- Startseite
- Magazin
- Reisen
- Auf dem Schiff durch Südostasien – warum ich als Backpacker Kreuzfahrten mache
Auf dem Schiff durch Südostasien – warum ich als Backpacker Kreuzfahrten mache
Mein Name ist Niklas Bahn, als Backpacker habe ich mehr als 90 Länder der Welt bereist. Mein Rucksack ist mein Symbol von Freiheit. Du tauchst intensiv in den Alltag ein und hast die Möglichkeit, mehrere Tage an einem Ort zu verbringen, versteckte Pfade abseits der üblichen Routen zu entdecken und die Reise günstig und landestypisch zu gestalten. Trotzdem heuere ich immer wieder als Animateur auf Kreuzfahrtschiffen an. Wie im letzten Frühjahr auf dem Weg durch Südostasien.
Seit vier Jahren steige ich immer wieder an Bord einer deutschen Reederei und arbeite als Animateur. Kein Tag ist wie der andere: Morgens steht vielleicht ein Volleyballturnier an und mittags moderiere ich ein Quiz. Auf dem Pooldeck oder in der Disco heize ich abends ein. Die Arbeitstage an Bord sind so abwechslungsreich wie die Fahrtgebiete, in denen ich eingesetzt werde. In den letzten Jahren hat mir mein Arbeitsplatz die Welt gezeigt. So auch Anfang des Jahres 2025, als ich mit dem Schiff innerhalb von zwei Monaten Kurs von Bangkok nach Tokio nehme.
An den Hafentagen tauche ich für einen kurzen Moment in die lokalen Kulturen ein. An Bord stehe ich dann wieder ganz unter Strom und darf auf den Bühnen des Schiffes die Gäste durch den Abend begleiten. Die enge Gemeinschaft der Crew gibt mir Halt: Wir leben Tür an Tür wie in einer Nachbarschaft, während die Crewbar mit Flipper und Kicker unser Treffpunkt ist. All dies macht mein Leben als Animateur zu einer Mischung aus familiärer Geborgenheit und grenzenloser Freiheit. Während das Schiff unbeirrt weiterfährt, schlafen wir in dem Wissen ein, dass bereits der nächste Hafen auf uns wartet.
Typische 14-tägige Routen in Asien per Schiff:
Ab/Bis Singapur oder Laem Chabang (Bangkok) nach Langkawi und Port Klang (Kuala Lumpur) in Malaysia, Phuket und Koh Samui in Thailand, Sihanoukville in Kambodscha und Phu My (Ho-Chi-Minh) in Vietnam
Umrundung von Japan ab/bis Tokio über Osaka, Shimizu, Hiroshima, Nagasaki, Akita, Hakodate, Miyako und Busan (Südkorea)
Beste Reisezeit:
Südostasien: Dezember bis April
Japan / Südkorea: April bis September
Nonstop-Flugzeiten ab Frankfurt (FRA):
Bangkok (BKK): ca. 11 h 20 min
Singapur (SIN): ca. 12 h 30 min
Tokio (NRT/HND): ca. 13 h 05 min
Singapur – die moderne Stadt an der Straße von Malakka
Mein Abenteuer beginnt in Bangkok und führt mich über Kuala Lumpur und erholsame Strandaufenthalte auf Koh Samui, Phuket und Langkawi bis ins Herz von Singapur und schließlich zurück zum Ausgangspunkt. Während ich auf Koh Samui palmengesäumte Strände genieße und in Kuala Lumpur die Petronas Towers bestaune, weiß ich bereits von meinen Rucksackreisen, dass Singapur alles Bisherige in den Schatten stellen wird.
„Mein Abenteuer beginnt in Bangkok und führt mich über Kuala Lumpur und erholsame Strandaufenthalte auf Koh Samui, Phuket und Langkawi bis ins Herz von Singapur. ”
Heute habe ich sieben Stunden frei und kann mir vergleichsweise viel Zeit für die Stadt nehmen. Beim Betreten der Gardens by the Bay umfängt mich ein Hauch futuristischer Eleganz: Riesige Supertrees ragen wie funkelnde Wächter in den Himmel, während im Flower Dome mehr als 40.000 exotische Pflanzen aus aller Welt blühen. Die warme Luft duftet nach Orchideen, und ich staune, als ich zwischen leuchtenden Tropenbäumen hindurchlaufe.
Danach spaziere ich um die große Marina Bay. Dabei besuche ich die futuristische Marina Mall und kann von überall meinen Blick nicht vom Marina Bay Sands lassen, einem luxuriösen 5-Sterne-Hotel. Nach einer kurzen Fahrt mit dem Aufzug gelange ich auf die Dachterrasse dieses gewaltigen Hotels, wo sich unter mir ein Lichtermeer ausbreitet.
Von hier oben wird mir bewusst, dass Singapur auf faszinierende Weise hochmoderne Skyline-Architektur mit Tradition verbindet. Denn auch Little India und Chinatown haben ihren ganz eigenen Charme, den ich auf vergangenen Backpacking-Abenteuern erlebt habe. Die Stadt hat eine klare Vision von der Zukunft und gilt für mich als moderner Fels in der Brandung, umgeben von sich moderater entwickelnden Schwellenländern.
Eine Kreuzfahrt öffnet dir eine Tür zu vielen Zielen in kurzer Zeit
Die Frage, ob es sinnvoller ist, mit einem Schiff oder dem Rucksack den entlegenen Osten Asiens zu bereisen, ist nicht einfach zu beantworten. Eine Kreuzfahrt öffnet dir die Tür zu vielen Ländern oder Städten in kurzer Zeit. Unterkunft, Verpflegung und Freizeitprogramme sind organisiert, sodass du dich voll auf die Erlebnisse konzentrieren kannst.
Diese Mischung aus Entertainment und Ausflügen ist für alle, die wenig Zeit mitbringen, eine gute Möglichkeit, einen Einblick in ein fremdes Land zu bekommen. Zu beachten ist, dass alle Schiffe umwelttechnisch nicht über einen Kamm zu scheren sind, da sie sich hinsichtlich ihres Antriebs und der Passagieranzahl erheblich unterscheiden.
Beim Backpacking ist es möglich, mehrere Tage an einem Ort zu verbringen und versteckte Pfade abseits der üblichen Routen zu entdecken. Du tauchst intensiver in den Alltag ein und hast die Möglichkeit, die Reise günstig und landestypisch zu gestalten. Mein Rucksack ist mein Symbol von Freiheit, mit dem ich flexibel und umweltschonender unterwegs bin.
Für mich als Backpackoholic ist es ganz klar: Wenn ich auf Reisen bin und Abenteuer erleben möchte, dann schnappe ich mir meinen Rucksack und erkunde die Wunder auf allen Kontinenten. Wenn das Geld knapp wird, greife ich aber saisonal gerne auf meinen Job an Bord zurück und kann mein Taschengeld für die nächste Individualreise auffüllen.
Trotzdem muss ich nicht auf das verzichten, was ich liebe – das Entdecken von fremden Orten und Kulturen. Egal, für welche Art des Reisens du dich entscheidest, egal wohin, egal wie teuer, egal wie lange – Hauptsache, du machst es. Denn die Welt ist ein Buch, und diejenigen, die nicht reisen, lesen nur die erste Seite.
„Wenn das Geld knapp wird, greife ich saisonal auf einen Job an Bord zurück und kann mein Taschengeld für die nächste Individualreise auffüllen. ”
Hongkong – Spannung zwischen Stadt und Gipfeln
Auf dem nächsten Reiseabschnitt erleben wir spannende Tage in Vietnam und Taiwan, bevor mit Hongkong die nächste Mega-Metropole auf unserem Kurs gen Norden liegt. Kaum hat das Schiff im Victoria Harbour festgemacht, umfängt mich das pulsierende Leben dieser Stadt. Ich fühle mich erdrückt von den Hochhäusern, die zu beiden Seiten des Hafens steil an den Berghängen liegen.
Heute will ich dem Großstadttrubel entkommen und mache mich deshalb mit dem Taxi auf den Weg zu einer Wanderung. Diese führt mich am frühen Morgen hinein in die schroffen Berge der Umgebung und bringt mich innerhalb einer Stunde zur Suicide Cliff. Während der Wanderung verdeckt dichter Nebel die Aussicht, und mein Blick bleibt auf den schlammigen Pfad gerichtet. Doch am Aussichtspunkt habe ich Glück, und der Nebel gibt eine ausgezeichnete Sicht auf das Panorama der Stadt frei. Ich muss immer achtsam sein, denn vor meinen Füßen liegt die Abbruchkante, wo es hunderte Meter tief in den Abgrund geht.
„In dem Monster Building leben ungefähr 10.000 Menschen, aufgeteilt auf 2.243 Wohneinheiten. ”
Nach einem ausgedehnten Fotoshooting und einem schweißtreibenden Abstieg fahre ich mit der Tramway und der Fähre zum nächsten Highlight. Ich laufe durch die verwinkelten Gänge und Innenhöfe des Monster Buildings. Dort hängt gewaschene Kleidung auf Balkonen zwischen bröckelnden Fassaden. Hier ist nicht mehr viel übrig von den glitzernden Hochhäusern der Innenstadt.
Der Besuch bringt mich näher an den Alltag vieler Bewohner, die aufgrund der hohen Mieten ein Leben auf engem Raum führen müssen. In dem Monster Building leben ungefähr 10.000 Menschen, aufgeteilt auf 2.243 Wohneinheiten. Dieser Tag wird mir aufgrund des Kontrasts von Natur und politisch umkämpfter Großstadt ewig in Erinnerung bleiben.
Hiroshima erleben – Mahnmal des Friedens
Der weitere Reiseverlauf sieht Shanghai und zwei südkoreanische Häfen vor, bevor ich das erste Mal japanischen Boden betrete. In Hiroshima möchte ich zuerst den Friedenspark ansteuern. Vor mir erheben sich die rostbraunen Überreste der Atombombenkuppel. Ihr zerborstener Stahl wirkt wie ein stummer Wächter, der unermüdlich mahnt. Danach spaziere ich durch den Friedenspark, vorbei an Denkmälern, und läute die Glocke des Friedens. Im angrenzenden Museum fallen mir verblasste Fotografien, zerrissene Kleidungsstücke und handgeschriebene Briefe der Opfer ins Auge.
Jeder Gegenstand erzählt von einem Menschenleben, das auf grausamste Art und Weise am 6. August 1945 ausgelöscht wurde. Ich bleibe lange bei den Ausstellungsstücken stehen und lasse die Stille auf mich wirken, bevor ich die Augen schließe und einen stillen Wunsch in die Welt sende. Abends an Bord hallen das Bild der Kuppel und die Geschichten der Menschen in meinem Inneren nach, während ich mich bei deutscher Schlagermusik versuche auf die Arbeit zu konzentrieren.
Mount Fuji – Symbolkraft und Spiritualität
Schon im Morgengrauen verlasse ich den Hafen von Shimizu. Das erste Licht taucht die Landschaft in ein warmes Leuchten, während der Bus durch stille Vororte zum Kawaguchi-See fährt. In der Nähe thront der majestätische Fuji, Japans höchster Berg, in voller Pracht vor mir. Mit 3.776 Metern ragt er schneebedeckt in den Himmel und spiegelt sich im ruhigen Wasser des Sees. Rund um das Ufer blühen hier die ersten Kirschbäume in zartem Rosa.
Nach einem Spaziergang entlang der Seepromenade beginne ich den Aufstieg zum Arakura-Fuji-Sengen-Schrein. Der Pfad führt über alte Steinstufen, durch duftende Kiefernwälder und vorbei an kleinen Schreinen. Oben angekommen, erwartet mich die berühmte Chureito-Pagode. Am Aussichtspunkt ist es eng, und zwischen dem Klicken der Kameras fällt es schwer, die Aussicht zu genießen. Doch zwischen Kirschblüten und der Spitze der Pagode zeigt sich der Fuji in seiner ganzen Erhabenheit.
Im Frühjahr trägt er im oberen Drittel eine weiße Schneebedeckung. Der Aussichtspunkt gehört zu den bekanntesten des Landes und ist daher öfters überlaufen. Bei einem Spaziergang am Ufer des Kawaguchi-Sees gibt es mehr Möglichkeiten, den mächtigen Berg ungestört zu betrachten. Der Vulkan Fuji ist mit seiner perfekten Form und Größe eine Quelle von Inspiration, Ehrfurcht und künstlerischem Ausdruck.
Den unentdeckten Süden & Tokio erkunden – Tradition trifft Moderne
Die letzte Woche steht ganz im Zeichen der kleineren Städte in Japan, die auf den südlicheren Inseln Kyushu und Shikoku liegen. Wir besuchen Kagoshima, Aburatsu und Kochi, welche weitestgehend unbekannt sind und im Schatten der bekannten touristischen Hotspots stehen. In Kagoshima besuche ich ein traditionelles Onsen, ein Badehaus mit Sauna und heißen Ruhebecken, das besonders gesundheitsfördernd ist.
Das nächste bekannte Ziel unserer Reise ist die Hauptstadt Tokio. Ich stürze mich direkt in das Gewimmel der größten Agglomeration der Welt am Shibuya Crossing. Dieses ist ein bekanntes Fotomotiv und ein aufregendes Erlebnis, wenn von vier Seiten die Menschen in alle Richtungen über die Kreuzung strömen. Zur Rushhour können hier bis zu 2.500 Menschen in einer Grünphase die Straßenseiten wechseln. Dabei leuchten riesige Bildschirme in grellen Neonfarben. Die bekanntesten Marken der Welt haben sich in den angrenzenden Straßen des Stadtteils Shibuya niedergelassen.
„Zur Rushhour können hier bis zu 2.500 Menschen in einer Grünphase die Straßenseiten wechseln. ”
Auf der Suche nach etwas mehr Ruhe schlendere ich durch den Ueno-Park, einen der fünf ältesten öffentlichen Parks Japans, der sich über 54 Hektar erstreckt. Ruhe scheint es hier auch nicht zu geben, denn die Kirschbäume sind in voller Blüte. Hier in Japan wird sie Sakura genannt und markiert den Beginn des Frühlings im Land.
Mitte März sprießen die ersten zarten rosa und weißen Blüten im Süden des Landes, bevor sie meist Anfang April Tokio erreichen. Im kühleren Norden, etwa auf der Insel Hokkaidō, erreicht die Blüte erst im Mai ihre volle Pracht. Das traditionelle Hanami-Fest, bei dem sich Familien und Freunde unter den blühenden Bäumen versammeln, reicht bis ins 8. Jahrhundert zurück und symbolisiert Vergänglichkeit und Erneuerung.
Insgesamt erweist sich Tokio als Stadt, in der Vergangenheit und Zukunft in atemberaubendem Tempo miteinander verschmelzen. Gleichzeitig ist Tokio das Ziel meiner Reise quer durch Asien. Ich verabschiede mich für einen Monat in meinen Urlaub und werde bald ein neues Abenteuer auf einem Expeditionsschiff auf den sieben Weltmeeren starten. Aber das ist dann wieder eine andere Geschichte.
Niklas Bahn
Reiseblogger
Niklas Bahn ist zwar noch jung, hat aber bereits seit vielen Jahren einen Traum: Irgendwann möchte er alle 193 Länder der Welt bereist haben. Mehr als 79 – 40 Prozent – hat er inzwischen schon geschafft. Australien, Malawi, Hawaii, Indien und viele andere Länder mehr zählen dazu. Für Envivas verfasst er Reiseberichte und gibt Gesundheitstipps.