ist lauf Prof. Dr. Harald Gollnick von der Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg z.B. eine harte Zinkpaste geeignet, die vor allem nachts zum Schutz getragen werden sollte, da man sich hier häufig unwillkürlich die Lippen leckt. Von „Herpes-Pflastern“, die die Bläschen luftdicht abschließen, rät der Experte dagegen eher ab, da sie das Nässen noch fördern können.

Bei schweren Verläufen, Herpes am Auge und der Gefahr weiterer Ausbreitung, müssen antivirale Mittel in Form von Saft, Tabletten oder als Kurzinfusionen gegeben werden. Auch bei sehr häufigen Schüben kann eine Therapie in Tablettenform sinnvoll sein, um die Abheilung zu beschleunigen. Das sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen.

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Was kann man tun, um die nächste Episode zu verhindern?

Hierbei geht es vor allem darum, Auslöser zu vermeiden und das Immunsystem zu stärken. Dazu gehört z.B. ein ausreichender Sonnenschutz, aber auch Stressabbau durch Entspannungsübungen, die Vermeidung besonders stressiger Situationen sowie gesunde Ernährung und ausreichend körperliche Bewegung.

Herpes und Mund-Nasen-Schutz

Aufgrund der COVID-19-Epidemie kommt man heute um das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in vielen Situationen nicht herum. Prof. Dr. Gollnick gibt Tipps, was dabei zu beachten ist, wenn gerade ein Herpes im Bereich von Mund und Nase erblüht:

  • Beim gelegentlichen Tragen (z.B. im Bus auf dem Weg zur Arbeit) sollten möglichst nur Einmalmasken getragen werden, die danach entsorgt werden.
  • Wird doch ein Mund-Nasen-Schutz aus Stoff getragen, muss dieser häufig gewechselt und nach Gebrauch mit hohen Temperaturen gewaschen werden.
  • Muss aus beruflichen Gründen oder auch von Kindern in der Schule der Mund-Nasenschutz dauerhaft getragen werden, sind Einmalmasken zu verwenden, die über den Tag mehrmals gewechselt werden. Hier ist auch zu überlegen, den Verlauf durch eine fünftägige Therapie mit antiviralen Medikamenten zu verkürzen.

 

Quellen