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Zahnersatz und -pflege: Das wird im Alter wichtig

Im Alter wird die Zahnpflege anspruchsvoller, besonders wenn man Implantate oder eine Prothese trägt. Professor Dr. Christoph Benz, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Alterszahnmedizin, erklärt, wie man seine Zahngesundheit mit der richtigen Reinigung und Pflege dennoch langfristig schützt. Und er hat Tipps für Angehörige, die ihre älter werdenden Eltern bei der Zahnpflege unterstützen wollen.

von Markus Düppengießer

„Bei Zahnpflege und Prophylaxe muss man mit zunehmendem Alter immer individueller vorgehen“, fordert Christoph Benz. „Pauschale Pflegetipps kann man in vielerlei Hinsicht nur Kindern geben. Kaum ist der Mensch erwachsen, muss er seine Routinen dem Zustand seines Gebisses anpassen. Und je älter er wird, desto wichtiger wird das.“ Das fängt nicht erst an, wenn Zahnersatz notwendig wird. 

Sondern, wenn sich die Zahnzwischenräume vergrößern und man neue Instrumente braucht, um diese zu reinigen. Schon da seien allgemeingültige Aussagen schwierig: „Die besten und individuellsten Tipps bekommt man bei seinem Zahnarzt oder seiner Zahnärztin.“

Aber es lohnt sich, diese ärztlichen Empfehlungen regelmäßig auf den neuesten Stand bringen zu lassen. Denn die Risiken einer mangelhaften Zahnpflege sind im fortgeschrittenen Alter schlicht zu groß. „Wenn etwa ein zunehmender Konsum von Zucker und eine schlechte Mundhygiene zusammenkommen, kann eine sich ausbreitende Karies in wenigen Monaten das zerstören, was man über Jahre hinweg aufgebaut hat.“ 

Und eine chronische Entzündung im Mund habe längst nicht nur Auswirkungen auf den Mundraum, so Benz: „Sie spielt bei allen wichtigen Krankheiten im Körper eine wichtige Rolle.“

„Wenn etwa ein zunehmender Konsum von Zucker und eine schlechte Mundhygiene zusammenkommen, kann eine sich ausbreitende Karies in wenigen Monaten das zerstören, was man über Jahre hinweg aufgebaut hat.”
Prof. Christoph Benz

Zahnpflegetipps im Alter

In Ergänzung zu den individuellen Tipps, die nur die Ärztin oder der Arzt bietet, lassen sich durchaus allgemeine Empfehlungen für die Zahnpflege im Alter geben. So schadet es nie, ausreichend Zeit für die Mundhygiene einzuplanen. Und sollte man irgendwann merken, das Zähneputzen fällt einem im Sitzen leichter, kann ein herbeigeholter Stuhl helfen. Eine durchdachte und konsequent eingehaltene Ordnung im Badezimmer verhindert unliebsame Verwechslungen. 

Vieles spricht auch spätestens dann für den Wechsel zur elektrischen Zahnbürste: „Studien belegen seit Langem, dass elektrische Zahnbürsten die Mundpflege immer ein bisschen besser machen, auch bei jungen Menschen”, so Benz. Im Alter lohne sich der Umstieg doppelt: „Diese Bürsten nehmen einem bei der Nutzung einen Teil jener Bewegungen ab, die mit der Zeit anstrengender werden, aber die für die Reinigung so wichtig sind.“ 

Auch die professionelle Zahnreinigung (PZR) verliert keineswegs an Bedeutung, im Gegenteil: „Deren Rhythmus ist immer individuell. Langfristig empfehle ich dennoch eine Erhöhung“, sagt Prof. Benz. Allerdings ist die PZR eine Leistung, die die meisten extra bezahlen: „Daher gilt mein Rat nur, wenn eine erhöhte Frequenz im Einzelfall ärztlich zu begründen ist – und die Kosten nicht den finanziellen Rahmen des Patienten sprengen.“ 

Im Rahmen von Kontrolluntersuchungen oder zahnmedizinischen Behandlungen können Auffälligkeiten im Mundraum gegebenenfalls frühzeitig erkannt und ärztlich abgeklärt werden.

Zahnpflegetipps bei Zahnersatz

Müssen natürliche Zähne durch künstliche ersetzt werden, heißt das nicht, dass man weniger für die Zahnpflege tun muss oder seltener der ärztlichen Kontrolle bedarf. „Diese Fehlinterpretation kommt immer seltener vor, aber es gibt sie noch.“ Und egal ob herausnehmbarer oder fester Zahnersatz: Kontrollbesuche bleiben auch deshalb sinnvoll, weil die besten Empfehlungen und Updates zum Thema Pflege und Reinigung vom Zahnarzt kommen. „Das gilt im Zweifelsfall auch für die Frage, welche zusätzlichen Hilfsmittel – von der Art der Zahnseide bis zur Spezialbürste – man einsetzen sollte.“

„Die Übergänge zwischen den natürlichen Zähnen und dem Zahnersatz bedürfen einer besonders gründlichen Reinigung. ”

Die Übergänge zwischen den natürlichen Zähnen und dem Zahnersatz bedürfen einer besonders gründlichen Reinigung, das gilt für festen Zahnersatz wie für Teilprothesen. Aber bei festem Zahnersatz kann die Frage auftauchen: Wie merke ich mir, wo die Implantate sitzen, wenn sie perfekt im Gebiss sitzen und optisch nicht auffallen, um diese Schnittstellen bei der Pflege besonders zu berücksichtigen? 

„Erst mal ist das ein Kompliment für Zahnärztin oder Zahnarzt, denn so sollte es ja sein“, sagt Christoph Benz. Als praktischen Rat verweist er darauf, wie einzelne Zähne im Befundschema markiert werden: „Wir zählen ab der Mitte: der dritte Zahn links oben, der vierte rechts unten. Eine bessere Idee habe ich auch nicht.“ Die Stellen des Zahnersatzes sollten sich Patienten oder Angehörige notieren.

Zahnpflegetipps bei Implantaten

Implantate bringen grundsätzlich ein Risiko für Periimplantitis mit sich. Diese Entzündungen rund um das Implantat breiten sich deutlich schneller aus als die am natürlichen Zahn. Es droht Knochenabbau und, wenn die Behandlung ausbleibt, der Verlust des Implantats. Periimplantitis beugt man am besten mit dem regulären Zähneputzen vor, wobei man die Schnittstellen am Implantat besonders gründlich reinigt. Hinzu kommen individuell abgestimmte Termine zur professionellen Zahnreinigung und Kontrollbesuche beim Zahnarzt. 

„Entzündungen rund um ein Implantat breiten sich deutlich schneller aus als die am natürlichen Zahn. ”

Der Einsatz von Zahnseide und speziellen Bürsten rund um die Implantate kann bei der Reinigung sinnvoll sein. Aber die besten Empfehlungen, so betont Christoph Benz auch hier, bekommt man bei jenen Fachleuten, die die Implantate eingegliedert haben: „Die wissen genau, was sie gemacht haben. Und die sollte man fragen: Wie möchtet ihr, dass ich diesen Zahnersatz pflege?”

zahnpflegetipps-prothesen

Zahnpflegetipps bei Prothesen

Der feste Zahnersatz ist immer beliebter geworden, daher wurde herausnehmbarer Zahnersatz immer seltener. Insbesondere die Totalprothese – die „dritten Zähne“ von früher – gibt es kaum noch. „Selbst bei älteren Senioren liegt der Anteil bei unter fünf Prozent“, so Benz. Auch für diese langsam aussterbende Art des Zahnersatzes gibt es Pflegeregeln. Und wieder kommen die besten Tipps vom zuständigen Prothetiker, die zahnärztliche Kontrolle bleibt ebenso wichtig wie die PZR. Für die Reinigung der Prothese gibt es verschiedene Abstufungen.

„Die Totalprothese – die „dritten Zähne“ von früher – gibt es kaum noch. ”

Die Standardreinigung: Prothese täglich herausnehmen und drei Minuten lang reinigen. Prothesen sind nicht so stabil, wie es scheint. „Schon der Sturz ins Waschbecken kann zu bleibenden Schäden führen, der Sturz auf den Fußboden macht sie sehr wahrscheinlich.“

Benz' Tipp: Prothese beim Reinigen übers Waschbecken halten, vorher Wasser einlaufen lassen oder Handtuch hineinlegen. Prothesen nicht zu hart schrubben. Statt einer Zahnbürste eine weichere Prothesenreinigungsbürste verwenden. Zahnpasten enthalten Schleifstoffe, die die Prothese zerkratzen. Alternativ werden in Drogeriemärkten und Apotheken spezielle Reinigungspasten angeboten. Wem die zu teuer sind, dem rät Benz zu Spülmittel oder Flüssigseife: „Das reicht auch. Und wenn ich sie anschließend gut abspüle, bleibt kein Seifengeschmack im Mund.“

Die Intensivreinigung: Prothese zwei- bis dreimal die Woche zusätzlich für zehn bis 15 Minuten ins warme Wasser legen. In Absprache mit dem Arzt kann der Einsatz spezieller Reinigungstabletten sinnvoll sein. „Aber grundsätzlich ist eine ausführlichere mechanische Reinigung – mit Prothesenbürste und Spüli oder Reinigungspaste – der bessere Weg.“

Die professionelle Prothesenreinigung: Mindestens einmal im Jahr sollte die Prothese grundgereinigt und aufpoliert werden. Dann nimmt die Oberfläche weniger Belag an, das senkt das Risiko für Karies und Mundgeruch.

Haftcreme: Bei Prothesen sollte man immer auf einen guten Sitz achten. Schieben sie sich beim Kauen auch nur leicht hin und her, kann auch das zum Knochenabbau führen. Haftcremes sollten nicht auf Dauer verwendet werden, sondern nur, wenn der Arzt sie empfiehlt. 

Aufbewahrung: Der Arzt entscheidet, ob die Prothese nachts rauskommt oder drinbleibt. Benz: „Es kann sein, dass sich die Zähne immer ein wenig verschieben, wenn ich sie herausnehme. Dann passt die Prothese irgendwann nicht mehr.“ In den meisten Fällen bietet es sich an, die Prothese nach der abendlichen Reinigung trocken und sturzsicher zu lagern. 

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Unterstützung durch Angehörige oder Pflegende

Seniorinnen und Senioren haben oft Probleme damit, sich einzugestehen, dass gewisse Tätigkeiten ihnen mit den Jahren schwerfallen. Das gilt für die Zahnpflege genau wie fürs Autofahren. „Auch bei der Mundhygiene haben ältere Menschen immer das Gefühl: Das kann ich noch. Aber sie überschätzen ihre Möglichkeiten“, sagt Christoph Benz. 

Irgendwann sollten die Pflegekräfte einschreiten. Oder, in deutlich mehr Fällen, die Angehörigen. „Obwohl sie das als selbstbestimmte Menschen nicht wirklich wollen, müssen sie ihren Eltern den sanften Impuls geben: Nein, lieber Papa, liebe Mama, du machst das nicht mehr optimal, darf ich dir helfen?“

„Nein, lieber Papa, liebe Mama, du machst das nicht mehr optimal, darf ich dir helfen?”
Prof. Benz

Wie aber merken Angehörige, dass ihre Eltern bei der Zahnpflege nicht mehr zurechtkommen? „Zähnen sieht man relativ gut von außen an, wenn sich Beläge bilden, gerade im vorderen Unterkiefer. Wenn die Konturen verschliffen erscheinen, weiß ich gleich, das funktioniert nicht mehr.“ Im Zweifelsfall lässt sich dieser Eindruck mit einer Färbetablette aus der Apotheke bestätigen. 

Für die Angehörigen ist es nicht leicht, bei diesem Thema den richtigen Ton zu treffen: „Da sind ganz viele Tabus im Spiel.“ Einseitige Entscheidungen werden schnell als übergriffig empfunden. Daher empfiehlt Benz ein offenes Gespräch darüber, wie man künftig vorgehen will. Daran sollte sich im besten Fall auch die Ärztin oder der Arzt beteiligen, um die Kinder in ihrer Argumentation zu unterstützen. 

„Wenn zahnmedizinische Profis das begleiten, geht es immer leichter.“ Eine gute Gelegenheit ist der gemeinsame Gang zum Kontrolltermin. Solange die Personen nicht demenziell erkrankt sind, stünden die Chancen gut, wenn man an ihre Vernunft appelliert: „Schließlich sind eigene Zähne ein entscheidendes Stück Lebensqualität. Das will niemand riskieren.“

Quellen:

Icon, das einen Experten/eine Expertin symbolisiert. Symbol für die Envivas Fach-Experten.

Professor Dr. Christoph Benz

Experte

Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Alterszahnmedizin

Markus Düppengießer

Autor

Markus Düppengießer, Journalist und Lektor, lebt in Köln. Früher schrieb er vor allem für Tageszeitungen, heute für verschiedene Fachmedien (on- und offline) aus den Bereichen Gesundheit und Personalwesen, für ein Straßenmagazin und eine Kinderzeitung. Zudem ist er Dozent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.