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Abseits der touristischen Hotspots: Ziele an der Adria & in Nordvietnam

Urlaub ist für viele von uns die „schönste Jahreszeit”. Für mich als Backpacker sowieso. Ich habe mehr als 100 Länder bereist und kenne die Hotspots der Deutschen. Kennengelernt habe ich aber auch die weniger bekannten Ziele in diesen Ländern, die eine traumhafte Alternative sein können. Einige dieser unbekannteren Destinationen in beliebten Urlaubsländern und Regionen möchte ich Ihnen vorstellen.

Haben und hatten die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten einen Einfluss auf die Urlaubsplanungen der Deutschen? Eine Studie des Reiseportals HolidayCheck sagt: ja. Steigende Preise und Unsicherheit führten dazu, dass vorsichtiger, flexibler und selektiver geplant werde.

Die generelle Reiselust aber bleibe groß. Laut der Stiftung für Zukunftsfragen verbringe etwa jeder Dritte seinen Urlaub im Inland. Sonnenziele im Mittelmeer blieben unangefochten an der Spitze für internationale Reisen. In dieser Analyse verteidigt Spanien seinen Thron mit einem Marktanteil von über 9 Prozent, während Italien seinen zweiten Platz festigt und zunehmend durch eine Rückbesinnung auf klassische Genusswerte punktet.

Adria-Roadtrip: Wildnis und Kultur zwischen Buchten und Gipfeln

Wem der Ballermann zu laut und Italien zu teuer geworden ist, der blickt 2026 in Europa entschlossen nach Osten. Die wahre Freiheit wartet dort, wo der Asphalt rauer, die Straßen schmaler und die Erlebnisse unverfälschter werden: in Montenegro und Albanien. Ein Roadtrip durch diese Regionen ist kein bloßes Abspulen von Kilometern, sondern eine Reise zu versteckten Buchten und ursprünglichen Bergdörfern, die sich ihren Charakter bewahrt haben. Wer den Touristenmassen am Mittelmeer entkommen möchte, findet nur ein Stück weiter südöstlich an der albanischen Riviera einsame Küstenabschnitte und kristallklares Wasser.

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Montenegro: Wo die Berge aus dem Meer ragen

Meine Reise beginnt im Norden Montenegros in der Bucht von Kotor. Wer die 1.350 Stufen zur San-Giovanni-Festung erklimmt, wird mit einem Blick belohnt, der die gesamte Fjord-Landschaft in ihrer dramatischen Pracht offenbart. Es ist der Moment, in dem ich begreife, warum die Bucht oft als südlichster Fjord Europas bezeichnet wird. Hier fallen die Kalksteinwände nahezu senkrecht ins tiefblaue Wasser ab. 

Die mittelalterliche Altstadt von Kotor, die zum UNESCO-Welterbe gehört, ist ein Labyrinth aus venezianischer Architektur. Hier kann ich mich wunderbar in den engen Gassen verlieren und stolpere dabei über Hunderte von Katzen, die als inoffizielles Wahrzeichen der Stadt in jeder Nische dösen.

Weiter südlich entlang der Küste wartet ein weiteres Highlight: Sveti Stefan. Diese winzige Adria-Insel wirkt wie eine Filmkulisse aus einer anderen Zeit. Im 15. Jahrhundert als Fischerdorf zum Schutz vor Piraten erbaut, wurde sie in den 1960ern zum Hotspot für Hollywood-Legenden. Auch wenn ich nicht im exklusiven Resort übernachte, ist der Blick auf die rosa schimmernden Steinfassaden im Sonnenuntergang pures Gold für die Seele.

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Albanien: Die „Verfluchten Berge“ und steinerne Geschichte

Sobald ich die Grenze zu Albanien überquere, werden die Straßen rauer. Obwohl im Jahr 2025 zwölf Millionen ausländische Touristen Albanien besucht haben, bewahrt das Land bisher seinen Charme. Die wahre Seele des Landes wartet in den Bergen im Norden. Die Albanischen Alpen erheben sich plötzlich und unerwartet. 

Die Fahrt hinauf ist eine Geduldsprobe, doch oben lockt das Dorf Theth, eingebettet in einem Tal. Ich wandere über schmale Pfade und trinke frische Ziegenmilch. Luxus hat an diesem Ort nichts mit materiellen Gütern zu tun, sondern mit Stille. Im Anschluss führt mich eine abwechslungsreiche Tageswanderung über einen Pass, um das kleine Bergdorf Valbona zu erreichen. Von dort aus reise ich mit der Fähre über den Koman-Stausee zurück Richtung Zivilisation.

Nach dem rauen Norden windet sich die Straße zurück in den Süden nach Gjirokastra, einer Stadt aus Stein, die sich an einen steilen Hang klammert. Die alten Häuser wirken wie kleine Festungen. Die Stadt ist seit 2005 als UNESCO-Welterbestätte das kulturelle Zentrum des albanischen Südens. Den Abschluss bildet eine Quelle, das Blue Eye, wo versteckt in dichtem Grün das Wasser mit erstaunlicher Kraft aus der Tiefe hervorsprudelt. Es ist eiskalt, klar bis auf den Grund und schimmert in intensiven Blautönen, während sich manche am Rand erfrischen.

Die Verfluchten Berge im Norden Albaniens verdanken ihren düsteren Namen ihrer extrem schroffen, wilden Natur und alten Volkssagen, nach denen eine trauernde Mutter die unbarmherzigen Gipfel einst verflucht haben soll. Konkret handelt es sich dabei um die Albanischen Alpen, den höchsten und am stärksten zerklüfteten Teil des Dinarischen Gebirges auf dem Westbalkan. Heute ist die Region jedoch längst kein Ort des Schreckens mehr, sondern gilt als Paradies für Abenteuerurlauber und Wanderer.

Fernost-Kontraste: Thailands Paradiese oder das Abenteuer Nordvietnam?

Wenn es die Deutschen über die Grenzen Europas hinauszieht, steuern sie zielsicher auf einen alten Bekannten zu: Thailand. Das Land bietet auch 2026 Exotik bei minimalem Stress. Dabei zieht es die Touristen in den tropischen Norden oder auf die Inseln im Golf von Thailand. Doch wer den Fokus auf Authentizitätt legen möchte, sollte über den Tellerrand hinausblicken. Das wahre Abenteuer wartet im zerklüfteten Norden Vietnams. Die Formel: ein Rucksack, drei Wochen Zeit und eine 110-ccm-Honda-Wave.

Hanoi & Mu Cang Chai: Der Sprung ins Chaos und die Stille der Felder

Das Abenteuer startet im verkehrsreichen Hanoi. Ende April empfängt mich die Stadt mit einer Hitzewelle und dem Knattern tausender Mopeds. Ein Muss für den Start ist die „Train Street. In der schmalen Gasse rollen tonnenschwere Lokomotiven nur Zentimeter an Hauswänden und Restauranttischen vorbei. 

Mit dem Fahrplan in der Hand beobachte ich das Spektakel bei einer Schüssel Phở, der traditionellen Reisbandnudelsuppe, deren würzige Brühe mit Sternanis und Zimt verfeinert ist. Nach dieser Stärkung und einer kurzen Einweisung beim lokalen Vermieter tausche ich die Rolle des Beobachters gegen die des Fahrers. Als ich das Stadtzentrum verlasse und der Fahrtwind mein Gesicht trifft, weicht die Nervosität langsam einem Gefühl von Freiheit.

Als Erstes steuere ich auf meiner dreiwöchigen Rundreise das grüne Ninh Binh südlich der Hauptstadt an. Bizarre Karstfelsen ragen hier neben endlosen Feldern empor, auf denen unzählige Einwohner ihre Äcker mithilfe von Rindern bestellen. Der Aufstieg zum Hang Mua Viewpoint bei 35 Grad fordert Tribut, doch der Blick über das laut Legenden von Drachen bewachte Tal entschädigt für alles. Weiter nordwestlich, in Mu Cang Chai, warten die spektakulärsten Reisterrassen des Landes. 

Die Anfahrt über steile Serpentinen verlangt meinem kleinen Motorrad alles ab und teilweise krieche ich im ersten Gang die Berge hoch. Die schiere Größe dieser jahrhundertealten Kulturlandschaft ist tief beeindruckend, auch wenn die Felder im April noch in erdigen Brauntönen schimmern. Beim Reiswein mit der Gastfamilie im Homestay spüre ich: Hier freut man sich noch über jeden einzelnen Gast, und Gastfreundschaft wird jeden Tag aufs Neue zelebriert.

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Das Dach Indochinas & Ban Gioc: Über den Wolken und zum größten Wasserfall Vietnams

In der Bergregion um Sapa sinken die Temperaturen, und hier wartet mit dem Fansipan der höchste Gipfel Indochinas. Die Seilbahn schwebt durch mystische Nebelschwaden auf den 3.143 Meter hohen Gipfel, wo meditierende Mönche in riesigen Tempelanlagen zelebrieren. Eine riesige Buddha-Statue ziert die Flanke des Gipfels, während an der Spitze vietnamesische Flaggen wehen. 

Ein weiterer Höhepunkt ist die legendäre Motorrad-Tour „Ha Giang Loop“ an der chinesischen Grenze. Während hier zur Abwechslung auch organisierte Touren angeboten werden, genieße ich die Individualität mit meinem Motorrad und die Einsamkeit der Ma-Pi-Leng-Passstraße. Tausend Meter tiefer fließt der türkisblaue Nho-Que-Fluss, während ich zwischen messerscharfen Kalksteinfelsen hindurchkurve. Die Sonne brennt, der Fahrtwind kühlt, und ich denke nicht eine Sekunde daran, dass ich jetzt als Pauschaltourist auch an einem überfüllten Strand liegen könnte.

Dass dieses Abenteuer auch seine Tücken hat, zeigt die Strecke nach Cao Bang. Wenn die Straße endet, bringt eine schwankende Bambusfähre die Fahrer auf die andere Seite des Ufers. Während der Fährmann die Konstruktion mit Seilen über den Fluss zieht und meine Schuhe langsam nass werden, mischt sich Unbehagen zu dem Abenteuer. Genau dieses Ungeplante macht die Fahrt durch den wilden Norden Vietnams besonders. 

Danach erreiche ich über schlammige Dschungelpfade den „Angels Eye Mountain“ mit seinem natürlichen Loch im Felsen. Der Weg dorthin ist eher Stolpern als Wandern, aber gerade das bleibt mir in Erinnerung. Oben angekommen, wirkt der Berg fast unwirklich, da er sich durch seine besondere Form von allen anderen abhebt. Die Stille dort oben in der Höhle steht im starken Kontrast zum schwierigen Aufstieg auf unbefestigten Wegen. 

Die Ban-Gioc-Wasserfälle bilden den letzten großen Höhepunkt. Auf einem kleinen Boot fahre ich bis dicht unter die tosenden Wassermassen an der vietnamesisch-chinesischen Grenze und spüre die Gischt auf meiner Haut. Dieses Naturschauspiel ist einer der größten grenzüberschreitenden Wasserfälle der Welt. Der Lärm ist so ohrenbetäubend, dass Gespräche kaum möglich sind, aber das ist beim Staunen nicht so wichtig. Nach dem großen Finale kehre ich nach rund 2.000 Kilometern mit müden Knochen und einem breiten Grinsen nach Hanoi zurück.

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Die Mischung macht’s: Zwischen Komfortzone und Pioniergeist

Die Mehrheit der Deutschen schätzt auch im Urlaub das Altbekannte und die Sonne der Mittelmeer-Hotspots. Bei manchen wächst jedoch die Sehnsucht nach dem Unbekannten. Wer bereit ist, die ausgetretenen Pfade zu verlassen, wird oft reich belohnt. Das zeigt sich in der rauen Herzlichkeit der albanischen Berge genauso wie in der gewaltigen Gischt der Ban-Gioc-Wasserfälle im Norden Vietnams. 

Diese „Hidden Spaces“ zeigen uns eindrucksvoll, dass die wertvollsten Erinnerungen oft dort entstehen, wo der Massentourismus endet und das echte Abenteuer beginnt. Wahre Erholung finden wir 2026 nicht unbedingt dort, wo alles perfekt organisiert ist, sondern an jenen Orten, die wir uns mit Neugier und einer Prise Mut selbst erschlossen haben.

Niklas Bahn

Reiseblogger

Niklas Bahn ist zwar noch jung, hat aber bereits seit vielen Jahren einen Traum: Irgendwann möchte er alle 193 Länder der Welt bereist haben. Mehr als 79 – 40 Prozent – hat er inzwischen schon geschafft. Australien, Malawi, Hawaii, Indien und viele andere Länder mehr zählen dazu. Für Envivas verfasst er Reiseberichte und gibt Gesundheitstipps.