Knieschmerzen – was sind die Ursachen, was hilft, wie kann man selbst vorbeugen?

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Wenn der Sommer kommt, zieht es uns nach draußen – wir werden aktiv und wollen uns an der frischen Luft bewegen. Für viele gibt es da leider ein großes Hindernis: Knieschmerzen. Das Knie ist das größte Gelenk in unserem Körper und wird Tag für Tag immer wieder stärksten Belastungen ausgesetzt. Kein Wunder, dass es an diesem Gelenk häufig zu Problemen kommt. Hier erfahren Sie, woher die Schmerzen im Knie kommen, was Sie selbst zur Vorbeugung tun können und was wichtig ist, wenn es bereits zu einer Knieschädigung gekommen ist.

 

Von Maria Weiss

 

  1. Plötzliche Knieschmerzen – Verletzung oder Entzündung?
  2. Knieschmerzen beim Joggen und Laufen
  3. Anhaltende Knieschmerzen im Alter
  4. Welche Knieschmerzen gibt es?
  5. Tipps, wie man Knieschmerzen vorbeugen kann
  6. Was tut man bei Schmerzen im Knie?

 

Um der großen Last standzuhalten, die unser Knie ständig zu tragen hat, liegen als eine Art Puffer zwei halbmondförmige Knorpelscheiben mitten im Gelenk: die Menisken. Sie wirken wie ein „Stoßdämpfer“, gleichen Unebenheiten aus und sorgen dafür, dass die Knochenenden gut aufeinander liegen.

Damit das Gelenk stabil und dennoch beweglich ist, wird es durch Bänder verstärkt und unterstützt. Die beiden Seitenbänder liegen an der Außen- und Innenseite des Kniegelenks und verhindern ein „Verrutschen“ des Gelenkes. Außerdem gibt es die beiden Kreuzbänder, die sich – wie der Name sagt – im Kniegelenk überkreuzen, es damit stabilisieren und zu starke Bewegungen abfangen.

Ein weiterer Teil des Kniegelenkes ist die Kniescheibe: ein kleiner flacher Knochen, der dem Gelenk vorne aufliegt. Sie schützt das Knie und erleichtert seine Bewegungsabläufe.

Plötzliche Knieschmerzen – Verletzung oder Entzündung?

Stürze, Umknicken oder ruckartiges Verdrehen können zu Verletzungen am Kniegelenk führen. Dabei kann zum Beispiel der Meniskus angerissen werden, was Schmerzen und Schwellungen verursacht. Eine häufige Sportverletzung ist der Kreuzbandriss, bei dem es zu starken Schmerzen, Instabilität und Schwierigkeiten bei der Beugung kommt. Auch Verletzungen der beteiligten Knochen und Knorpel sind möglich.

Aber auch eine Entzündung im Knie, die Arthritis, kann akut auftretende starke Schmerzen verursachen. Hier ist eine gründliche Untersuchung durch den Arzt wichtig, um die genaue Ursache der Schmerzen zu finden.

INFO

            

Erkrankung Typische Symptome
RheumaGelenkschwellungen in mehr als 2 Gelenken, symmetrischer Befall, Morgensteifigkeit mind. 60 Min.
Infektionenstarke Rötung, Schwellung, Schmerz und Erwärmung, Bewegungseinschränkung
Gichtzu Beginn nur in einem Gelenk (meist Großzehe), Beschwerden phasenweise mit schneller Entwicklung

Knieschmerzen beim Joggen und Laufen

Zu wenig Bewegung ist schlecht für das Knie, weil der Gelenkknorpel dann nicht optimal versorgt wird. Doch einige Sportarten können bei sehr intensiver Ausübung auch zur Überlastung und damit zu Schmerzen führen, wie etwa bei Läufern. Beim sogenannten „Läuferknie“ kommt es durch eine Überlastung der Sehnen zu einem anhaltenden Reizzustand mit starken Schmerzen beim Laufen oder bei Belastung.

Ein ungünstiger Laufstil, zu schnelle Trainingssteigerung, ungeeignete Schuhe oder bestimmte Fehlstellungen der Gelenke können das Problem verstärken. Oft hilft es hier nur, die Belastung für eine gewisse Zeit zurückzufahren, was aktiven Sportlern oft sehr schwerfällt, so die Erfahrung von Priv.-Doz. Dr. Ole Ackermann, niedergelassener Orthopäde aus Duisburg. Empfehlenswert ist in manchen Fällen eine Laufanalyse, die über die am besten geeigneten Schuhe Auskunft gibt. Auch Einlagen können helfen.

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Anhaltende Knieschmerzen im Alter

Für viele ältere Menschen gehören sie zum Alltag: Knieschmerzen bei Belastung, Steifigkeit der Kniegelenke am Morgen, und auch Schmerzen zu Beginn einer Bewegung – der sogenannte „Anlaufschmerz“ – alles Anzeichen einer Abnutzungserscheinung, die als Kniearthrose bezeichnet wird. Oft kommt es auch zu Phasen verstärkter Schmerzen, in denen das Gelenk geschwollen sein kann – man spricht dann auch von „aktivierter Arthrose“, was einem entzündlichen Reizzustand entspricht.

Bedingt ist die Kniearthrose durch den Verschleiß des Knorpels im Gelenk. Knorpel kann sich nicht sehr gut selbst regenerieren, er wird bei einer Abnutzung auf die Dauer geschädigt, was bei weiterem Fortschreiten auch zur Schädigung am Knochen selbst führen kann.

Eine gewisse Abnutzung des Knorpels mit dem Alter ist normal, doch gibt es einige Faktoren, die diese Entwicklung beschleunigen und die Arthrose im Knie verstärken können. Dazu gehören frühere Verletzungen am Knie, Bewegungsmangel sowie übermäßige Belastung, wie beim Leistungssport. Auch bei starkem Übergewicht kommt es zu einer größeren Belastung der Knie. Weitere Risikofaktoren sind knieende Tätigkeiten wie etwa bei Fliesenlegern, und auch Fehlstellungen der Beine, die nicht genügend ausgeglichen wurden.

INFO

Bei welchen Bewegungen schmerzt es?Was könnte dahinterstecken?
Knieschmerzen durch SitzenMeniskusschäden, Fehlbildungen / Fehlstellungen der Kniescheibe
Knieschmerzen beim BeugenProbleme mit der Kniescheibe, Schleimbeutelentzündung, Meniskusschäden, Knorpelschäden
Knieschmerzen beim StreckenMeniskusschäden, Schäden an der  Kniescheibe
Knieschmerzen nach LaufenÜberlastung, Schleimbeutelentzündung, Probleme mit der Kniescheibe
Knieschmerzen beim TreppensteigenSchleimbeutelentzündung, Kreuzbandverletzung
Knieschmerzen beim Bergabgehen Läuferknie, Kreuzbandverletzung 
Knieschmerzen nach AufstehenArthrose
Knieschmerzen in RuheEntzündung (Rheuma), weit fortgeschrittene Arthrose

Tipps, wie man Knieschmerzen vorbeugen kann

Es gibt vieles, was man selbst tun kann, um die Kniegesundheit lange zu erhalten. „Viele Menschen denken bei Knieschmerzen eher an Schonung und versuchen das Gelenk möglichst ruhig zu halten. Dies ist aber genau der falsche Ansatz – durch die Ruhigstellung wird der Knorpel nicht ausreichend ernährt und verkümmert dadurch noch mehr“, betont Dr. Ole Ackermann.

Viel hilfreicher ist regelmäßige, knieschonende Bewegung. Sie verbessert die Nährstoffversorgung im Knorpel, hält die Gelenke beweglich und stärkt die Muskeln. Eine starke Muskulatur trägt ganz wesentlich dazu bei, das Kniegelenk zu entlasten. Auch bei schon geschädigtem Knorpel kann maßvolle Bewegung helfen, den Verschleiß aufzuhalten.

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„Viele Menschen denken bei Knieschmerzen eher an Schonung und versuchen das Gelenk möglichst ruhig zu halten. Dies ist aber genau der falsche Ansatz, betont Orthopäde Dr. Ackermann.

Kniefreundliche Sportarten

Wer gern Sport treibt, muss also selbst bei Arthrose nicht seiner Knie zuliebe darauf verzichten. Besonders Sportarten mit gleichmäßigen, nicht zu abrupten Bewegungen, wie etwa Radfahren oder Gymnastik, wirken sich auf die Kniegelenke günstig aus. Dabei wird das Gelenk zwar bewegt, der Knorpel aber nicht zu sehr gereizt. Auch Schwimmen oder Wassergymnastik sind gut geeignet.

Eher ungünstig und mit starker Belastung des Knies verbunden sind Sportarten wie Gewichtheben, Bergwandern oder Ballsportarten. Auch das Joggen kann vor allem bei ungeeignetem Schuhwerk oder ungünstigem Laufstil zur übermäßigen Belastung der Knie führen. Im Prinzip ist aber jeder Sport erlaubt, der schmerzfrei möglich ist.

Gewichtsabnahme

Ein starkes Übergewicht kann Arthrosen im Knie begünstigen. Die Gewichtsabnahme stellt hier einen großen Beitrag zur Entlastung der Kniegelenke dar. Damit das reduzierte Gewicht auch gehalten werden kann, ist häufig eine dauerhafte Umstellung des Lebensstils notwendig.

Fehlstellungen ausgleichen

Wurde die Arthrose durch eine Fehlstellung der Beine ausgelöst, ist es unter Umständen wichtig, diese zu korrigieren, um weiterem Schaden vorzubeugen. Dazu könnten zum Beispiel Einlagen für die Schuhe nötig sein, die speziell angefertigt werden müssen. Bei jüngeren Patienten kommen auch operative Korrekturen der Beinachsen in Betracht.

Was tut man bei Schmerzen im Knie?

Bei einem neu aufgetretenen akuten oder anhaltenden Knieschmerz sollten Sie zum Hausarzt oder Orthopäden gehen, damit er die richtige Diagnose stellen und Ihnen Empfehlungen zur Therapie geben kann.

Die Kniearthrose ist eine Erkrankung, die an sich nicht heilbar ist. Es gibt allerdings neben den genannten Maßnahmen viele Möglichkeiten, die Schmerzen zu lindern, das Gelenk beweglich zu halten und den Verschleiß zu verlangsamen.

Schmerzmittel

Bei entzündlichen Reizzuständen empfinden viele Patienten Wärme oder Kälte als entlastend. Auch entzündungshemmende Schmerzmittel können die Knieschmerzen lindern und eine Belastung des Gelenkes wieder ermöglichen. Sie können äußerlich, z.B. als Gel, angewandt oder auch in Tablettenform eingenommen werden. Besprechen Sie die Medikation aber immer mit Ihrem Arzt.

Physiotherapie und Eigenübungen

Auch die Physiotherapie und eine eigenständige Übungstherapie nach Anleitung können ein wichtiger Teil der Therapie bei der Kniearthrose sein. Dabei wird eine Kombination aus Muskelkräftigung, Ausdauer- und Beweglichkeitstraining am Gelenk angewendet.

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Operation

Bei sehr fortgeschrittener Arthrose mit starken Knieschmerzen, die auch in Ruhe bestehen, ist als letzte Maßnahme oft ein Gelenkersatz angezeigt. Dabei wird ein künstliches Gelenk oder auch eine Teilprothese eingesetzt, um die Funktion des Kniegelenkes weitgehend wiederherzustellen und die Patienten von ihren Schmerzen zu befreien. Diese Prothesen haben eine Lebensdauer zwischen 15 und 20 Jahren und müssen dann in vielen Fällen gewechselt werden.

Weitere Therapieformen

Unterstützend kommen bei der Kniearthrose noch weitere Behandlungsmethoden zum Einsatz – zum Teil ohne, dass ein Nutzen bisher wissenschaftlich nachgewiesen wurde. Dazu gehören z.B. elektrische Nervenstimulation (TENS), Lasertherapie, Ultraschall- und Kurzwellentherapie, sowie Akupunktur und Ergotherapie.

Auch das Spritzen von Hyaluronsäure in das Gelenk ist eine solche Möglichkeit. Die Spritzen müssen aber vom Patienten selbst bezahlt werden und führen letztlich nicht zur Heilung, aber in vielen Fällen zu einer zeitlich begrenzten Schmerzlinderung für einige Monate bis zu 2 Jahren.

Ganz klar keine Wirksamkeit haben frei verkäufliche Nahrungsergänzungsmittel mit Chondroitin oder Glucosamin. Auch die Gelenkspiegelung mit dem Versuch der Knorpelglättung hat bei der reinen Arthrose in der Regel keinen anhaltenden positiven Effekt.

Im Zusammenspiel der ärztlichen Behandlung mit einer kniefreundlichen Lebensweise ist es möglich, trotz Kniearthrose ein aktives und weitgehend schmerzfreies Leben zu führen.

 

Quellen:

Gesundheitsinformation des IQWiG 
https://www.gesundheitsinformation.de/kniearthrose-gonarthrose.html#topic-sources

S2k-Leitlinie Gonarthrose 
https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/033-004l_S2k_Gonarthrose_2018-01_1-verlaengert.pdf

Leena Sharma; Osteoarthritis of the Knee; N Engl J Med (2021); 384: 51-9

Dr. Michael Cassen; Das Läuferknie: Tractus iliotibialis und seine Tücken; Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin; online April 2018
https://www.zeitschrift-sportmedizin.de/der-tractus-iliotibialis-und-seine-tuecken/3/