Richtig Fasten: Die besten Methoden im Überblick

Brot, Apfel, Wasserglas und Maßband liegen vor einem Kalender, auf dem "Fastenzeit" steht.

von Christian Parth und Ute Wegner

Ob Heil- oder Intervallfasten oder auch das trendige Detox, Methoden zum Fasten gibt es viele. Doch sind sie auch sinnvoll und gesund? Wir erklären die Unterschiede und zeigen, welche Fastentypen es gibt.

Inhalt:

  1. Der Hype ums Fasten: Trendig und ernstzunehmende Methode
  2. Positiver Effekt auch auf Krankheiten
  3. Wer fasten kann und wer nicht
  4. Das Intervallfasten: Ein guter Einstieg
  5. Für Fortgeschrittene: Das Heilfasten
  6. Der Trend: Detox (Basen-Fasten)
  7. Fasten: Jeder muss seine Methode finden

 

Der Hype ums richtige Fasten: Trendig und ernstzunehmende Methode

Das Fasten hat Konjunktur. Topmodel Gisèle Bündchen setzt zum Erhalt von Gesundheit und Traumfigur auf Detox, Comedy-Mediziner Eckart von Hirschhausen hat über das Intervallfasten zehn Kilo abgenommen und Susanne Fröhlich, die als „Moppel-Ich“ aus ihrem Kampf um die Pfunde einst einen Bestseller schuf, berichtet über ihre Erfahrung mit dem Fasten nach der „Buchinger-Methode“. Überhaupt sorgen die Prominenten mit Instagram-Geschichten und Buchveröffentlichungen dafür, dass der freiwillige zeitweise Verzicht auf feste Nahrung zum Ernährungskult geworden ist.

Fasten: Positiver Effekt auch auf Krankheiten

Der Hype hat seine Berechtigung, sagt die Bonner Ernährungswissenschaftlerin Gabriela Freitag-Ziegler. „Je nach Methode ist das Fasten nicht nur eine gute Möglichkeit, Gewicht zu verlieren, sondern auch die Ernährung dauerhaft umzustellen. Auch auf manche Krankheiten hat das Fasten einen positiven Effekt.“

Dazu zählen z.B. Diabetes mellitus Typ 2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Alzheimer und Krebs. Insbesondere beim Intervallfasten gibt es Ansatzpunkte, dass die genannten Krankheiten positiv beeinflusst werden können. Ja, Intervallfasten soll sogar das Leben verlängern. Allerdings muss man hier einschränkend sagen, dass die Studienlage noch dünn ist. Die Ergebnisse stammen zum Großteil aus Experimenten mit Mäusen, Ratten und einigen Rhesusaffen. Es lohnt sich allerdings, die Forschung in diesem Bereich weiter zu beobachten.

Beim Heilfasten soll es unter anderem bei chronischen Entzündungen und Schmerzzuständen, bei psychosomatischen Erkrankungen wie auch beim metabolischen Syndrom zu Verbesserungen kommen.

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Wer fasten kann und wer nicht

Allerdings müsse jeder Einzelne auch eine Haltung dazu entwickeln. „Wer fastet, sollte sich generell mit Lebensmitteln auseinandersetzen und sich mit dem Thema Achtsamkeit beschäftigen“, sagt Freitag-Ziegler. Das fange schon damit an, dass man sein Essen nicht mehr einfach in sich hineinschaufelt, sondern gründlich kaut und bewusst schmeckt. Schon das erfordere ein gewisses Maß an Disziplin.

Allerdings warnt die Expertin: Nicht für jeden sei das Fasten geeignet. Für Kinder, Jugendliche, Schwangere, stillende Mütter, Menschen mit Essstörungen oder Erkrankungen von Leber und Niere sei die Methode nicht zu empfehlen. Wer Zweifel an seiner Fasten-Eignung hat, sollte vorher einen Arzt oder Ernährungsberater um Rat fragen.

Unsere zweite Expertin, Susanne Schmidt-Tesch, Ernährungsberaterin am Institut für Ernährungsmedizin des Klinikums rechts der Isar, Technische Universität München, ergänzt: „Es ist eine Zeit, innezuhalten und sich zurückzufahren – mental und auch körperlich.“ Denn in dieser Zeit kommt nicht nur der Geist zur Ruhe, sondern auch der Stoffwechsel; der Darm muss weniger verdauen und die Geschmacksknospen werden wieder sensibler.

Die Sache mit dem „Herrgottsbscheißerle“

Das Fasten hat in Deutschland eine jahrhundertealte Tradition. Im christlichen Kalender ist die Enthaltsamkeit klar terminiert. Die Zeit der Entbehrungen beginnt nach Karneval, am Aschermittwoch, und endet nach 40 Tagen an Ostern mit der Feier zur Auferstehung Christi. Nach sündhafter Völlerei und reichlich Alkoholkonsum während der närrischen Tage soll der Körper gereinigt werden. Nach christlicher Lehre ist vor allem der Konsum von Fleisch tabu. Doch selbst die Mönche wurden kreativ, wenn es darum ging, das verbotene Lebensmittel in andere Gerichte hineinzuschmuggeln, um es vor den Augen des Herrn zu verbergen und die harte Zeit etwas genussreicher zu gestalten. Den Erzählungen nach ist so auch im Schwäbischen die Maultasche entstanden. Das Fleisch wurde zerkleinert, einer breiartigen Füllung beigemischt und von Nudelteig umschlossen. „Herrgottsbscheißerle“ nennen die Schwaben die Spezialität noch heute. Auch der Islam sieht jedes Jahr eine ausgedehnte Fastenzeit vor. Im Ramadan wird eine Art Intervallfasten praktiziert. 30 Tage lang dürfen die Muslime tagsüber weder essen, trinken noch rauchen. Nur vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang darf das Fasten gebrochen werden.

Besteck und Wecker auf einer leeren Untertasse.

Das Intervallfasten: Ein guter Einstieg

Das Intervallfasten oder auch intermittierende Fasten sei ein guter Einstieg für Menschen, die nicht gleich alles auf den Kopf stellen wollen, sagt Oecotrophologin Freitag-Ziegler. „Es gibt verschiedene Varianten. In der Regel isst man beim Intervallfasten ganz normal und baut kurze Fastenphasen ein.“ Die Phasen können unterschiedlich ausfallen. Die sogenannte „Zwei-Tage-Diät“, die 2013 von der Ernährungswissenschaftlerin Michelle Harvie und dem Onkologen Tony Howell entwickelt wurde, um Brustkrebspatientinnen die Gewichtabnahme zu erleichtern, funktioniert anders als das 16:8-Intervallfasten, das alternierende Fasten, die 5:2- oder 6:1-Methode. Intervallfasten ist eine gute und gesunde Möglichkeit, ohne Hungern und auf längere Sicht, ein paar Pfund weniger auf die Waage zu bringen. Oder das Gewicht zu halten und sich wohler in seiner Haut zu fühlen. Wir stellen Ihnen die unterschiedlichen Varianten nun vor.

16:8-Methode – Die Intervalle individuell bestimmen

Die 16:8-Variante bedeutet, dass zwischen der letzten Mahlzeit vom Vortag und der ersten Mahlzeit am Folgetag 16 Stunden Pause liegen und gefastet wird. Das heißt, es wird nichts, wirklich nichts gegessen.

Zugegeben, das ist manchmal nicht einfach, schon gar nicht, wenn Sie sich gerade auf die neue Ernährungsweise umstellen. Halten Sie es also partout nicht aus, in der Pause nichts zu essen, sind ein Löffel Magerquark oder ein Stück Käse erlaubt.

In den acht Stunden des Folgetages darf man essen. Wie man die Intervalle legt, bleibt dem individuellen Tagesrhythmus überlassen. Ein Frühstücks-Typ wird seine „Essenszeit“ eher am Morgen mit einem Frühstück beginnen. Abendessen-Typen, die morgens nichts zu sich nehmen, können später am Tag die erste Mahlzeit zu sich nehmen. Idealerweise sollten in den acht Stunden zwei Mahlzeiten gegessen und dazwischen eine Pause von vier bis fünf Stunden eingehalten werden.

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Wenn man abnehmen möchte, ist die 16:8-Methode mit dem Frühstück am Morgen und dadurch bedingt früherem Abendessen am wirksamsten. Den größten Effekt beim Intervallfasten hat allerdings die Auswahl von gesunden weitgehend pflanzlichen Nahrungsmitteln, die in den „Essenszeiten“ gegessen werden.

Reicht das nicht aus, sind auch dreimal essen in Ordnung. Man legt also erstmal seine Intervalle fest und sollte sich dabei nicht zu viel Druck machen. Es dauert ein wenig, bis sich der Rhythmus einspielt und man sich an die Essens- und Fastenzeiten gewöhnt hat. Druck erzeugt nur Stress und demotiviert. Das Gegenteil soll aber eintreten: Mit Freude und Neugier das Intervallfasten beginnen – und dabeibleiben.

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Es sind auch mal Abweichungen vom Zeitplan erlaubt. Haben Sie zum Beispiel eine Einladung zum Abendessen, streichen Sie das Frühstück am Morgen. Es ist wichtig, flexibel zu bleiben, damit Sie das Intervallfasten gut in Ihren Alltag integrieren können. Sonst verlieren Sie zu schnell die Lust.

Allerdings reicht es nicht aus, in den Pausen zu fasten, wenn das Intervallfasten Wirkung längerfristig auf Gewicht und Gesundheit zeigen soll. „Es ist auch wichtig, in der Essenzeit nicht zu schlemmen, sondern im Gegenteil, maßvolle Mahlzeiten zu sich zu nehmen“, betont Frau Schmidt-Tesch.

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Ein Trick zum Kaloriensparen könnte sein, dass Sie spät am Tag zu Mittag essen und dann das Abendessen weglassen. Damit sparen Sie sich die Knabbereien am Abend. Das ist gut fürs Abnehmen.

Wenn man abnehmen will, sollten Frauen die Energieaufnahme auf durchschnittlich rund 1.400 Kilokalorien, Männer auf 1.800 Kilokalorien reduzieren. Das variiert aber je nach Größe und individuellem Energiebedarf. Im Internet gibt es diverse Kalorienzähler und Apps zum Herunterladen. Nach einer Weile hat man es in der Regel für sich herausgefunden, welche Lebensmittel und Portion in etwa wie vielen Kalorien entspricht.

Wichtig zu wissen: Intervallfasten ist für gesunde und normalgewichtige Menschen geeignet. Bestehen hingegen Untergewicht oder bestimmte Magen-Darm-Erkrankungen wie Morbus Crohn, das Reizdarmsyndrom, die Refluxkrankheit, bei der Magensäure in die Speiseröhre zurückfließt, oder Krebs, ist vom Intervallfasten abzuraten oder es sollte beim Arzt/Ärztin nachfragt werden.

5:2- und 6:1-Methode – Ausreichend Eiweiß ist wichtig 

Die 5:2-Variante bedeutet, an fünf Tagen die Woche normal nach seinem Energiebedarf zu essen, das sind in der Regel 2.000 Kilokalorien. An zwei Tagen jedoch beschränkt man seine Mahlzeiten auf insgesamt etwa 500 Kilokalorien. Bei der 6:1-Methode kann an sechs Tagen normal gespeist werden, und an einem Tag wird gefastet, das heißt auch in diesem Fall 500 erlaubte Kilokalorien.

Bei diesen beiden Varianten ist es besonders wichtig, an den Fastentagen genügend Eiweiß zu sich zu nehmen, um auf der einen Seite keine Muskelmasse zu verlieren, sich auf der anderen aber mit ausreichend Vitaminen zu versorgen. Erlaubt sind pro Tag: Zirka 500 Gramm Gemüse, ein Esslöffel Öl, 200 Gramm fettarmer Joghurt und etwa 150 Gramm Hähnchen- oder Putenbrust mit Salat und maximal ein Stück Obst.

Das Fleisch lässt sich nach Belieben mit Fisch wie etwa Rotbarsch, Kabeljau oder Seelachs ersetzen. Vegetarier können alternativ zu 150 bis 200 Gramm Magerquark oder Hüttenkäse greifen.

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Sie können den Eiweißbedarf auch mit einem Eiweiß-Shake decken. Sie erhalten entsprechende Produkte in Apotheken, Drogerien und Supermärkten. Auch bei den 5:2- und 6:1-Varianten ist es entscheidend, dass Sie an den „normalen“ Essenstagen auf eine gesunde Ernährung achten.

1:1-Methode – Mit dem Hausarzt besprechen

Wem es persönlich mehr entspricht, kann jeden zweiten Tag einen Fastentag einlegen und isst am Folgetag wieder normal. Das ist dann die 1:1-Variante. „Ich würde diese Option aber nicht empfehlen“, sagt die Ernährungsberaterin der Technischen Universität München. „Die ständige Umstellung bedeutet, viel planen und sich ständig mit dem Thema beschäftigen zu müssen.“ So muss man sich am „Essenstag“ ausgesprochen gesund ernähren, um dem Körper in der Wochensumme genügend Nährstoffe zuzuführen.

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Scheint einem aber die 1:1-Methode angenehmer, sollte man vorher mit seinem Hausarzt darüber sprechen, ob sie gesundheitlich angebracht ist oder Bedenken bestehen.

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Intervallfasten und Abnehmen: Der Jojo-Effekt wird vermieden 

Ein großer Vorteil beim Intervallfasten ist, dass der Körper im Gegensatz zu einer Blitzdiät wesentlich weniger auf Eiweißreserven zurückgreifen und damit Muskelgewebe abbauen muss. Denn bei einer radikalen Diät passt sich der Stoffwechsel an die drastisch reduzierte Nahrungszufuhr an und drosselt seinen Energieumsatz. Er schaltet auf Sparflamme.

Dieser so genannte Hungerstoffwechsel begünstigt nach der Diät den so genannten Jojo-Effekt. Das heißt, man nimmt dann sehr wahrscheinlich schnell wieder zu, weil man wieder isst wie vorher. Das Gewicht wird sogar mehr, weil die Ernährung nicht mehr dem Stoffwechsel auf Sparflamme entspricht. Außerdem tendiert der Körper dazu, nach Hungerphasen Reserven anzulegen, für den Fall, dass wieder eine „Hungerzeit“ kommt. Das geschieht beim Intervallfasten offenbar weniger stark.

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Wenn Ihnen Intervallfasten gar nicht liegt, dann essen Sie sich bei jeder Mahlzeit einfach nur zu 80 Prozent satt und nie zu 100 Prozent. Das hat den Vorteil, dass Sie von nun an genau darauf achten, wann Sie sich satt fühlen und die Kunst beherrschen lernen, vorher mit dem Essen aufzuhören.

Die Methode verspricht ein langsames Abnehmen. „Man sollte seine Erwartungen aber nicht zu hochschrauben“, sagt die Münchener Ernährungsexpertin. „Realistisch sind bis zu zwei Kilogramm im Monat abzunehmen, je nachdem wie streng man sich an das Intervallfasten hält.“

Intervallfasten: Gut für die Zellen und den Blutzuckerspiegel 

Neben dem Abnehmeffekt gibt es weitere positive Auswirkungen auf unseren Körper. Beim Intervallfasten sind die Pausen entscheidend. Warum? „Der Darm hat in der Pause ausreichend Zeit für die Verdauungsvorgänge“, erklärt Susanne Schmidt-Tesch. Die Darmzellen können sich erholen und regenerieren. Forscher vermuten, dass Fasten durch den Energiemangel insgesamt Reparaturprozesse in Körper anregt.

Den sicherlich größten Effekt hat das Fasten auf den Blutzuckerspiegel. Kurz zur Erklärung: Nach den Mahlzeiten und immer, wenn man etwas gegessen hast, steigt der Blutzuckerspiegel an. Denn bei der Verdauung werden Kohlehydrate in Zucker aufgespalten und in das Blut abgegeben. Von hier aus gelangt Zucker in die Zellen und wird dort in Energie umgewandelt.

Infolgedessen sinkt der Blutzuckerspiegel wieder. Aufgrund der langen Pausen beim Intervallfasten bleibt dieser Spiegel im Blut weitgehend konstant. Das Hungergefühl lässt nach, man kann bewusster essen. Bei Bedarf greift der Stoffwechsel zunächst auf den Kohlehydratspeicher in der Leber zurück. Dort sind Kohlehydrate in ihrer Speicherform, dem Glykogen, gelagert. Der Körper gewinnt aber auch aus den Fettreserven Energie.

Für Fortgeschrittene: Das Heilfasten

Eine echte Herausforderung dagegen ist das Heilfasten. Dabei wird für einen gewissen Zeitraum vollständig auf die Aufnahme fester Nahrung verzichtet. „Das Heilfasten ist sehr anspruchsvoll“, sagt Expertin Freitag-Ziegler. „Wer sich dafür entscheidet, sollte es unter ärztlicher Begleitung tun, einen Ernährungswissenschaftler zu Rate ziehen oder sich einer Fastengruppe anschließen.“ Der deutsche Mediziner Otto Buchinger hat der jahrtausendealten Tradition des Heilfastens im 20. Jahrhundert mit seinem Buch „Das Heilfasten und seine Hilfsmethoden“ noch einmal neuen Schwung gegeben. Nach seiner Darstellung hilft der Verzicht nicht nur bei bestimmten Krankheiten, sondern habe auch eine psychosoziale und spirituelle Ebene. „Diät der Seele“, nannte Buchinger die eher radikale Fastenvariante. „Es geht darum, sich insgesamt den eher schönen Dingen hinzugeben und Stress zu vermeiden“, sagt Freitag-Ziegler. „Dazu gehören beispielsweise Meditation oder auch ausgedehnte Spaziergänge in der Natur.“

Wer heilfasten will, muss sich vorbereiten. Am Tag vor Fastenbeginn sollte man die Energiezufuhr bereits auf 1000 Kalorien runterfahren und den Konsum von Alkohol, Nikotin und Koffein vollständig einstellen, erklärt die Expertin. Auch seelisch sollte Ruhe einkehren. Am ersten Tag steht dann eine Darmreinigung mit Glaubersalz an. Danach wird es spartanisch. Während der Fastenzeit stehen Gemüsebrühe, Fruchtsäfte, etwas Honig, Wasser und Tee auf dem Ernährungsplan. Zweieinhalb Liter Flüssigkeit und maximal 250 bis 500 Kalorien sind pro Tag vorgesehen.

Heilfasten: Der Stoffwechsel verändert sich

Der Körper reagiert bei dem Essensentzug mit einer Veränderung des Stoffwechsels. „Zuerst werden die Glykogenspeicher der Leber entleert, danach geht es an das körpereigene Fett“, sagt Freitag-Ziegler. Wer durchhält, wird auch mit besserer Stimmung belohnt. Der Serotonin-Spiegel steigt, ein Glücksgefühl stellt sich ein. Zwei bis vier Wochen hat Buchinger als Fastendauer angesetzt. Die Ärztegesellschaft für Heilfasten und Ernährung ist mit ihrer Standardempfehlung von sieben bis zehn Tagen deutlich gnädiger.

Heilfasten nach der Buchinger-Methode: Krankheiten in den Griff bekommen

Studien zeigen, dass das Heilfasten auch bei bestimmten Krankheiten helfen kann. Positive Effekte soll es demnach unter anderem bei chronischen Entzündungen und Schmerzzuständen, bei psychosomatischen Erkrankungen wie auch beim metabolischen Syndrom geben. Buchinger selbst habe die Methode benutzt, um seine rheumatische Arthritis in den Griff zu bekommen. Auch der prominenten Anhängerin Susanne Fröhlich habe das Heilfasten geholfen, um die Symptome ihrer Rheuma-Erkrankung zu lindern. 35 Tage habe sie nach der Buchinger-Methode gelebt. „Seit ich regelmäßig faste, bin ich nahezu schmerzfrei und der Rheumafaktor in meinem Blut ist verschwunden“, sagte sie in einem Interview mit „SpotOnNews“. Aber es sei auch hart gewesen, räumt Fröhlich ein. „Fasten ist radikal. Das ist das Gute und das Schlechte am Fasten. Man hat keinerlei Verhandlungsspielraum.“

Der Trend: Detox (Basen-Fasten)

En vogue ist derzeit vor allem das Basen-Fasten. Mit dem Wort „Detox“ (Entgiftung) hat die Methode zudem auch begrifflich einen zeitgemäßen Anstrich und wohl auch dadurch jede Menge Anhänger erhalten. Um das Detox-Fasten hat sich ein fast schon hysterischer Kult entwickelt. Es gibt Detox-Tees, Detox-Nahrungsergänzungsmittel, sogar Detox-Shampoos, -Duschgels und Detox-Fußpflaster. Der Höhepunkt sind für manche Fasten-Jünger so genannte Detox-Partys, wo mit Grünkohl-Smoothie und Kokoswasser angestoßen wird.

Detox: So geht‘s

Das Basen-Fasten ist im Grunde recht simpel: Man nimmt nur Nahrungsmittel auf, die den „Säure-Basen-Haushalt“ des Körpers in Balance halten und somit etwa Müdigkeit und Verdauungsproblemen vorbeugen. Verzichtet werden soll auf alles, was zu einer Übersäuerung führen könnte: Unter anderem Zucker, Süßigkeiten, Proteine, Weißmehl, Reis, Eier, Fleisch, Kaffee, Alkohol. Vorteilhaft dagegen sind basenbildende Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Nüsse, Samen, Kokosflocken sowie Lein-, Raps- und Olivenöl. Die Detox-Anhänger schwören auf die zehn Wacker-Regeln, benannt nach Sabine Wacker, die das Basen-Fasten 1997 begründet hatte. Rohkost und Obst bis 14 Uhr, letzte Mahlzeit bis 18 Uhr, heißt es da unter anderem. Und vor allem: Gründlich kauen. Ein Stück Apfel sollte demnach mindestens 30-mal im Mund zerkleinert werden.

Frau hält Glas mit grünem Getränk.

DGE rät vom langfristigen Detox ab

Allerdings weist die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) darauf hin, dass es für Wirkung von Detox-Kuren bislang keinerlei wissenschaftliche Belege gebe. „Von einer langfristigen Umsetzung dieser Ernährungsform wird abgeraten, denn wichtige Nährstoffe könnten auf Dauer in zu geringen Mengen zugeführt werden“, warnen die Experten.

Richtig Fasten: Jeder muss seine Methode finden

Wichtig sei beim Fasten, dass jeder seine eigene Methode findet, sagt Ernährungswissenschaftlerin Freitag-Ziegler. Es könne schon helfen, mit mancher Routine zu brechen. „Wenn jemand beispielsweise anstatt Schokolade nach dem Mittagessen zu naschen, sich einen Spaziergang an der frischen Luft gönnt. Oder sich abgewöhnt, beim Fernsehen automatisch zum Salzgebäck zu greifen.“ Letztlich gehe es darum, einen Ernährungsstil zu finden, der zu einem passt. „Wichtig ist, dass die ‚normale‘ Ernährung zwischen den Fastenphasen bunt und abwechslungsreich ist.“

Fasten – welche Methode für wen geeignet ist

Intervallfasten:

Geeignet für Menschen, die abnehmen wollen und dabei pragmatisch und langfristig denken. Der Vorteil: Man kann auch langsam anfangen und damit starten, Alltagsroutinen beim Essen zu durchbrechen: Auf den Zucker im Kaffee verzichten, Süßgetränke durch Wasser ersetzen, abends keine Kohlehydrate mehr zu sich nehmen. Wer daran Gefallen findet, kann den nächsten Schritt gehen und das Fasten auf die 5:2- oder auch 16:8-Methode erweitern. Allerdings sollte man im Hinblick auf die Gewichtsabnahme auch keine Wunder erwarten, sagt Expertin Freitag-Ziegler. Entscheidend sei die Kalorienbilanz am Ende der Woche.

Heilfasten:

Ist sicher eine Methode für Fortgeschrittene und nur mit ärztlicher oder ernährungswissenschaftlicher Begleitung zu empfehlen. Wer im Job sehr körperlich arbeitet oder auch großem Stress ausgesetzt ist und diesen nicht vermeiden kann, sollte nur dann aufs Heilfasten setzen, wenn er sich Urlaub nimmt oder den Alltag dem Vorhaben zumindest vorübergehend anpasst. Das Heilfasten geht an die Substanz und ist wie ein kompletter Reset für den Körper, sagt die Ernährungsexpertin Freitag-Ziegler. Auch wenn ein paar Pfunde schwinden, steht das Abnehmen beim Heilfasten nicht im Vordergrund. Wie der Experte Otto Buchinger damals schon schrieb, geht es dabei auch um einen spirituellen Ansatz. Man sollte bereit sein, achtsam zu leben. Dafür aber werde man auch belohnt, sagt Freitag-Ziegler. Lebensmittel werden ganz anders geschmeckt und man lernt das Hunger- und Sättigungsgefühl wieder besser kennen.

Basen-Fasten oder auch Detox:

Richtet sich an Menschen, die nicht nur abnehmen und sich gesünder ernähren wollen, sondern dabei gerne auch mit dem Trend gehen. Die zehn Regeln nach Wacker bieten bei der Umstellung eine gute Orientierung, die durch eine fulminante, aber laut Freitag-Ziegler auch überflüssige Bandbreite von Detox-Produkten ergänzt wird. Wie das Intervallfasten ist diese Fasten-Variante eher langfristig angelegt und verlangt dabei unbedingten Verzicht. Wer etwa vom Fleisch nicht lassen kann oder wem es schlichtweg zu aufwendig ist, darauf zu achten, dass ein Lebensmittel wirklich keinen Zucker enthält, der ist beim Detox eher nicht gut aufgehoben.

Quellen: