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Reisetrends 2026: Hauptsache warm, sonnig und ein Strand ist da
Der Winter ist noch lang. Aber von Strand und einer Auszeit in der Sonne träumen kann man ja schon einmal. Für das beginnende Jahr bleibt das Mittelmeer Sehnsuchtsort Nummer eins der Deutschen. Auch Coolcation und überraschende Ziele und Arten zu reisen finden immer mehr Beachtung. Insgesamt verlässt nur jeder Zwölfte Europa für seinen Jahresurlaub.
Wir betrachten sie als die kostbarsten Tage im ganzen Jahr. Die Vorfreude auf sie kann uns durch viele langweilige Bürotage, Meetings und den stressbehafteten Familienalltag helfen. Für das Reisen sind wir Deutschen bereit, einiges in Kauf zu nehmen. Wir akzeptieren exorbitante Preissteigerungen und sparen im Notfall eben am Alltag, um es in der Urlaubszeit krachen lassen zu können.
Gut 1300 Euro pro Reise und Person gibt jeder Deutsche für das Vergnügen aus – Kinder zählen wohlgemerkt als eigene Personen, da summiert sich der Familienurlaub schnell auf 5000 Euro. Und auch die eigenen moralischen Wertvorstellungen sind wir bereit für einen schönen Trip einmal hinten anzustellen. Der Start ins neue Jahr gibt uns die Gelegenheit, darüber nachzudenken, wo diese besonderen Wochen im Jahr verbracht werden sollen.
Interessante und unbekannte Trends für das Jahr 2026 gibt es reichliche. Und doch: Auch Traditionalisten müssen sich nicht einsam vorkommen. Denn, so viel sei gleich zu Beginn verraten, das Reisen ist ein Herdenthema. Die klassischen Reiseziele ziehen nach wie vor große Scharen von Urlaubern an.
Das Mittelmeer ist der Urlaubsmagnet schlechthin
An erster Stelle steht Deutschland selbst, jeder Vierte bleibt nämlich im eigenen Land. Aber gleich darauf folgen die Länder der Mittelmeerregion – an dieser Reiserangliste habe sich schon seit Jahrzehnten nicht allzu viel verändert, sagt Ulf Sonntag vom Institut für Tourismus und Bäderforschung in Nordeuropa (NIT). „Spanien kommt dabei vor Italien, danach folgen die Türkei, Österreich, Griechenland“, sagt der Experte. Auf den mittleren Plätzen der Top-Ten komme es immer mal wieder zu Verschiebungen, manchmal lande Kroatien vor Griechenland, manchmal schwächele Österreich.
„Aber in der großen Linie tut sich wenig“, so Sonntag. Der Trend zum Mittelmeer habe sich nach Corona noch verstärkt. Auch innerhalb der Reiseländer blieben die favorisierten Regionen nahezu unverändert bezüglich des Touristenzustroms. Das sei auch nicht weiter verwunderlich. „Die meisten Spanienurlauber landen auf Mallorca, weil es da eben die Hotels und die Infrastruktur gibt, während Galizien auf so viel Reisende gar nicht vorbereitet wäre“, sagt Sonntag.
„Gibt es dort einen Strand? Ist es warm und sonnig genug? Alle Ziele, die das erfüllen, kommen gleich gut in Frage – egal ob man dort spanisch, italienisch oder türkisch spricht. ”
Die Stabilität rührt aber auch daher, dass etwa jeder zweite Tourist die Urlaubsziele einfach unter den beiden folgenden Gesichtspunkten abscannt: Gibt es dort einen Strand? Ist es warm und sonnig genug für den Badeurlaub? Alle Länder, die diese beiden Bedingungen erfüllen, kommen gleich gut in Frage – ganz unabhängig davon, ob man dort nun spanisch, italienisch oder türkisch spricht. Völlig zweitrangig ist, ob eine Fahrt dorthin sich mit dem Genuss einer Paella, dem Besuch einer römischen Ausgrabungsstätte oder einer Moschee verbinden lässt.
Entscheidend ist am Ende dann bei vielen nur noch der Preis. Und der ist häufig dort am günstigsten, wo die entsprechende Infrastruktur vorhanden ist: An den Touristenhotspots am Mittelmeer.
Coolcation – was ist mit Nordeuropa?
Angesichts des Klimawandels verbringen viele Menschen die kostbarsten Wochen im Jahr ungern in einem Land, das immer wieder Schlagzeilen mit Hitzewellen und Waldbränden macht. Stattdessen setzen sie auf „Coolcation“, also dem Trend, der Hitze im Urlaub zu entfliehen.
Und natürlich verzeichne mittlerweile auch der Norden einen Anstieg von Reisenden – tatsächlich fahren auch einige Südeuropäer im Sommerurlaub mal nach Dänemark oder Schweden. „Das gab es früher quasi kaum“, sagt Sonntag. Die Erfahrung zeigt jedoch: Gerade in den Urlaubsregionen auf den Inseln Südeuropas bietet der Hochsommer am Ende dann doch ein angenehmes stabiles Wetter – zumal man die größte Tageshitze in dem ja meist mit Klimaanlage ausgestatteten Hotelzimmer verbringen könne.
„Wer einmal das Wagnis Nordeuropa angegangen ist, der weiß, dass man da im Zweifel noch weniger Glück mit dem Wetter hat. ”
„Unerträglich heiß ist es meist nur in Athen oder Sevilla, aber eher nicht auf den Kanaren oder Rhodos“, sagt Sonntag. Und wer einmal das Wagnis Nordeuropa angegangen ist, der weiß: Auch wenn man selten mit der Hitze kämpft, hat man im Zweifel noch weniger Glück mit dem Wetter. „Die Wahrscheinlichkeit, einen verregneten England- oder Dänemark-Urlaub zu verbringen, ist doch oft höher als einen von unerträglicher Hitze geprägten in Südeuropa.“
Am Ende, so sagt der Experte, erreichen Skandinavien, Großbritannien, Irland und Island im Vergleich zu Südeuropa etwa ein Zehntel der Touristenzahlen.
Jenseits der Top Ten: Astrotravel, Beautyreisen und Supermarkt-Safaris
Sieht man sich die Top Ten an, dann überwiegt die Trägheit. Aber das heißt nicht, dass Touristiker nicht jedes Jahr auch spannende neue Trends entdecken. Von Astrotravel ist da die Rede, was bedeutet, dass Reisende spirituelle Orte und Retreats besuchen oder je nach Sternzeichen unterschiedliche Reisearten und Ziele aussuchen. Im Kurs stehen auch spirituelle Orte in Peru, Indien oder Island, die Selbstreflexion und Transformation versprechen. Es gibt Reiseanbieter, die auch ergründen, welche Sternzeichen als Reisepartner am besten matchen.
Das Billigflug-Vergleichsportal Skyscanner hat ausgemachte Reisetrends wie „Global Glow“ – wo Beautyrituale im Mittelpunkt stehen – identifiziert. Oder „Supermarkt-Safaris“, eine Reise zu den kulinarischen Lebensmitteltrends der Welt. Den durchschnittsreisenden Deutschen allerdings wird das wenig bei seinen Reiseplanungen leiten.
Trendziele und die Vorzüge des „Slow Travel“
Skyscanner hat auch Reiseziele analysiert, deren Suchanfragen im Vergleich zum Vorjahr am stärksten angestiegen sind. Darunter sind weniger überraschende Orte wie zum Beispiel San José del Cabo, eine Stadt an der mexikanischen Küste. Es finden sich aber auch ungewöhnlichere Ziele wie Oradea in Rumänien, das mit seiner Lage im Landesinneren zumindest den klassischen Strandtouristen nicht befriedigen kann. Auch Schardscha in den Vereinigten Arabischen Emiraten oder Sanya in China dürften nicht allzu viele deutsche Touristen sofort auf dem Schirm haben.
Ulf Sonntag sagt, dass bei der Messung von hohen Steigerungsraten natürlich gerade die bislang am meisten vernachlässigten Ziele besonders hervorstechen. „Auch Grönland soll ein Trend sein mit einem enormen Besucheranstieg. Wenn dort aber früher gut 70.000 Menschen pro Jahr überhaupt anreisten, ist eine Steigerungsrate von 30 Prozent in absoluten Zahlen quasi nichts im Vergleich zu denjenigen, die jedes Jahr allein nach Südtirol fahren.“ Laut Landesstatistik verzeichnet man dort mehr als acht Millionen Ankünfte pro Jahr.
„Gesucht wird oft eine Mischung aus Naturerlebnis und Kultur.”
Während jeder zweite Reisende einfach mit Sonne am Strand urlauben will, sucht die andere Hälfte eher das authentische Erlebnis. „Diese Leute zieht es dann oft an die Nordsee, in die Alpen, aber auch in die USA. Gesucht wird oft eine Mischung aus Naturerlebnis und Kultur“, sagt Sonntag. Manche Experten sprechen auch von „Slow Travel“, also der Suche nach echten Erfahrungen vor Ort.
Rund jeder Zwölfte verlässt Europa
Das Rekordjahr 2023, als sich die Fernreisen nach den erzwungenen Heimaturlauben während der Corona-Pandemie auf ein Rekordhoch hochschraubten, wird man wohl 2026 nicht erreichen. Touristiker wie Sonntag rechnen aber mit etwa acht Prozent Marktanteil und damit einem leichten Anstieg im Vergleich zum Jahr zuvor.
Geopolitische Unsicherheiten, so sagt Sonntag, wie die Sorge vor Anschlägen, Krisen oder Krieg, hätten keinen nachhaltigen Einfluss auf Reiseinteressen. „Das schwächt die Nachfrage vielleicht in einem Jahr. Im nächsten spielt es dann schon wieder keine Rolle mehr. Wenn der Preis stimmt, dann treten Menschenrechte oder Risiken plötzlich in den Hintergrund“, so Sonntag.
Große Reiseanbieter wie die Tui oder Alltours sprechen von Trendregionen in Asien und Afrika. So steige das Interesse an Vietnam, aber auch an Sansibar und Kenia. Aber auch die Dominikanische Republik locke Strandenthusiasten, Paare erholten sich ganz besonders gerne auf den Malediven.
Auch Thailand und Indonesien verzeichneten zweistellige Wachstumszahlen. Kulturreiseveranstalter wie Studiosus sehen im außereuropäischen Raum vor allem Indien, China und Japan im Trend. Aber auch Saudi-Arabien entwickle sich stärker.
Social Media und KI als Schlüssel zu mehr Individualität?
Während in den Reisekatalogen von früher nur gewisse Orte der Welt überhaupt als Reiseziel angepriesen wurden, reicht heute ein Blick ins Netz und die entlegensten Stätten der Welt sind mit schönen Bildern in Szene gesetzt. Hier scheint auf den ersten Blick der Schlüssel zu individuelleren Reiseerlebnissen zu liegen.
„Heute dreht Justin Bieber ein Video in einer isländischen Schlucht und plötzlich pilgern da alle hin.”
Social Media sorge aber nicht dafür, den Andrang auf Touristen-Hotspots zu entspannen. Im Gegenteil. Früher hätten Profis darüber entschieden, was als Attraktion gelte, und dort Infrastruktur angelegt, ehe die ersten Reisenden mit dem Bus angekarrt wurden. „Heute dreht Justin Bieber ein Video in einer isländischen Schlucht und plötzlich pilgern da alle hin. Es gibt aber weder Parkplatz noch Toilette, außerdem ist nichts abgesperrt und daher zum Teil gefährlich“, sagt Sonntag.
Auch der KI traue er nicht wirklich zu, die Touristenströme besser zu verteilen. „Die reproduziert ja auch nur das, was sie im Netz findet, und empfiehlt am Ende dieselben Destinationen, die alle schon immer besuchen“, sagt Sonntag.
Quellen
- Skyscanner-Reisetrends für Deutschland 2026 | Tourismus-Einblicke & -Statistiken
- Urlaub 2026: TUI und Alltours verraten ihre Reisetrends
- Entwicklung im Tourismus - 2024 | Publikationen und verschiedene Statistiken diverser Themen
- Reisetrends 2026: Wie wir im kommenden Jahr Urlaub machen - National Geographic
- Ausgaben für Reisen und Urlaub 2024 auf neuen Rekordwert von über 83 Mrd. Euro gestiegen: DRV
Claudia Lehnen
Autorin
Claudia Lehnen wollte als Jugendliche Ärztin werden, entschied sich dann aber dafür, lieber über Medizin und Menschen und ihre Krankheits- und Genesungsgeschichten zu berichten. Die in Köln niedergelassene Journalistin, die im Tageszeitungs-Journalismus zu Hause ist, ist unter anderem auf das Themengebiet Gesundheit spezialisiert.