2022 wieder in die Ferne reisen? Ein Backpacker im Wartemodus

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Die Reiselust kehrt zurück. Reisebüros vermelden steigende Buchungszahlen und auch die Fluggesellschaften sehen Licht am Ende des Tunnels. Der Virologe Klaus Stöhr teilt den vorsichtigen Optimismus – er geht davon aus, dass die Pandemie im Frühjahr 2022 vorbei sein könnte. Und trotzdem: Die Inzidenz steigt wieder an. Noch immer sind fast 40 Prozent der Deutschen nicht geimpft, allein 4 Millionen Menschen im Alter von 60 plus! Viele raten zur absoluten Vorsicht. In diesen unsicheren Zeiten plant Niklas Bahn, Student und professioneller Weltreisender, sein 2022. Er bleibt zuversichtlich, dass er das kommende Jahr wieder auf Tour sein wird.

Von Niklas Bahn

  • Reisen während Corona – meine Erfahrungen
  • Das Reisen wird sich verändern
  • Von Nairobi nach Kapstadt
  • Guter Reiseschutz ist wichtig – nicht erst seit Corona
  • Spinnenbiss im australischen Outback
  • Mein Reiseplan für 2022 steht noch nicht

Ich bin 23 Jahre alt und habe einen Traum: Irgendwann möchte ich alle 193 Länder der Welt bereist haben. 62 konnte ich schon besuchen: Australien, Malawi, Hawaii, Indien und viele mehr. Aber seit Frühjahr 2020 muss mein Fernweh pausieren. Vergangenes Jahr wollte ich zwei Monate lang einige der „STAN-Länder“ in Zentralasien besuchen: Usbekistan, Tadschikistan, Kirgisistan und Kasachstan. Ausgefallen!

Auch das Reiseticket für den kommenden Trip habe ich noch nicht. Meine Reiseroute verschiebt sich beinahe im Wochentakt. Zuerst hatte ich für 2022 Thailand im Plan – auf dem Landweg durch 20 Länder. Jetzt rücken Kanada, die USA und Alaska in den Fokus. Aber auch hier gibt es aktuell viele Einschränkungen und es sieht eher schwierig aus. Ich werde nicht wie geplant direkt im Januar loskönnen. Corona hat alles verändert!

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Reisen während Corona – meine Erfahrungen

Mit der Virusinfektion ist nicht zu spaßen. So viele Menschen sind verstorben, erkrankt oder kämpfen mit Langzeitfolgen, dass man die medizinische Sicherheit nicht hoch genug hängen kann. Gleichzeitig glaube ich aber, dass wir lernen müssen, mit dem Virus zu leben – auch als Backpacker, wie ich es einer bin. Die Reisetätigkeit wird jedoch erst sehr langsam wieder anziehen. Die großen Fluggesellschaften und die Deutsche Flugsicherung (DFS) rechnen erst wieder im Jahr 2025 damit, dass die Passagierzahlen von vor Corona erreicht sein werden.

Ich habe mich dafür entschieden, die Welt ab 2022 wieder ausgiebig zu bereisen. Das wird zwar unter veränderten Bedingungen und höchsten Sicherheitsauflagen sein, aber ich starte wieder. Ich bin doppelt geimpft, habe bereits kleinere Reisen in den Pandemiemonaten absolviert und dabei zweierlei gelernt. Man konnte auf besondere Art und Weise reisen, weil man fast allein unterwegs war. Allerdings musste man höchst flexibel sein, weil die volatilen Entwicklungen bezüglich Corona zu kurzfristigen Änderungen führten.

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Vergangenen Sommer war ich mit dem Auto nach Athen unterwegs. Das war vergleichsweise einfach, die Infektionszahlen waren zu dieser Zeit niedrig. Um die Grenze von Bulgarien nach Griechenland passieren zu können, war nur ein PCR-Test erforderlich. Eine Reise durch den Norden Italiens im Herbst war da schon komplizierter, weil eine Provinz nach der anderen seine inner-italienischen Grenzen schloss. 

Am stärksten spürbar wurde die Pandemie für mich während einer Schiffsreise auf den Kanaren im Januar dieses Jahres. Jeden Tag wurde an Bord Fieber gemessen und bei Landgängen war der Kontakt zu Einheimischen ausgeschlossen. Das fühlte sich an wie Reisen in einer Blase. Diesen Sommer auf Island war es dagegen wieder einfacher. Nach einem PCR-Test am Flughafen trotz vollständigem Impfschutz, mussten wir in einem Quarantäne-Hotel warten, bis das Ergebnis vorlag. Danach – nur wenige Stunden später – war es möglich, drei Wochen unbeschwert zu reisen und den spektakulären Ausbruch des Vulkans Fagradalsfjall zu erleben.

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Das Reisen wird sich verändern

Das Reisen wird sich verändern, so viel scheint klar. Es wird teurer, da allein schon ein PCR-Test am Flughafen im Schnitt 90 Euro kostet. Je nachdem für welche Art zu reisen und für welche Länder ich mich entscheide, benötige ich mehrere dieser Tests. Auch wird das einfache Reisen über Landesgrenzen hinweg, wie ich es liebe, erst einmal schwieriger werden. Ich möchte nicht von A nach B fliegen, sondern von A nach B über den Landweg reisen.

Dabei möchte ich mit Einheimischen und anderen Reisenden in Kontakt kommen, mich austauschen und dabei so manches Vorurteil abbauen können. Auch das wird auf absehbare Zeit nur eingeschränkt möglich sein. Die Beeinträchtigungen, wie ich sie bereits auf den letzten Reisen erlebt habe, werden mich in den kommenden Jahren immer ein wenig begleiten. Trotzdem freue ich mich auf das, was kommt. Es gibt einfach zu viel zu erleben auf der Welt.

Von Nairobi nach Kapstadt

Schon als Kind hat mich das Reisen fasziniert. Als 11-Jähriger konnte es passieren, dass ich mich in irgendeinem Kölner Buchladen stundenlang in der Reiseabteilung verlor. Ich habe die Reiseführer geradewegs verschlungen.

Auf meine erste Weltreise bin ich nach dem Abitur gestartet. Ein Jahr lang und auch den Großteil des darauffolgenden Jahres war ich im Ausland unterwegs, bevor ich mein Studium begonnen habe. In den Semesterferien bin ich immer unterwegs. Besonders fasziniert hat mich Island, wo ich zusammen mit meinem besten Freund durch das Land getrampt bin. Fahrer und Familien aus 18 Nationen haben uns mitgenommen, das bleibt unvergesslich.

Mit der Transsibirischen Eisenbahn bin ich 10.000 Kilometer – teilweise bei minus 30 Grad – gefahren. In Australien war ich mit meinem eigenen Offroadfahrzeug neun Monate und 28.500 Kilometer unterwegs. Mit dem Camper war ich zwei Wochen in Alaska – und mit dem Geländebus neun Wochen von Nairobi nach Kapstadt unterwegs.

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Fünf Wochen Indien führten mich zur Leichenverbrennung am Ganges und wenig später zum Wandern ins höchste Gebirge der Welt – dem Himalaya. Durch Europa verkehre ich mit meinem kleinen Ford Fiesta. Ich bin von Köln aus 9.000 Kilometer ans Nordkap und zurück gereist. Auch in die entgegengesetzte Richtung, 8.500 Kilometer nach Athen, war ich schon unterwegs.

Guter Reiseschutz ist wichtig – nicht erst seit Corona

Fernreisen mit dem Rucksack sind nicht gleichbedeutend mit Naivität oder der Bereitschaft, ein gesundheitliches Risiko einzugehen. Ich möchte sicher reisen und mich dabei sicher fühlen. Eine Auslandsreise-Krankenversicherung ist für mich unerlässlich. Genauso wie die Verpflichtung, dass ich als Reisender unter Corona-Bedingungen besonders vorsichtig sein muss. Ich habe in den Ländern, die ich bereise, eine Verantwortung gegenüber den Einheimischen und der möchte ich jederzeit gerecht werden.

Toi, toi, toi – bis jetzt hatte ich bei meinen Abenteuern mit nur wenigen gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Meine schlimmste Verletzung habe ich mir tatsächlich bei einer Kreuzfahrt in der Südsee zugezogen. Ja, ich bin ein Backpacker, der alle paar Jahre den Luxus einer Kreuzfahrt genießt. Bei einer Kissenschlacht mit meinen Freunden habe ich meine Hand an der Feuerlöschberieselungsanlage an der Kabinendecke aufgeschnitten. Mein Finger musste an Bord mit fünf Stichen genäht werden.

Spinnenbiss im australischen Outback

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Mitten im australischen Outback hat mich eine Spinne in den Fuß gebissen. Meine Schuhsohlen waren durchgelaufen, die Bisswunde schwoll an und es tat auch ziemlich weh. Australien beherbergt viele giftige Tiere, darunter auch Spinnen, die zumindest Lähmungserscheinungen auslösen können. Allerdings war das nächste Krankenhaus vier Autostunden weit entfernt.

Wir haben das Bein mit einem Druckverband provisorisch versorgt und sind gegen 11 Uhr abends losgefahren. Die nächtliche Fahrt mussten wir dann allerdings abbrechen. Wir wären beinahe mit einem Känguru kollidiert, weil mein Freund am Steuer kurz vor dem Einschlafen war. Nach einer unruhigen Nacht am Straßenrand stellten wir am nächsten Morgen fest, dass die Wunde begonnen hatte abzuschwellen.

Viel prägender als mein Spinnenbiss war jedoch, was ich in den ärmsten Ländern dieser Welt erlebt habe. Im ostafrikanischen Malawi sterben immer noch viele Menschen an Malaria, jedes Jahr, weil sie sich keine Moskitonetze leisten können. Ich habe von Einheimischen erfahren, dass sie ihre Fischernetze in der Nacht zum Moskitoschutz umfunktionieren.

Ebenfalls habe ich dort ein sogenanntes Hebammen-Mutterhaus besucht und war fasziniert, wie die Ärzte die Menschen mit den einfachsten medizinischen Mitteln versorgten. Da wird einem bewusst, dass wir uns mit dem Gesundheitssystem sehr glücklich und privilegiert schätzen können, das uns hier in Deutschland zur Verfügung steht.

Mein Reiseplan für 2022 steht noch nicht

Schon seit vielen Jahren pflege ich eine virtuelle Google Weltkarte, mit Reisezielen und Träumen, die ich mir erfüllen möchte. Zum Beispiel möchte ich Eisbären auf Spitzbergen im Norden Norwegens sehen oder in der Mongolei durch die Wüste Gobi wandern. Sowohl weltbekannte Highlights, die leicht zu erreichen sind, wie das Kolosseum in Rom, sind noch auf der Karte eingetragen, genauso wie exotische und abgelegene Orte. Einer von diesen ist das Archipel Raja Ampat im entlegenen Osten Indonesiens, wo ich eines Tages an den Korallenriffen tauchen möchte.

Die entsprechenden Städte, Tiere, Sehenswürdigkeiten, kulturellen Feste und Naturschönheiten kennzeichne ich auf meiner Weltkarte jeweils mit unterschiedlichen Farben und Symbolen. So ist ein „Punktemeer“ aus ca. 450 Plätzen auf der Welt entstanden.

Welchen oder wie viele dieser Punkte ich 2022 sehen werde, weiß ich heute noch nicht. Ich muss flexibel bleiben, werde noch oft umplanen müssen. Dass ich aber 2022 wieder auf Welttour sein werde, da bin ich mir sicher. Irgendwann ist die Pandemie vorbei.

Die Envivas.Puls-Redaktion rät allen Lesern zur größten Vorsicht und zur strikten Einhaltung der Corona Schutzmaßnahmen – zu Hause wie auf Reisen.

Niklas Bahn ist Fernreisender aus Leidenschaft. Der Kölner Student des Fachs Luftverkehrsmanagements hat bereits jetzt 62 Länder der Welt bereist. Sein Lebenstraum ist es, irgendwann alle gesehen zu haben. Schon als Teenager hat er Stunden in den Reiseabteilungen von Buchgeschäften verbracht, um Reisebände zu studieren. Wichtig ist dem 23-Jährigen, die Länder nicht nur zu besuchen, sondern wirklich auch kennenzulernen. Deshalb verzichtet er am liebsten auf Flüge und reist querfeldein übers Land. So lernt er Einheimische und Kulturen kennen und baut manches Vorurteil ab. Für Envivas wird Bahn im Rahmen seiner Fernreisen 2022 immer wieder berichten und Einblicke seiner Erlebnisse teilen.