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Rooming-in: Mit Begleitperson ins Krankenhaus

Ihr Kind liegt im Krankenhaus und Sie möchten rund um die Uhr bei ihm sein? Die Lösung dafür lautet Rooming-in – und zwar in Form der Übernachtung eines Elternteils im Krankenhaus. Es gibt nämlich viele unterschiedliche Varianten des Rooming-ins – diese Form von Rooming-in ist besonders dann interessant, wenn Sie kleine Kinder haben. Denn die unbekannte Umgebung eines Krankenhauses ist besonders für kleine Kinder eine Herausforderung, die sie besser meistern, wenn ein Elternteil bei ihnen übernachten kann. Und somit permanent vor Ort ist.

Was ist Rooming-in?

Um Ihnen einen tieferen Einblick in das komplexe Thema zu geben, greifen wir in diesem Artikel auch andere Varianten von Rooming-in auf.

Grundsätzlich beschreibt der Begriff Rooming-in eine Behandlungsunterstützung durch Begleitpersonen in Krankenhäusern. Dabei werden Sie gemeinsam mit der zu behandelnden Person im Krankenhaus aufgenommen und können entweder in der Nähe oder im gleichen Zimmer übernachten. Zusätzlich erhalten Sie Unterstützung von speziell ausgebildetem Pflegepersonal und können bei Wunsch selbst einige Pflegeaufgaben übernehmen.

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Das „klassische“ Rooming-in: Für Eltern kranker Kinder

Wenn Ihr Kind krank ist, möchten Sie natürlich bei ihm sein. Doch was passiert, wenn es über einen längeren Zeitraum im Krankenhaus bleiben muss? Viele Krankenhäuser bieten in diesen Fällen Rooming-in an.

Für Kinder vor dem 9. Geburtstag

Die Gesellschaft der Kinderkrankenhäuser und Kinderabteilungen in Deutschland e. V. (GKinD) empfiehlt Rooming-in besonders für Kinder unter neun Jahren. Gerade in diesem jungen Alter kann es sehr beängstigend sein, die Nächte allein in einem Krankenhaus zu verbringen. Vor allem, wenn Ihr Kind noch nie zuvor von Ihnen getrennt war. Die fremde Umgebung und die Trennung können deshalb eine zusätzliche psychische Belastung sein und den Genesungsprozess erschweren. Sind Sie jedoch als Begleitperson dabei, verhindern Sie diese zusätzlichen Ängste. Das begünstigt wiederum die Genesung.

Was, wenn mein Kind schon älter ist?

Generell wird davon ausgegangen, dass Kinder über neun Jahre besser mit der Situation zurechtkommen. Regelmäßige Besuche und Zeit für ausführliche Gespräche sind hier ausreichend.

Eine Variante von Rooming-in: Nach der Geburt

Während in den 50er Jahren die Trennung von Mutter und Kind nach der Geburt üblich war, wird heute das Zusammensein gefördert: Das Rooming-in gehört inzwischen auch nach der Entbindung zum Standard in vielen Krankenhäusern. Dieses ganzheitliche Betreuungskonzept ermöglicht es Ihnen, nach der Geburt rund um die Uhr bei Ihrem Baby zu sein und die Pflege selbst zu übernehmen.

Man könnte denken, dass der Begriff in diesem Zusammenhang falsch verwendet wird, weil sowohl Mutter als auch das Kind quasi „Patienten“ sind und bereits im Krankenhaus liegen. Da findet also gar kein Rooming-in einer weiteren Betreuungsperson im klassischen Sinne statt. In diesem Zusammenhang bezieht sich der Begriff auf die Tatsache, Mutter und Kind während des Krankenhausaufenthalts möglichst nah zusammen zu bringen und die Mutter in die Versorgung des Neugeborenen einzubeziehen.

Übrigens: Dem Programm „Babyfreundlich – eine Initiative von WHO und UNICEF“ folgen in Deutschland über 100 Krankenhäuser. In diesen sogenannten babyfreundlichen Krankenhäusern können Sie das Angebot des Rooming-in nutzen. Zur Auswahl stehen Ihnen ein 24-Stunden-Rooming-in und ein partielles Rooming-in.

Partielles oder vollständiges Rooming-in?

Entscheiden Sie sich für ein partielles Rooming-in, kann Ihr Kind sowohl von Ihnen in Ihrem Zimmer als auch vom Personal auf der Säuglingsstation versorgt werden. Dazu bekommt es ein eigenes Bettchen auf Rädern. Beim vollständigen, oder auch 24-Stunden-Rooming-in, ist Ihr Kind dagegen rund um die Uhr bei Ihnen. Das bedeutet, Sie können es komplett selbstständig versorgen.

Keine Sorge, auch wenn Sie sich zunächst für ein partielles Rooming-in entschieden haben, können Sie jederzeit nach einer vollständigen Betreuung fragen. Und wenn Sie einmal erschöpft sind und Ruhe brauchen, können Sie Ihr Baby immer in die Hände der betreuenden Krankenschwestern geben.

Die Vorteile von Rooming-in nach der Geburt

Hintergrund des Rooming-ins ist die Stärkung der Bindung zwischen Ihnen und Ihrem Neugeborenen. Denn Ihr Baby verbringt seine erste Lebenszeit nicht mehr, wie früher üblich, ohne seine Eltern im Säuglingszimmer, sondern spürt Ihre Nähe. Das vermittelt Geborgenheit und hilft Ihnen beiden, die Strapazen der Geburt besser zu verarbeiten. Außerdem bietet das Rooming-in folgende Vorteile:

  • Der enge Kontakt unterstützt die Bildung der Vor- und Muttermilch.
  • Sie lernen Ihren Nachwuchs und seine Bedürfnisse besser kennen.
  • Die Umstellung zu Hause wird einfacher, wenn Sie bereits mit den Signalen und Hungerzeichen Ihres Babys vertraut sind.
  • Hebammen und Krankenschwestern stehen bei der Pflege immer unterstützend zur Seite.
  • Durch die Nähe zu Ihnen ist Ihr Baby ruhiger und weint in der Regel seltener.

Übrigens: Je nach Kapazität und Angebot des Krankenhauses können sogar Ihr Partner und Ihre anderen Kinder im gleichen Zimmer schlafen (Familienzimmer).

Rooming-in für Frühchen

Wenn Ihr Baby vor der 37. Schwangerschaftswoche auf die Welt kommt, ist es ein Frühchen. In diesem Fall ist Rooming-in sogar besonders empfehlenswert – denn bei einem engen Kontakt zur Mutter entwickeln sich sehr früh geborene Babys besser. Nestwärme und direkter Hautkontakt sind das Beste, was Sie Ihrem Säugling geben können.

Eine weitere Variante: Rooming-in für Angehörige von erwachsenen Patienten

Erkrankt ein Familienmitglied und hat einen Krankenhausaufenthalt vor sich, können Sie das Rooming-in im jeweiligen Krankenhaus beantragen. Sie können das Rooming-in sogar dann beantragen, wenn es sich um eine Ihnen nahestehende Person handelt, mit der Sie nicht verwandt sind.

Vor allem bei Demenz-Patienten bietet das Rooming-in viele Vorteile. Denn oft sind Patienten und Personal mit der besonderen Situation, die eine Demenz mit sich bringt, überfordert und verunsichert – der streng strukturierte und reibungslose medizinische Ablauf in einem Krankenhaus kann den Besonderheiten der Erkrankung kaum gerecht werden. Durch Sie als vertraute Person kann Ihr Angehöriger oder Bekannter die ungewohnte Umgebung besser verarbeiten und Komplikationen im Krankenhausalltag werden vermieden.

Auch in anderen Fällen von schweren oder lebensbedrohlichen Krankheiten, körperlichen und geistigen Behinderungen oder im Hospiz können Sie Ihren Angehörigen durch Rooming-in unterstützen. Grundsätzlich gilt immer: Zu den Voraussetzungen für das Rooming-in zählt neben der medizinischen, therapeutischen oder psychologischen Notwendigkeit auch der Wunsch des Patienten.

Was kostet Rooming-in und welche Kosten übernimmt die Krankenkasse?

„Klassisches“ Rooming-in für Eltern mit kranken Kindern

Wird ein Kind stationär im Krankenhaus behandelt, übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung in der Regel bis zum neunten Lebensjahr die Kosten für die Mitaufnahme der Eltern. Damit folgen die Versicherungen den Empfehlungen der GKinD. Es gibt hier jedoch keine einheitliche Regelung. Die Envivas erstattet Kosten für „klassisches“ Rooming-in bei Kindern bis zum zehnten Lebensjahr, wenn sowohl die betreuende erwachsene Person als auch das Kind bei der Envivas versichert sind. Weitere Informationen zu dieser Leistung finden Sie in den Vertragsunterlagen, die hier abrufbar sind.

Rooming-in nach der Geburt

Auf der Säuglingsstation werden die Kosten für das Rooming-in von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen, denn hier sind sowohl Sie als auch Ihr Kind Patienten. Aber Achtung: Möchte Ihr Partner mit im Familienzimmer untergebracht werden, müssen Sie dies unter Umständen eigenständig bezahlen.

Rooming-in für Angehörige von erwachsenen Patienten

Wenn Sie gemeinsam mit einem Angehörigen oder einer nahestehenden Person im Krankenhaus untergebracht werden wollen, übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung die Kosten in der Regel in folgenden Fällen:

  • Medizinische Notwendigkeit
  • Therapeutische Notwendigkeit
  • Psychologische Notwendigkeit

Allerdings ist es ratsam, im Vorfeld zu fragen, ob Ihre Krankenkasse die Kosten übernimmt, denn auch hier existieren keine einheitlichen Regelungen. Auch der Hausarzt der betroffenen Person kann das Rooming-in vorab empfehlen.

Die wichtigsten Informationen nochmal im Überblick

Es gibt drei Anwendungsgebiete für das Rooming-in:

  1. Rooming-in bei Kindern, die z.B. nach einer Operation oder einem Unfall im Krankenhaus bleiben müssen (Empfehlung für Kinder bis neun Jahre)
  2. Rooming-in nach der Geburt
  3. Rooming-in für erwachsene Patienten (im Regelfall Demenzpatienten), die stationär behandelt werden

Die wichtigsten Vorteile auf einen Blick

Für Kinder

  • Verminderung von Stress, Ängsten und psychischer Belastung
  • Bessere Genesungschancen

Nach der Geburt

  • Wertvoller Bindungsaufbau
  • Förderung der Entwicklung des Kindes

Für erwachsene Patienten (insbesondere bei Demenz)

  • Reibungsloser Klinikaufenthalt für Patienten sowie Personal
  • Bessere Verarbeitung der ungewohnten Umgebung

Quellen

  • Rooming-in-Modell. Beeinflußt die Mitaufnahme bzw. Nichtmitaufnahme der Mütter den Krankenhausaufenthalt von Kleinkindern?, K. Polmin, M. Bäck, J. Egger, R. Kurz, Monatsschrift Kinderheilkunde 1998, 146: 797–800, Springer Verlag 1998
  • Meine Schwangerschaft – Tag für Tag: Fundierte Information und wertvoller Rat für jeden Tag der Schwangerschaft, Gabriele Grünebaum, Dr. med. Loay Okk, Hannover, Humboldt 2009, S. 213
  • Das „babyfreundliche Krankenhaus“: von der Entbindungsklinik zur Bindungsklinik in Geburtshilfe und Frauenheilkunde, M. Abou-Dakn, G. Meese, 2009/ 69, Georg Thieme Verlag
  • Meine Schwangerschaft – Tag für Tag: Fundierte Information und wertvoller Rat für jeden Tag der Schwangerschaft, Gabriele Grünebaum, Dr. med Loay Okk, Hannover, Humboldt 2009, S. 213
  • Infos für Eltern - Bundesverband „Das frühgeborene Kind“ e.V. (fruehgeborene.de)
  • Rooming-in für Angehörige, Demenz-Projekt im Krankenhaus, Michael Isfort, Die Schwester Der Pfleger 48. Jahrg. 10|09
  • Rooming-in für Angehörige, Demenz-Projekt im Krankenhaus, Michael Isfort, Die Schwester Der Pfleger 48. Jahrg. 10|09
  • Einführung in das LOGBUCH Demenz, H. E. von der Ahe, M. Mehwald, H. Klein, E. Hoffmann, Parisozial Minden-Lübbecke, Diakonie Stiftung Salem, Kuratorium Deutsche Altershilfe, 2011
  • https://www.krankenkassen.de/gesetzliche-krankenkassen/leistungen-gesetzliche-krankenkassen/geburt-kinder/rooming-in-kinder/
  • Wegweiser Demenz - Aufnahme (wegweiser-demenz.de)

Ronald Voigt

Autor

Ronald Voigt arbeitete als Redakteur für verschiedene ARD-Nachrichtensendungen, bevor er als Manager bei privaten Krankenversicherungen sowie in der Pharmabranche tätig war. Als freier Redakteur schreibt er seit vielen Jahren über gesundheitliche Themen, Gesundheitspolitik und über Trends im Gesundheitsbereich.