1. Startseite
  2. Magazin
  3. Zahngesundheit
  4. Zahnmythen im Check

Zahnmythen im Check

Schlechte Zähne sind vererbt, Babys brauchen Fluortabletten, nach dem Essen Zähneputzen – um Zähne und Zahnpflege ranken sich viele Mythen. Zahnarzt Ralf Hausweiler hat die gängigsten Behauptungen unter die Lupe genommen.

Wer elektrisch putzt, putzt besser

Stimmt bedingt. Theoretisch kann man die Zähne manuell genauso gut pflegen wie mit einer elektrischen Zahnbürste. Die elektrische Zahnbürste macht es aber automatisch richtig, während Manuell-Putzer selbst auf die perfekte Technik beim Entfernen von Plaque achten müssen. Und die ist ziemlich kompliziert: „Erst anrütteln, dann im 45 Grad-Winkel wegfegen – das ist sehr komplex“, sagt Ralf Hausweiler. Eine Studie der Uni Greifswald hat ergeben, dass Menschen, die elektrisch putzen, etwas weniger häufig Zähne verlieren als diejenigen, die per Hand säubern: In gut zehn Jahren haben die Elektrisch-Putzer am Ende knapp einen halben Zahn mehr vor dem Ausfallen bewahrt. Untersucht wurden 2.800 Erwachsene über einen Zeitraum von elf Jahren. Nicht zu unterschätzen bei Kindern: „Elektrische Zahnbürsten unterstützen den Spieltrieb. Und wer gern Zähne putzt, macht das häufiger, was natürlich gut ist“, sagt Hausweiler.

Zahnzusatzversicherung ZahnFlex – 100% Kostenerstattung (inkl. TK-Leistung) für:

  • Zahnbehandlungen, z.B. Füllungen und Wurzelbehandlungen
  • Zahnersatz, z.B. Kronen, Inlays und Implantate 
  • Professionelle Zahnreinigung 
Jetzt Beitrag berechnen und online abschließen

Schallzahnbürsten sind das Nonplusultra

Stimmt eher. Studien konnten zwar keinen signifikanten Vorteil bei der Putzqualität zum elektrischen Rundkopf feststellen. Dennoch: „Schallzahnbürsten kommen mit einer niedrigeren Frequenz aus, weshalb sie etwas schonender putzen als normale elektrische Zahnbürsten“, meint Hausweiler.

Zahnseide schützt vor Karies

Hierüber streiten sich Zahnärzte und Forscher. In unabhängigen Studien konnte bislang nicht nachgewiesen werden, dass das Benutzen von Zahnseide vor Karies und Parodontose schützt. Das US-Gesundheitsministerium listet Zahnseide daher in seinen Gesundheitshinweisen für die amerikanische Bevölkerung seit einigen Jahren nicht mehr auf. Ralf Hausweiler sagt: „Es gibt keine Beweisbarkeit, weil das nie wirklich untersucht wurde. Vielleicht, weil es sich um eine Selbstverständlichkeit handelt, wie die Annahme, dass es nachts dunkler ist als tagsüber. Klar ist: Wer seine Zahnzwischenräume mit Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürsten sauber hält, bietet Karies eine geringere Chance.“ Gerade im Alter zwischen 15 und 45 Jahren entstehe Karies vermehrt nicht auf den glatten Zahnoberflächen, sondern durch eiweißhaltige Essensreste in den Zahnzwischenräumen.

Mein Vater hatte auch schon schlechte Zähne – ich habe die von ihm geerbt

Eher Unsinn. Die Rolle der Gene spielt bei der Zahngesundheit eine Rolle von unter einem Prozent. „Karies ist eine Kissing-Infection. Wir haben sie nicht von Geburt in uns, die Bakterien werden durch Speichel übertragen. Karies kann außerdem nur gedeihen, wenn Kohlenhydrate, am besten Zucker, dazukommen. Wer viel Zucker isst und sich wenig die Zähne putzt, bekommt deshalb schlechte Zähne“, sagt Hausweiler. Lediglich das Ess- und Putzverhalten können wir an unsere Kinder weitergeben und so die Voraussetzung für eher gesunde oder eher schlechte Zähne schaffen.

Babys brauchen Fluortabletten, um gute Zähne zu bekommen

Stimmt nicht. Zahnärzte raten dazu, ab dem ersten Geburtstag einmal am Tag mit einer kleinen Menge fluorhaltiger Zahnpasta zu putzen. Als Fluorlieferant ist das ausreichend, Fluortabletten kann man sich dann sparen.

Wenn der Patient Karies hat, muss der Zahnarzt bohren

Stimmt nur bedingt. Hat die Karies ein tiefes Loch in den Zahn gefressen, muss gebohrt werden. „Ist die Karies aber noch am Anfang, handelt es sich also nur um einen leichten Kratzer, reicht eine Fluoridierung, Versiegeln oder Infiltrieren“, sagt Hausweiler. Bei letzterem wird die betroffene Stelle mit einem Ätzgel vorbehandelt, anschließend mit einem farblosen, hochflüssigen Kunststoff aufgefüllt und mit Licht ausgehärtet. Diese Methode eignet sich besonders für Kinder und Angstpatienten. Der Bohrer kann aus bleiben.

Kinder und Jugendliche haben schlechtere Zähne, weil sie so viel Zucker essen

Stimmt nicht. Karies ist durch die zahnärztliche Versorgung in den vergangenen Jahrzehnten enorm zurückgegangen. „Achtzig Prozent aller Kinder und Jugendlichen haben gar keine Erfahrung mehr mit Karies“, sagt Hausweiler.

Das Essen eines Apfels ersetzt schon mal das Zähneputzen

Stimmt nicht. „Der Zahn unterscheidet nicht, woher der Zucker kommt. Auch der Fruchtzucker kann Karies nähren. Abends statt Zähneputzen einen Apfel essen, hilft also nicht“, sagt Hausweiler. Gerade Fruchtsäure kann überdies zum Beispiel den Zahnschmelz angreifen.

Es ist egal, welche Zahnpasta ich verwende

Stimmt in gewisser Weise. „Wichtig ist eigentlich nur, dass die Zahnpasta Fluorid enthält – egal in welcher Form. Und ich würde darauf achten, dass der RDA-Wert, also der Abriebwert, nicht hoch ist“, sagt Hausweiler. „Alles andere ist Werbung.“ Gerade Weißmacher-Zahncremes besitzen oft einen höheren RDA-Wert, um oberflächliche Verfärbungen besser zu entfernen. Damit kann auf Dauer aber auch der Zahn geschädigt werden.

Weißmacher-Zahncremes kann ich jeden Tag benutzen

Falsch. „Weißmacher-Zahncremes eignen sich nicht für den Dauergebrauch und sollten höchstens ab und zu und unter zahnärztlicher Aufsicht angewendet werden“, sagt Hausweiler. Durch ihren hohen RDA-Wert, der den Abrieb angibt, können sie Schäden an der Zahnhartsubstanz verursachen.

Am besten immer gleich nach dem Essen Zähneputzen

Stimmt nicht. Es kommt ganz darauf an, was man gegessen hat. „Nach säurehaltigen Speisen und Getränken sinkt der ph-Wert im Mund, die Säure greift den Zahnschmelz an. Dann gleich mit der Bürste zusätzlich zu kommen, wäre kontraproduktiv. Warten Sie besser ein bis vier Stunden. In der Zwischenzeit besser nur Zahnpflegekaugummis oder fluoridierte Spüllösungen nutzen“, sagt Hausweiler.

Zahnschmuck macht die Zähne kaputt

Stimmt eher nicht. „Das Anbringen von kleinen Schmucksteinen schädigt den Zahn wirklich kaum. Natürlich muss der Zahn völlig sauber und gesund sein“, sagt Hausweiler. Wie bei Zahnersatz auch bestehe höchstens das geringe Risiko, einen Stein, der sich gelöst hat, versehentlich zu verschlucken oder im schlimmsten Fall nachts versehentlich einzuatmen.

Bleachen kann ich auch zu Hause

Stimmt nicht. „Wie beim Sonnenbaden gilt: Man verschätzt sich oft in der Intensität. Und dann hat man am Ende einen Sonnenbrand oder geschädigten Zahnschmelz“, sagt Hausweiler. „Ich befürworte deshalb das „In-office-Bleaching“ beim Zahnarzt.“ Dort falle vorab auch auf, wenn eine Füllung defekt sei oder Zahnhälse frei lägen. „An solchen Stellen kann das Wasserstoffperoxid, das zum Aufhellen verwendet wird, nämlich in die Ritzen laufen und so zu massiven Überempfindlichkeiten führen.“ Freiverkäufliche Drogerieprodukte zum Aufhellen hätten außerdem den Nachteil, dass die extrem niedrige Dosierung (bis zu 0,1 Prozent) im Gegensatz zu den Präparaten beim Arzt (30 bis 40 Prozent) nicht das gewünschte Ergebnis bringe.

Zahnersatzbehandlungen im Ausland sparen Geld

Stimmt nur bedingt. „Natürlich gibt es überall auf der Welt Spezialisten, die ihre Arbeit super machen. Aber der Körper reagiert nicht immer wie geplant und man muss sich überlegen, ob es sinnvoll ist, wenn man bei Problemen dann immer nach Rumänien fliegen muss, wo man die Erstbehandlung hat machen lassen“, sagt Hausweiler. In jedem Fall sollte man sich vorab genau informieren über die Nachsorge, aber auch den Gerichtsstand. „Ich persönlich würde mich nur im Ausland behandeln lassen, wenn die das dort besser machen würden, nicht, weil sie es vielleicht billiger machen.“

Quellen:

Elektrisches Zähneputzen schützt tendenziell etwas besser vor Parodontitis und Zahnausfall:

https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/jcpe.13126

https://www.cochrane.org/CD002281/ORAL_poweredelectric-toothbrushes-compared-to-manual-toothbrushes-for-maintaining-oral-health

Schallzahnbürsten im Vergleich zu rotierendem Bürstenkopf:

Was ist besser für die Zähne – Rotation oder Schallzahnbürsten?

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8694983

Zahnseide:

https://www.cochranelibrary.com/doi/10.1002/14651858.CD008829.pub2/abstract

Allgemein:

https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/mythos-mundhygiene-zahnarzt-klaert-ueber-karies-co-auf-14963959.html

Bleaching:

https://www.zwp-online.info/fachgebiete/cosmetic-dentistry/bleaching/office-bleaching