Zahnschmerz durch Erkältung – Wie er entsteht, wie man ihn loswird

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Phantomschmerzen an den oberen Zähnen, obwohl mit den Beißern alles in Ordnung ist? Dahinter steckt meist eine Erkältung. Die geht häufig mit einer Nebenhöhlenentzündung einher, geschwollene Nasenschleimhäute drücken dann auf die Zahnnerven. Wir erklären, was sich gegen die Erkältung tun lässt, wann man zum Arzt gehen sollte – und zu welchem.

Von Markus Düppengießer

 

  • Was passiert, wenn man sich erkältet?
  • Schmerzen wegen empfindlicher Zahnhälse
  • Woran erkennt man eine Sinusitis?
  • Was kann man gegen eine Erkältung tun?
  • Wann sollte man zum Arzt gehen – und zu welchem?
  • Mit Ohrenschmerzen zum Zahnarzt?
  • Weniger Erkältungskrankheiten durch Corona

Was nervt mehr: Zahnschmerzen oder eine Erkältung? Diese Frage muss jede und jeder für sich beantworten. Klar ist allerdings: Am schlimmsten ist es, wenn die Zähne wegen einer Erkältung wehtun. Wie aber kann es dazu kommen?

Was passiert, wenn man sich erkältet?

Mediziner sprechen bei einer Erkältung von einem grippalen Infekt – oder von einem Infekt der oberen Atemwege. Ein solcher Infekt geht oft einher mit einer Sinusitis, einer Entzündung der Nasennebenhöhlen. Die Nasennebenhöhlen sind ein System von Hohlräumen, das sich rund um die Nase durch den menschlichen Schädelknochen zieht. Sind die Kieferhöhlen, die Nebenhöhlen direkt rechts und links neben der Nase betroffen, können im Oberkiefer die Phantom-Zahnschmerzen entstehen.

Und so entstehen die (vermeintlichen) Zahnschmerzen:

  • Die Sinusitis reizt die Nasenschleimhaut und lässt sie anschwellen.
  • Die Nasenschleimhaut produziert viel mehr Sekret als im gesunden Zustand.
  • Die Verbindungskanälchen zwischen Nase und Nebenhöhlen verstopfen.
  • Dadurch werden die Nasennebenhöhlen nicht mehr richtig belüftet.
  • Das Sekret fließt schlechter ab und staut sich.
  • Insgesamt wächst der Druck, die Nasennebenhöhlen geben ihn weiter an die Zahnnerven.

Mag sein, dass anfangs die Zähne im Zusammenhang mit der Erkältung nur kribbeln; daraus können sich aber echte Schmerzen entwickeln. Weil sich nicht immer eindeutig unterscheiden lässt: „Schmerzen an einem einzelnen Zahn oder Kieferschmerzen?“, fühlt sich das für manche Betroffene nach Kieferschmerzen an.

Dieses Phänomen hängt schlicht mit der anatomischen Nähe zusammen: Die Kieferhöhlen liegen direkt oberhalb des Knochenteils (Fachbegriff Alveolarfortsatz), in den die Zähne eingelagert sind.

Der Druck fühlt sich an wie Zahnschmerz – obwohl mit den Zähnen an sich alles in Ordnung ist. „Und das passiert nicht einmal selten“, sagt Dr. Michael E. Deeg, HNO-Arzt aus Freiburg und Landesvorsitzender Baden beim Deutschen Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte e. V. „Vielmehr sind solche Reizungen im Wurzelbereich der Zähne ein ganz klassisches Symptom.“

Schmerzen wegen empfindlicher Zahnhälse

Auch kühles Winterwetter kann zu Zahnbeschwerden führen. Bei Leuten etwa, die an empfindlichen Zähnen leiden – oder genauer: an empfindlichen Zahnhälsen. Unter Umständen reicht ein kühler Windzug aus. Die Zähne reagieren dann allerdings nicht auf die Erkältung, sondern schon auf die Kälte empfindlich.

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Woran erkennt man eine Sinusitis?

Ob der Zahnschmerz von der Erkältung herrührt, ist für den Laien nicht leicht zu erkennen. Symptome, die auf eine Nasennebenhöhlenentzündung hinweisen können, sind:

  • vermehrter Ausfluss aus der Nase, anfangs wässrig, dann dickflüssig und verfärbt
  • Nasenatmung und Geruchssinn sind eingeschränkt.
  • Kopf- und Gesichtsschmerzen, die in verschiedene Richtungen ausstrahlen können und sich beim Bücken verstärken.
  • allgemeines Gefühl der Schlappheit
  • Nicht selten leichtes Fieber, auch Husten ist möglich.

Typisch ist es auch, dass sich die Schmerzen im Oberkiefer nur schwierig einem bestimmten Zahn zuordnen lassen und sich diese Folgen einer Erkältung wie Kieferschmerzen anfühlen können. Die Beschwerden sind eher diffus und wechselnd stark oder sie scheinen zu wandern.

Was kann man gegen eine Erkältung tun?

Die gute Nachricht: Wenn geklärt ist, dass die Schmerzen an den Zähnen durch die Erkältung bedingt sind, lassen sich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Wird man die Erkältung los, verschwindet der Schmerz an den Zähnen, der eventuell nur mit einer leichten Reizung, nicht viel mehr als ein Jucken, angefangen hat, gleich mit.

Der Nachteil: Die meisten akuten Infekte sind viraler Natur. „Und bei Viren haben Patienten nur wenige Möglichkeit, etwas gezielt gegen die Infektion zu tun“, sagt HNO-Arzt Deeg. Abwarten und Tee trinken also. Wobei heiße Getränke tatsächlich von vielen als wohltuend empfunden werden.

In der Regel sind Erkältungen nach spätestens zwei Wochen von alleine ausgestanden. Gegen die Symptome aber kann man was tun, wenn man erkältet ist und die Zähne schmerzen. Mit Schmerzmitteln etwa, die rezeptfrei erhältlich sind. Schmerzmittel lindern nicht nur den (Zahn-)Schmerz, sie hemmen auch die Entzündung und lassen die Schleimhäute abschwellen.

Dr. Deeg nennt hier Ibuprofen. „Das ist für diesen speziellen Fall in der Regel am besten geeignet. Die Entzündungshemmung ist bei Ibuprofen besonders stark ausgeprägt – und die abschwellende Wirkung auch.“ Weiterhin zu empfehlen sind Ruhe und abschwellende Nasensprays. „Das Inhalieren mit heißen Dämpfen würde ich bei akuten Entzündungen hingegen nicht empfehlen.“

Wann sollte man zum Arzt gehen – und zu welchem?

Laufende Nase und dicker Kopf sind also das, was Spötter als einen klassischen Männerschnupfen belächeln? „Bei einem leichten Infekt braucht man in der Regel keine ärztliche Hilfe, wenn man ansonsten gesund ist“, sagt HNO-Arzt Deeg. Werden allerdings die Beschwerden größer, die Schmerzen stärker, sollte der Patient durchaus einen Arzt aufsuchen. Aber welchen: HNO- oder Zahnarzt?

Die Initiative ProDente empfiehlt: „Wer Zahnschmerzen hat, muss immer sofort zum Zahnarzt.“ Was sagen die HNO-Ärzte? Michael Deeg, beim Deutschen Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte auch Pressesprecher, beantwortet die Frage eher pragmatisch. Man solle sich am Leitsymptom seiner Beschwerden orientieren, also danach gehen, worunter man am stärksten leidet. Überwiegt der Zahnschmerz zum Zahnarzt, sonst zum HNO-Arzt. Bei Bedarf werde der Patient entsprechend weiterüberwiesen.

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Mit Ohrenschmerzen zum Zahnarzt?

Oben haben wir über Zahnschmerzen gesprochen, die von Beschwerden herrühren, um die sich sonst ein HNO-Arzt kümmert. Aber gesundheitliche Zusammenhänge und Wechselwirkungen gibt es auch in der Gegenrichtung: dass eine Zahnbehandlung zu HNO-Leiden führt.

Zwar holt man sich kaum eine Erkältung, wenn man sich einen Zahn ziehen lässt. Allerdings kann es bei einer Zahnextraktion im Oberkiefer – insbesondere bei einem Backenzahn – zu einem Durchbruch in die Kieferhöhle kommen. Wird diese unnatürliche Verbindung zum Mundraum, auch Fistel genannt, nicht entdeckt, kann man sich eine Infektion einfangen: wenn Keime aus dem Mund in die Kieferhöhle eindringen. „Man spricht dann von einer dentogenen Sinusitis, also einer durch die Zähne ausgelösten Entzündung im Nebenhöhlenbereich“, erklärt HNO-Arzt Deeg.

Und der weiß noch von einem weiteren „Klassiker“ aus dem Grenzbereich der beiden ärztlichen Disziplinen zu berichten, diesmal geht es um – vermeintliche – Ohrenschmerzen. Der Patient geht also zum HNO-Arzt. Die Untersuchung der Ohren ergibt aber nichts Auffälliges. Bis man durch geeignete Untersuchungen feststellt, dass der Schmerz nicht vom Ohr kommt, sondern vom angrenzenden Kiefergelenk. Grund für die Beschwerden sei oft, dass der Patient mit den Zähnen knirsche. „Es ist dann gar nicht immer leicht, den Patienten davon zu überzeugen, dass ihm dabei eher der Zahnarzt weiterhelfen kann.“

Weniger Erkältungskrankheiten durch Corona

Durch Corona ist das Risiko, sich zu erkälten, deutlich gesunken. Die Techniker Krankenkasse etwa hat berechnet, dass im ersten Halbjahr 2021 so wenige Erwerbspersonen, die bei ihr versichert sind, krankgeschrieben waren wie seit elf Jahren nicht mehr.

Der Krankenstand habe bei gerade einmal 3,8 Prozent gelegen, was vor allem mit einem Rückgang der Erkältungskrankheiten zusammenhänge. „Wir sehen, dass durch die coronabedingten Abstands- und Hygieneregeln auch Erkältungskrankheiten und Grippe eingedämmt werden“, sagt dazu Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK.

„Das deckt sich mit meiner Erfahrung“, ergänzt HNO-Arzt Deeg. Die Coronaregeln hätten auch die Anzahl der akuten Infekte der oberen Atemwege ganz deutlich reduziert – „insbesondere bei kleinen Kindern, die sich sonst in Schule und Kita dauernd was geholt haben“. Weniger Erkältungen heißt auch weniger damit verbundene (vermeintliche) Zahnschmerzen. Bleibt zu hoffen, dass sich dieser Trend fortsetzt.

 

Quellen: