Sofortimplantate: Der schnelle Weg zum neuen Zahn ?

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Ein Sturz vom Mountainbike und auf einmal zeigt sich eine unschöne Lücke im Frontzahnbereich? In diesem Fall können Sofortimplantate die Lösung sein. Hierbei werden die Implantate direkt nach dem Verlust des natürlichen Zahnes eingesetzt. Das klingt erst einmal gut. Doch wie bei jeder Zahn-OP sind auch hier Vor- und Nachteile sorgfältig gegeneinander abzuwägen.

Inhalt

  1. Was sind Vor- und Nachteile von Sofortimplantaten?
  2. Sind die Implantate für Front- und Backenzähne gleichermaßen geeignet?
  3. Was kosten Sofortimplantate?
  4. Ist das Sofortimplantat eine sinnvolle Lösung für mich?

Von Sarah Zöllner

 

Was sind Vor- und Nachteile von Sofortimplantaten?

Wird in ein und derselben Sitzung beim Zahnarzt auf den Implantatkörper eine provisorische Krone aufgesetzt, dann spricht man von einer Sofortversorgung oder von Sofortimplantaten. So verkürzt sich die Behandlungsdauer deutlich. Die Wahrscheinlichkeit eines problemlosen Einheilens liegt bei Sofortimplantaten bei etwa 94-95 Prozent. Klassische Implantate bereiteten in etwa 95-98 Prozent der Fälle keine Probleme.

Vorteile:

  • Sie erhalten rasch und in ein bis zwei Sitzungen eine optisch ansprechende Lösung. Gerade bei Zahnverlust im Frontzahnbereich, zum Beispiel aufgrund eines Unfalls, kann dies aus ästhetischen Gründen sinnvoll sein. Anders als bei der klassischen Zahnimplantation gibt es keine Einheilzeit, die abgewartet werden muss, und keine zweite Operation zum Freilegen des Implantatkörpers.
  • Das Zahnfleisch sowie der Knochen rund um den entfernten Zahn herum bilden sich nicht zurück. Der Implantatkörper und die provisorische Krone dienen sozusagen als „Platzhalter“. Durch die sofortige Belastung bleibt zudem die Knochensubstanz rund um das Implantat erhalten.
  • Auch für Angstpatienten kann die Sofortimplantation von Vorteil sein, da die Behandlung in deutlich weniger Sitzungen als bei der klassischen Implantation erfolgt. Patient oder Patientin verlassen meist bereits nach der ersten Sitzung die Praxis mit provisorischem Zahnersatz in Form einer Zahnkrone oder Brücke.

Nachteile:

  • Gerade im Frontzahnbereich kann es bei Sofortimplantaten jedoch auch zu Problemen kommen. Bei aufgesetzter Krone wird das Implantat sofort belastet. Dies kann im negativsten Fall zu Schwierigkeiten bei der Einheilung oder sogar zum Bruch des Implantates führen.
  • Ein Sofortimplantat eignet sich darüber hinaus nur, wenn das umgebende Zahnfleisch entzündungsfrei ist und vor der Implantation kein Knochenaufbau benötigt wird. Auch für Raucher und Menschen mit Vorerkrankungen wie zum Beispiel Osteoporose sind Sofortimplantate nur bedingt geeignet.
  • Schließlich gibt es wie bei allen Zahnimplantationen eine Reihe von potenziellen Risiken im Rahmen des zahnchirurgischen Eingriffs, die durch eine sorgfältige Diagnostik vor der OP möglichst reduziert werden sollten.

„Lässt sich der Zahnrest gut herauslösen und ist der Mund des Patienten entzündungsfrei, ist dies eine gute Voraussetzung für ein Sofortimplantat.“

– Zahnmediziner Prof. Florian Beuer

 


Sind die Implantate für Front- und Backenzähne gleichermaßen geeignet?

Obwohl Sofortimplantate gerade für den Frontzahnbereich aus ästhetischen Gründen reizvoll erscheinen, ist durch die unmittelbare Belastung des Implantates ein etwas höheres Risiko einer Wundheilungsstörung bzw. eines Bruchs des Implantats gegeben. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn das Implantat sofort mit einer Krone versehen wird.

Bei Backenzähnen ist dieses Risiko seltener, da eine Belastung das Implantat durch sogenannte Marylandbrücken (auch Klebebrücken genannt) verhindert werden kann. Diese werden mithilfe eines speziellen Klebers an den Nachbarzähnen befestigt. Die Lücke wird somit provisorisch verschlossen, ohne dass die umgebenden Zähne dabei in Mitleidenschaft gezogen werden.

„Lässt sich der Zahnrest gut herauslösen und ist der Mundraum des Patienten entzündungsfrei, ist dies eine gute Voraussetzung für ein Sofortimplantat. Ebenfalls wichtig ist die Bereitschaft zu guter Mundhygiene nach der Behandlung“, sagt Prof. Beuer, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Implantologie.

Was kosten Sofortimplantate?

Die Kosten für Sofortimplantate entsprechen denen klassischer Zahnimplantate, so Sebastian Becker und Natascha Jung, Expert/innen der Envivas Leistungsabteilung. Grundsätzlich gelten Zahnimplantate bei den gesetzlichen Krankenkassen immer als Privatleistung. Die Zuschüsse im Rahmen der Regelversorgung bewegen sich zwischen 300 und 500 Euro.

In individuellen Härtefällen kann es zu einer Erhöhung des Festzuschusses kommen. Weitere Informationen zu den Kosten einer Zahnimplantation erhalten Sie im Artikel „Was kostet mein Zahnersatz?“ 

Ist das Sofortimplantat eine sinnvolle Lösung für mich? 

Zusammenfassend lässt sich sagen:

  • Sofortimplantate sind immer dann eine gute Lösung, wenn innerhalb kurzer Zeit ein ästhetisch ansprechendes Ergebnis erzielt werden soll.
  • Voraussetzung für die erfolgreiche Implantation ist die Entzündungsfreiheit des Implantatumfeldes und dass genug Knochensubstanz zur sicheren Verankerung des Implantates vorhanden ist.
  • Gerade im Frontzahnbereich mag eine Sofortimplantation nach Zahnverlust reizvoll erscheinen, allerdings muss berücksichtigt werden, dass durch die sofortige Belastung des Implantates an dieser Stelle ein etwas erhöhtes Risiko für Komplikationen in der Einheilungsphase besteht.
  • Bezüglich der Kosten unterscheiden sich Sofortimplantate und klassische Implantate zum Beispiel aus Titan oder Keramik. Bei der Entscheidung „Sofortimplantat oder klassisches Implantat?“ ist immer Ihre individuelle Situation von Bedeutung. Diese klärt Ihr behandelnder Arzt durch eine sorgfältige Diagnostik vor der Behandlung.

Befragte Expert/innen

  • F. Beuer, Direktor des Centrums für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Charité Berlin und Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Implantologie
  • Sebastian Marc Becker, stellvertretender Leiter der Envivas Leistungsabteilung sowie Natascha Jung, Mitarbeiterin der Leistungsabteilung

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