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Retainer: Arten, Kosten und Pflege

Die Zahnspange nach der Zahnspange: Wer den Erfolg einer kieferorthopädischen Behandlung nicht gefährden will, muss den Retainer bis an sein Lebensende tragen – zumindest nachts. Früher wurde die Nachbehandlung gerne mal vernachlässigt. Kieferspezialist Professor Wilmes erklärt, warum lebenslange Retention so wichtig ist, was Retainer kosten und wann die Krankenkasse die Kosten übernimmt.

Was ist ein Retainer?

Der Retainer kommt im Anschluss an eine kieferorthopädische Behandlung zum Einsatz. Zwar ist es nicht so, dass die Zähne zurückschnellen würden, sobald man die Spange aus dem Mund nimmt. Aber auf lange Sicht besteht das Risiko, dass die Zähne, die man in jahrelanger Therapie aus dem Schiefstand herausgeführt hat, langsam zurückwandern und der Aufwand zumindest teilweise für die Katz war. Die Retention wird eingesetzt, um das zu verhindern.

Wer braucht einen Retainer?

Jede und jeder, der eine Klammer getragen hat, sollte im Anschluss auch einen Retainer tragen. „Denn es besteht immer die Gefahr, dass die Zähne sich zurückbewegen. Meistens nicht hundertprozentig in den Ausgangszustand, aber in diese Richtung“, sagt Professor Benedict Wilmes, stellvertretender Direktor der Poliklinik für Kieferorthopädie an der Universität Düsseldorf.

Zumindest sieht man diese Gefahr heute. Lange Zeit sei die Notwendigkeit einer Retentionsphase von den Kieferorthopäden diskutiert worden, schreiben Kartal & Kaya dazu im Turkish Journal Of Orthodontics. Inzwischen sei man sich allerdings darin einig, „dass eine Retentionsphase für die Stabilität der kieferorthopädischen Behandlungsergebnisse unerlässlich ist“.

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Welche Arten von Retainern gibt es?

Acrylschiene oder Zahnspange?

Wie pflegt man Retainer?

Bei der Pflege von Retainern sollte man ähnlich vorgehen wie bei Zahnspangen. Herausnehmbare Retainer sind leichter zu reinigen: Man hält sie unter Wasser, bestreicht die Zahnbürste mit Zahnpasta und schrubbt den Retainer sorgfältig ab – freilich ohne ihn zu zerbrechen.

Bei festen Retainern ist das schwieriger: Retainer wie Zähne lassen sich deutlich schlechter putzen. Kartal & Kaya machen im Turkish Journal Of Orthodontics sogar die Tendenz aus, „durch eine Schwächung der Mundhygiene parodontale Probleme zu verursachen“. Umso wichtiger ist hier der Einsatz von Zahnseide und Interdentalbürsten.

Wie lange sollte man Retainer tragen?

Die Antwort in der Kurzfassung: lebenslänglich. Früher kamen gelegentlich Faustformeln zum Einsatz wie: Retainer sollten mindestens so lange getragen werden, wie die aktive kieferorthopädische Behandlung gedauert hat. Das gilt nicht mehr. Ines Graf, Kieferorthopädin aus Köln, sagt: „Im optimalen Fall dauert die Retention ein Leben lang.“ Übrigens: Mehr zu dem Thema Kieferorthopädie bei Kindern finden Sie auch in unserem Beitrag „Problemzone Kiefer“.

Professor Wilmes sieht es genauso: „Die Retention dauert so lange, wie die Patientin und der Patient wollen, dass ihre Zähne gerade bleiben.“ Leider werde nie der Punkt erreicht, an dem man sagen könnte: Das bleibt jetzt so. Früher habe die Fachwelt das anders gesehen: „Man hat den Leuten irgendwann gesagt: Ihr braucht keine Retainer mehr. Das war ein Fehler.“ Zwar sinke mit der Dauer der Retention die Wahrscheinlichkeit, dass geradegerückte Zähne in die Ausgangsstellung zurückwandern. „Aber wir wissen aus Studien: Sie ist nie gleich null. Es gibt keine Regel, die besagt, dass drei, fünf oder zehn Jahre reichen.“

„Da die Kieferorthopädie nicht vorhersagen kann, welche Patienten rückfallgefährdet sind, welche stabil bleiben und in welchem Ausmaß es langfristig zu einem Rückfall kommen wird, muss der Behandler alle Patienten so behandeln, als ob sie ein hohes Rückfallrisiko hätten“, schreiben etwa Littlewood, Kandasamy und Huang. „Um dieses Risiko zu verringern, wird eine langfristige Beibehaltung der Behandlung empfohlen.“

Dies könne für Patientinnen und Patienten eine erhebliche Belastung darstellen, heißt es im Australian Dental Journal weiter, „weshalb die Retention und das Rückfallpotenzial ein wesentlicher Bestandteil des Einwilligungsprozesses vor einer kieferorthopädischen Behandlung sein müssen“. Die Behandelten trügen eine große Verantwortung: „Wenn Patienten nicht in der Lage oder nicht willens sind, sich an die Vorschriften zu halten, müssen sie sich damit abfinden, dass es nach der Behandlung zu Veränderungen der Zahnstellung kommen wird.“

Was kosten Retainer?

Egal ob es sich um einen festsitzenden oder um einen herausnehmbaren Retainer handelt: Die durchschnittlichen Kosten liegen bei 200 bis 400 Euro, sagt Professor Wilmes. Wo in diesem Spektrum, darüber entscheiden Material, Art und Form der Apparatur. Ein einzelner Retainer ist damit deutlich preisgünstiger als eine „aktive“ Zahnspange.

Zu bedenken bleibt allerdings, dass Retainer kaputtgehen können. Das trifft zwar auch auf Zahnspangen zu. Aber je länger man den Retainer trägt, desto wahrscheinlicher wird es, dass er mal repariert oder ersetzt werden muss: „In der Mundhöhle herrschen raue Sitten“, so Wilmes. Retainer kommen schließlich mit Heißem wie Kaltem in Kontakt, mit unterschiedlichen Säuren und natürlich wird auf ihnen herumgebissen. Wenn es auch keine Faustformel für ihre Haltbarkeit gebe: Man muss damit rechnen, Retainer gelegentlich auszutauschen.

Wann zahlt die Krankenkasse den Retainer?

Häufige Fragen rund um Retainer

Warum sind Retainer notwendig?

Retainer sind notwendig, um die Ergebnisse einer kieferorthopädischen Behandlung langfristig zu erhalten. Nach der Behandlung haben die Zähne die Tendenz, in ihre ursprüngliche Position zurückzukehren. Retainer stabilisieren die Zähne und verhindern, dass sie sich wieder verschieben.

Wie wird der festsitzende Retainer angebracht?

Der festsitzende Retainer wird auf der Zahninnenseite im Frontbereich mittels Bekleben befestigt. Oft werden Stahldrähte oder Metall-Klebepads verwendet, um die zu stabilisierenden Zähne miteinander zu verbinden. Es gibt auch digitale Retainer, die mithilfe von CAD-Verfahren hergestellt und auf die Zähne geklebt werden.

Wie läuft der Behandlungsablauf für festsitzende Retainer?

Der Behandlungsablauf für festsitzende Retainer beginnt mit der Erstellung eines Zahnabdrucks oder Intraoralscans. Der Retainer wird dann angefertigt und anschließend eingesetzt. Die feste Zahnspange wird erst nach dem Einsetzen des Retainers entfernt, um sicherzustellen, dass die neu positionierten Zähne stabil bleiben.

Welche Materialien werden für Retainer verwendet?

Für herausnehmbare Retainer werden oft Kunststofffolien verwendet, die individuell für den Patienten angefertigt werden. Festsitzende Retainer bestehen in der Regel aus Draht oder Metall, wie Stahldrähten oder Titan. Moderne digitale Retainer können aus Titan Grad 5 gefräst werden.

Kann man mit einem Retainer normal essen?

Ja, mit einem Retainer kann man normal essen. Bei herausnehmbaren Retainern ist es ratsam, diese vor dem Essen zu entfernen und nach dem Essen gründlich zu reinigen. Bei festsitzenden Retainern muss man lediglich darauf achten, dass keine harten oder klebrigen Lebensmittel die Drähte beschädigen.

Gibt es Alternativen zu Retainern?

Retainer sind die gängigste Methode, um die Ergebnisse einer kieferorthopädischen Behandlung zu stabilisieren. Es gibt jedoch auch transparente Schienen wie Invisalign, die eine alternative Möglichkeit bieten, die Zähne zu stabilisieren. Ihr Kieferorthopäde kann Ihnen die besten Optionen für Ihre spezifische Situation empfehlen.

Wie häufig sollte man den Retainer überprüfen lassen?

Es wird empfohlen, den Retainer regelmäßig von einem Kieferorthopäden überprüfen zu lassen, um sicherzustellen, dass er noch passgenau sitzt und gut funktioniert. Diese Kontrolltermine können in größeren Abständen, z. B. mehrmals pro Jahr, durchgeführt werden.

Können Retainer unangenehm sein?

Manche Patienten empfinden anfänglich Unannehmlichkeiten, wenn sie einen Retainer tragen, insbesondere bei herausnehmbaren Retainern. Dieses Gefühl verschwindet jedoch normalerweise innerhalb weniger Tage, wenn sich die Patienten an das Tragen gewöhnen.

Wie lange dauert die Retentionsphase?

Die Retentionsphase kann unterschiedlich lang sein und hängt von der individuellen Situation ab. Als Faustregel gilt, dass herausnehmbare Retainer mindestens so lang getragen werden sollten, wie die kieferorthopädische Behandlung gedauert hat. Festsitzende Retainer können auf unbestimmte Zeit belassen werden, sollten jedoch regelmäßig überprüft werden.

Hinweis: Die hier angegebenen Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information und können eine erforderliche medizinische Beratung, Diagnose oder Empfehlung nicht ersetzen. Bei Fragen oder Symptomen im Zusammenhang mit Knieschmerzen sollte immer ein Arzt oder eine Ärztin konsultiert werden.

Quellen:

  • Richtlinien des Bundesausschusses der Zahnärzte und Krankenkassen für die kieferorthopädische Behandlung (https://www.g-ba.de/richtlinien/28/)
  • Retention and relapse in clinical practice. Littlewood SJ, Kandasamy S, Huang G. Aust Dent J. 2017 Mar;62 Suppl 1:51-57. doi: 10.1111/adj.12475.
  • Fixed Orthodontic Retainers: A Review. Kartal Y, Kaya B. Turk J Orthod. 2019 Jun; 32(2): 110-114. doi: 10.5152/TurkJOrthod.2019.18080. Epub 2019 Jun 1. PMID: 31294414