Zahnimplantate: Was Sie für das Einsetzen beim Zahnarzt wissen müssen

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Moderne Zahnimplantate sind vom echten Zahn kaum zu unterscheiden. Den eleganten, neuen Zahn kriegt man jedoch nicht mal so nebenbei. Es ist mit einigem Aufwand verbunden, das Implantat eingesetzt zu bekommen. Zudem muss der Patient auch aktiv dabei mithelfen, dass das überarbeitete Gebiss so komplett bleibt. In diesem Artikel erfahren Sie, in welchen Schritten Implantate gesetzt werden und wie sie zu reinigen sind.

Inhalt

  1. In welchen Schritten wird das Zahnimplantat eingesetzt?
  2. Die Operation in einzelnen Schritten
  3. Wie ist ein Zahnimplantat aufgebaut – und wie lange hält es?
  4. Welche Probleme können auftreten – und wie behebe ich sie?
  5. Wie reinige ich meine Zahnimplantate richtig?
  6. Fazit

Von Markus Düppengießer

 

In welchen Schritten wird das Zahnimplantat eingesetzt?

Setzt der Zahnarzt eine Krone oder eine Brücke an einer Stelle, an der vorher ein natürlicher Zahn war, sprechen wir umgangssprachlich von einem Implantat. Das eigentliche Zahnimplantat jedoch sieht man gar nicht. Es ist die künstliche Zahnwurzel, die der Zahnarzt in den Kiefer setzt. Ist diese Wurzel einmal installiert, kommt der sichtbare Teil dazu, der eigentliche Zahnersatz. Die Gesamtprozedur erstreckt sich über mehrere Sitzungen beim Zahnarzt.

Je gesünder der Mundraum ist, desto besser stehen die Chancen, dass ein Implantat erfolgreich gesetzt werden kann. Außerdem sollten – wie vor jeder Operation – einige Dinge vermieden werden: Stress, rauchen, körperliche Anstrengung, Erkältungen und Erkrankungen im Hals-Nasen-Rachenraum.

Patienten sollten vorab planen, wie sie anschließend sicher nach Hause kommen, weil sie nicht selbst fahren sollten. Und eine Kühlkompresse hilft bei Bedarf, Schwellungen zu lindern.

Die Operation in einzelnen Schritten

Vorgespräch & Vorbereitung: Der Zahnarzt erklärt die Notwendigkeit des Eingriffs, sein Vorgehen und mögliche Komplikationen. Im nächsten Schritt wird der Zustand von Zähnen, Zahnfleisch und Kieferknochen untersucht: Neben der üblichen Sichtkontrolle kommen bei Bedarf Röntgen und Computertomografie zum Einsatz. Sollte sich dabei herausstellen, dass sich der Kiefer zurückgebildet hat und ein Knochenaufbau (etwa durch einen Sinuslift vonnöten ist, verlängert sich die gesamte Prozedur erheblich.

Implantation & Einheilungsphase: Die Operation an sich kann zwischen einer und mehreren Stunden dauern, je nach Anzahl der Implantate. Nach der lokalen Betäubung wird das Zahnfleisch aufgeschnitten und ein Loch in den Knochen gebohrt. Die Öffnung wird gereinigt, das Implantat eingesetzt und das Zahnfleisch vernäht. Die anschließende Zeit der Einheilung, in der der Kieferknochen rund ums Implantat anwächst, dauert je nach Patient und Position mehrere Monate lang: Im Unterkiefer etwa drei Monate, im Oberkiefer zwischen drei und sechs Monaten.

Implantatzugang & Abdruck: Das Zahnfleisch ist inzwischen über das Implantat gewachsen, deshalb muss der Eingang freigelegt werden. Wenn auch noch das nachträgliche Formen des Zahnfleisches nötig geworden ist, kann dieser Prozess bis zu 14 Tage dauern. Ist die Freilegung verheilt, wird ein Abdruck genommen. Das Dentallabor braucht im Normalfall zwei bis drei Wochen, um den Zahnersatz zu fräsen. Maßgefertigte Implantate und Provisorien können auch mit dem 3-D-Drucker hergestellt werden.

Einsetzen & Nachkontrolle: Der Zahnarzt schraubt die Suprakonstruktion, also die Krone oder Brücke, auf das Implantat. Nach ein paar Wochen prüft er, ob das Implantat richtig sitzt.

Wie ist ein Zahnimplantat aufgebaut – und wie lange hält es?

Eine künstliche Zahnwurzel setzt sich normalerweise zusammen aus dem Implantatkörper und dem Implantataufbau. Es gibt auch einteilige Implantate, also Körper und Aufbau in einem. Zum Beispiel lassen sich Keramikimplantate oft nur einteilig herstellen. Allerdings sind diese nicht so flexibel bei Einsatz und Austausch wie zweiteilige Titanaufbauten. Der Zahnersatz, der hierauf befestigt wird, gehört nicht zum Implantat im engeren Sinne.

Während dieser Zahnersatz nach etwa 15 Jahren erneuert werden muss, kann die künstliche Wurzel bei guter Pflege (siehe auch unten im Artikel) eine deutlich längere Lebensdauer haben.


„Wenn ein Implantat entzündungsfrei bleibt, dann gehen wir heute davon aus, dass es lebenslang drinbleiben kann.“

– Zahnarzt Prof. Florian Beuer

 


Welche Probleme können auftreten – und wie behebe ich sie?

Entzündet sich der Knochen, kann es sein, dass das Implantat sich löst. Das lässt sich aber mit sorgfältiger Pflege verhindern. Abstoßungsreaktionen treten nur selten auf. Manche Krankheiten, etwa Diabetes, verzögern die Wundheilung und erhöhen das Risiko von Entzündungen.

Auch rauchen und gewisse Medikamente können den Heilungsprozess verzögern. Mehr erfahren Sie unter:

Wie reinige ich meine Zahnimplantate richtig?

„Außer bei einer Totalprothese ist jede Art von festsitzendem Zahnersatz schwieriger zu pflegen als die eigenen Zähne“, sagt Prof. Beuer, Direktor der Zahnärztlichen Prothetik am Centrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Charité Berlin. Entscheidend ist die Umgebung der Implantate.

Hier und in den Zahnzwischenräumen sammeln sich vermehrt Speisereste und Belage, das kann Entzündungen begünstigen: die befürchtete Periimplantitis. „Und eine Entzündung des Zahnfleischs kann zu einer Entzündung des Knochens rund ums Implantat werden“, so Prof. Beuer, der auch Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Implantologie ist, weiter. Dann ist es möglich, dass sich das Implantat lockert.

Prof. Beuers Tipps zu Reinigung und Pflege:

Reguläres Zähneputzen

  • Zweimal täglich mit einer weichen Zahnbürste von Rot nach Weiß bürsten, also vom Zahnfleisch weg und zum Zahn hin und dabei behutsam die Furche zwischen Zahn und Zahnfleisch (Sulkus) ausstreichen.

Sonderbehandlung für Zahnzwischenräume

  • Einmal am Tag entweder mit Zahnzwischenraumbürsten arbeiten oder mit handelsüblicher Zahnseide arbeiten oder mit Superfloss: einer speziellen Zahnseide, mit der man unter der Brücke putzen kann.
  • Lassen Sie sich von Ihrem Zahnarzt ein Schema geben, wo Sie an Ihrem Gebiss mit welcher Zahnzwischenraumbürste hineinkommen. Je größer der Raum zwischen zwei benachbarten Zähnen, desto größer sollte auch das Bürstchen sein, damit Sie wirklich den kompletten Raum säubern.

Kontrollbesuche beim Zahnarzt

  • Den Rhythmus legt der Zahnarzt fest, der den Zahnersatz eingegliedert hat. Bei manchen Patienten reicht es, wenn sie sich alle sechs Monate untersuchen lassen, andere kommen viermal im Jahr oder noch öfter.

Professionelle Zahnreinigung 

  • Das wird ebenfalls patientenindividuell abgemacht, zwei- bis viermal im Jahr.

Fazit

Das Setzen eines Zahnimplantats ist eine nicht nur kosten-, sondern auch zeitaufwendige Angelegenheit – gerade, wenn der Kieferknochen wiederaufgebaut werden muss. Und nach der Operation geht die Arbeit weiter: Mit täglicher sorgfältiger Pflege und regelmäßigen Zahnarztbesuchen. Mit langem Atem allerdings stehen die Chancen gut für ein über Jahrzehnte stabil restauriertes Gebiss.

 

Quelle

  • Dieser Artikel ist mit Unterstützung von Florian Beuer, Direktor der Zahnärztlichen Prothetik am Centrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Charité Berlin und Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Implantologie, entstanden.